Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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ZU DEN BAUWERKEN ATHENS

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weil ihre jetzige Lage nicht angegeben ist. Die neuen Steine
gehören also entweder gar nicht zum Nikias-Monument oder
lehren uns für den Bau nichts Neues. Dass dagegen Dinsmoor
andere wichtige Steine gefunden hat, die wirklich zugehö-
ren, wurde schon erwähnt.
Wo hat nun das Nikias-Monument einst gestanden? Ich
selbst habe angenommen (AM. XIV 1 889,63), dass ein oberhalb
des Herodes-Theaters liegendes Breccia-Fundament, das bei
Errichtung des Theaters halb abgebrochen worden ist, das
choregische Monument getragen habe. Das Beulesche Tor
musste in diesem Falle zugleich mit dem Herodes-Theater
erbaut worden sein. Die Bedenken, die Versakis gegen meine
Annahme geltend macht, sind zum Teil unberechtigt. So hat
er nicht verstanden, dass der vorhandene Rest des Baues nur
ein nicht sichtbares Fundament ist, und dass wir seine Fuss-
bodenhöhe gar nicht kennen; der jetzige Zustand des anstos-
senden Felsens, der ebenfalls unsichtbar unter dem Boden
lag, darf daher nicht gegen meine Annahme angeführt wer-
den. Auch sein Bedenken in Bezug auf die Gestalt des Brec-
cia-Fundamentes halte ich nicht für berechtigt, zumal der
von ihm veröffentlichte Grundriss in mehreren Punkten
unrichtig ist. Für berechtigt halte ich dagegen den auch von
Anderen erhobenen Einwand, dass die choregischen Monu-
mente, soweit wir wissen, alle in der Nähe des Dionysos-
Theaters und in der Tripodenstrasse gestanden haben. Da
nun Dinsmoor jetzt an der SO-Ecke der Eumenes-Stoa, also
nahe beim Theater, ein zu dem Gebälk gut passendes Fun-
dament gefunden und ausgegraben hat, zögere ich nicht,
meine frühere Ansetzung zu gunsten der von Dinsmoor zu-
rückzuziehen.
Ich glaube sogar noch ein weiteres, bisher nicht beachte-
tes Bedenken gegen meine bisherige Ansetzung anführen zu
können. Das Beulesche Tor ist zwar von seinem Entdecker
für ein griechisches Gebäude gehalten worden, zeigt aber in
Wirklichkeit eine so schlechte Bauweise, dass seine Errich-
tung besser in die spätrömische oder gar byzantinische Zeit
passt, als in die Mitte des II. Jahrhunderts nach Chr. In einer
Glanzzeit Athens, als das Herodes-Theater und die statt-

ATHENISCHE MITTEILUNGEN XXXVI

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