Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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G. RODBNWALDT

die Fresken von Orchomenos in die Zeit des jüngeren tiryn-
ther Palastes.
Das Bild, das wir von den beiden tirynther Stilen ha-
ben, wird durch die Heranziehung dieser weiteren Funde
sehr wesentlich ergänzt und bereichert. Viel wichtiger ist,
dass sie uns zeigen: in der Malerei des griechischen Fest-
landes herrschte zur Zeit des älteren Palastes von Tiryns ein
einheitlicher Stil, der sich continuierlich weiterentwickelte.
Diese Malerei ist von Kreta importiert und setzt den ent-
wickelten Stil des jüngeren knossischen Palastes voraus, dem
ihre Anfänge gleichzeitig sein mögen. Die Eigenart, die sie
von der kretischen Malerei unterscheidet, besteht in gegen-
ständlichen Veränderungen der Tracht und Bewaffnung, in
der Vorliebe für bestimmte Arten von Darstellungen, nament-
lich Krieg und Jagd, in der Auswahl und Ausgestaltung ge-
wisser Ornamente, namentlich der Doppelspirale. Nene künst-
lerische Werte hat diese Malerei nicht geschaffen, aber sie
hat mit grosser Zähigkeit die Traditionen der kretischen
Blütezeit bis in den Ausgang der festländisch mykenischen
Kultur erhalten.

Athen.

Oerhart Rodenwaldt.
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