Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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A. SCHOBER

doch grosse Unterschiede. Wir dürfen dabei nicht vergessen,
dass wir Copien, vielleicht Umarbeitungen von oft geringer
Qualität vor uns haben. An Copistenfreiheiten und Stilmi-
schungen muss notwendig auch die feinste Stilkritik versa-
gen. Infolgedessen herrscht in der Beurteilung dieser Reihe
grosse Unsicherheit.
Ohne auf die ganze Frage der Zuteilungen aller Köpfe
einzugehen, greife ich vorerst zwei Hauptvertreter heraus:
den Riccardi'schen in Florenz und den Perinther in Dresden.
Während man den myronischen Kunstcharakter des erste-
ren wohl allgemein anerkennt, wurde der letztere zuerst von
Herrmann (AM. XVI 1891, 313 ff.), dann von Furtwängler
(Meist. 346; Intermezzi 77), zuletzt von Lechat (Pythagoras
de Rhegion 115) dem Pythagoras zugewiesen. Sauer (The-
seion 223) hat hingegen den ausgesprochen attischen Cha-
rakter des Kopfes betont und dessen nahen aber sicher jün-
geren Verwandten, den Pariser ' Polluxj mit den Skulpturen
des sog. Theseion in Verbindung gebracht; ihn selbst aber
schreibt er infolge 'frappanter Ähnlichkeit" mit dem vatica-
nischen Perikies dem Kresilas zu. Mir erschien der Perinther
Kopf immer als Nachkomme des Harmodios aus der Neapler
Tyrannenmördergruppe (Herrmann, a. a. O. 330), und durch
die etwas altertümlichere Bildung der Haare und der Au-
gen als Vorstufe der Köpfe Riccardi und Ince BlundelD,
mit denen er in den Gesichtsformen, besonders in der Füh-
rung der Unterkieferlinie, im Lockensystem und in dem
ganzen etwas mürrischen und verschlossenen Ausdruck über-
einstimmt. In eine ganze neue Beleuchtung wurde nun der
Perinther Kopf durch eine Beobachtung gerückt, die Max

Taf. 18; Hermes Chinnery in London, Catalogue Nr. 1603 Taf. 5; Florenz,
Giardino Boboli, Furtwängler, Meisterw. 346. Binz. Verk. 96-98; London,
Lansdowne House, Furtwängler, Meisterw. 346; Uffizien, Einzel-Verkauf
83-84; Conservatorenpalast Nr. 5, Einz.-Verk. 476-477; Vatican, Loggia sco-
perta, Furtwängler, Meisterw. 341; Villa Albani, Einz.-Verk. 1090-1093.
^ Dieser Kopf, der bis dahin eine selbständige Stellung sich behauptet
hatte, wurde neuerdings von Sieveking als 'eine im Haar sorgfältige, im
Gesicht sehr flaue Wiederholung des Riccardi-Kopfes' erkannt (L. Curtius,
Text zu Br.-Br. T. 601-604 Anm. 17).
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