Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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A. FRICKENHAUS

drei Füssen. Gerade die Unmöglichkeit, einen solchen auf dem
Stufenbau des Dörpfeldschen Heiligtums zu reconstruieren,
hat mich zum ersten Mal an dem 'Altartisch' zweifeln lassen:
auf den Vasen haben wir einen relativ kleinen Tisch mit
drei Füssen, die im Grundriss ein Dreieck bilden, und dahin-
ter eine Säule; in unserem Bezirk aber sind es vier im Qua-
drat stehende wirkliche Säulen. Ebenso unzureichend sind
nun die beiden anderen Beispiele. Die Inschrift des Aubcuveug
steht zwar auf einer grossen Tischplatte, aber sie ist nicht
quadratisch und ruhte ausserdem nicht auf säulenförmigen
Füssen, sondern auf zwei senkrechten Platten, in die sie ein-
gefalzt war; derartige Stützen für Klinen und Tische sind
z. B. im Hippolytosbezirk von Troizen erhalten b Das letzte
Beispiel endlich ist seitdem durch v. Prott genauer behandelt
worden (AM. XXIV 1899, 241 ff.; vgl. Ziehen, Leges sacrae
Nr. 2). Es ist eine 0,48 breite und einst 1,51 m lange Basisplatte
zu einem verlorenen Gerät, das auf zwei runden Stützen und
einer dazwischen angebrachten viereckigen ruhte; also nicht
nur die Zahl und Anordnung der Stützen war eine andere,
sondern auch die Form des getragenen Gegenstandes.
So hat sich denn ergeben, dass ein ähnlich grosser qua-
dratischer Tisch auf vier säulenförmigen Füssen bisher nicht
nachzuweisen ist, weder im Dionysoskulte noch sonst; Dörp-
felds Reconstruction ist ohne genaue Analogie und muss
deshalb als unwahrscheinlich abgelehnt werden b Aber gibt
es denn keine andere Möglichkeit der Ergänzung? Die Säu-
len unserer Anlage waren zuerst 27 cm, später sogar bis etwa

^ Vgl. Legrand, BCH. XXI 1897 Taf. 13; Studniczka (bei Legrand,
BCH. XXX 1906, 52) hat die Klinen bestimmt, noch nicht erkannt scheinen
aber die davorstehenden Tische, wie denn überhaupt über jenes Banketthaus
noch allerlei zu sagen wäre.
^ Vierbeinige Opfertische mit oblonger Platte kommen mehrfach vor.
Ein besonders gutes Beispiel weist mir Kurt Müller nach: den Tisch der
Athena Hygieia (Bohn, AM. V 1880, 332, vgl. Wolters, AM. XVI 1891, 162).
Hier stehen zwar die hufeisenförmigen (nicht genau runden) und wesent-
lich kleineren (10,5X13 cm) Füsse im Quadrat zueinander, aber die Maasse
der Basis (1,67Xb02m) und ihre Oberflächenbearbeitung verlangen die
Reconstruction einer oblongen Platte.
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