Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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DAS HBRAKLEION VON MELITE

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Altertum I 157); gerade die Athener behaupteten ja auch, dem
Herakles zuerst als Gott geopfert zu haben. Es ist richtig,
dass in Folge dieser Anschauung Herakles an mehreren
Orten Griechenlands Tempel erhalten hat, aber in Attika
selbst vermögen wir keinen einzigen sicher nachzuweisen
Ja die Athener sind sich dessen bewusst gewesen, dass ihre
Opfer ursprünglich dem gestorbenen Herakles, also dem
Heros, galten. Das beweist uns Euripides (Herakles 1331)
mit den schönen Worten, die Theseus zu ihm spricht:
üavovia 8" eüi* av eh; "At8ov
üuotatoa VxtvoLot r' e^oyKcopacrv
itptov dva^et nac' 'Athp'atoov nohg.
Zwar bemerkt U. v. Wilamowitz (Eur. Her. 2 II 270) zu dieser
Stelle: 'Euripides lässt Theseus undeutlich reden, weil er
jetzt nur von Totenkult reden kann (LEva e^oyxwpaia sind
dann das Grab, vgl. Orest 402 prpep' e^toyxovv tct(p(p), während
tatsächlich die göttliche Verehrung des Herakles in Tempeln
bezeichnet wird'. Aber da es u. W. keine Heraklestempel in
Attika gab, so werden die 'steinernen Ehrenbauten' eben die
Heroa sein, die durch die angeführten Reliefs und Vasen als
Hauptcharakteristicum der Herakleia erwiesen werden. Das
Kultmal des Herakles, das beweist uns seine Form, ist iM
Grunde nichts als ein Grab, trotzdem ihm später vielfach wie
einem Gotte geopfert wurde. Als etwas später Aufgekom-
menes hat man letzteres deutlich empfunden (vgl. z. B. Paus.
I110,1), und es ist sehr verständlich, dass gerade die Athener
den Anfang dazu gemacht haben; ihnen war ja der Ursprung
jenes Kultbaues fremd, weil ihre einheimischen Gräber an-
dere Formen besassen.

* Die vielen Belege über die attischen Herakleskulte, die Dettmer (de
Hercule Attico 1869) gesammelt hat, sprechen stets nur von iepd oder repEVT)
oder 'Hpax^Em oder m}Xoi. Das sind aber dieselben Ausdrücke, die auch
sonst von den Bezirken der Heroen gebraucht werden; Heroen erhalten ja
so gut wie nie Tempel (vaoi), vgl. z. B. für Attika die von Milchhöfer zu-
sammengestellten Zeugnisse in Curtius' Stadtgeschichte von Athen p.XLIV-
LVI. Nur Lukian (deor. cont. 7) erwähnt einen VEM$ des Herakles bei Gar-
gettos-Pallene, aber an einer wenig zuverlässigen Stelle (vgl. Dettmer 45).
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