Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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W. DÖRPFELD

Leitung des Architekten N. Balanos auf Kosten der Griechi-
schen Archäoiogischen Gesellschaft seit einem Jahre in An-
griff genommen ist, dürfen wir auch von dieser Seite neue
Aufschlüsse über architektonische und technische Einzelhei-
ten des Baues erwarten. Die Wiederherstellung beschränkt
sich, was mit Anerkennung hervorgehoben zu werden ver-
dient, auf diejenigen Bauteile, deren antike Steine erhalten
sind; nur einzelne neue Steine werden eingefügt, um eine
Unterlage für alte noch vorhandene Steine zu gewinnen.
Ich selbst habe bei meinen Vorträgen über die Propyläen
in den letzten Jahren auf einige noch wenig bekannte Punkte
hingewiesen, die ich hier einem weiteren Kreise der Fach-
genossen vorlegen möchte:
1. Der NW-Flügel der Propyläen, die sogenannte Pina-
kothek, ist früher der Gegenstand langer Discussionen ge-
wesen. Alan stritt darüber, ob die von Pausanias darin be-
schriebenen Bilder Wandgemälde oder Tafelbilder waren
(R. Bohn, Propyl. 33). Die nördliche Wand der Vorhalle ent-
hält bekanntlich neben der Tür zwei Fenster, deren Parasta-
den auf einem zierlichen Gesimse aus dunklem eleusini-
schen Stein stehen. Dieses Gesims geht in dem Zimmer an
allen vier Seiten entlang, während es in der Vorhalle an den
beiden Seiten wänden fehlt. Was bedeutet dieser Unterschied?
Ähnliche zierliche Gesimse sind in Pergamon in mehreren
Säulenhallen angebracht gewesen und trugen ebenfalls meh-
rere von Parastaden eingefasste Nischen oder Fenster. Sie
bildeten dort nachweisbar den unteren Abschluss von Wand-
malereien, die den oberen Teil, der Wände bedeckten; nur
der untere Teil der Wände bestand aus sichtbarem Stein und
war nicht mit Stuck überzogen. Erinnern wir uns nun, dass
in den älteren pompeianisclien und anderen Wandmalereien
vielfach über den gemalten Orthostaten und einigen Wand-
quadern ein zierliches Gesims entlang läuft, über dem die
Wand einheitlich bemalt ist und zuweilen kleine Nischen
oder Fenster angebracht sind, so können wir eine enge Ver-
wandtschaft zwischen dieser Ausbildung der Wände an Bau-
werken von Pompeii, Pergamon und Athen nicht verkennen
und werden zu der Vermutung gedrängt, dass auch in der
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