Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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FRAGMENTE MYKENISCHER WANDGEMÄLDE 225
abschliesst. Bei der Vorliebe der kretisch-mykenischen Male-
rei für symmetrische Architekturdarstellungen werden wir
uns rechts einen gleichen Seitenflügel ergänzen dürfen; not-
wendig ist dieser Schluss bei der geringen Zahl der über-
haupt erhaltenen Bilder allerdings nicht.
Immerhin können wir das mykenische Fragment danach
einigermassen vervollständigen. Rechts befand sich eine
grosse, von zwei Anten seitlich abgeschlossene Öffnung. An
die linke Ante stösst ein gelber Pfeiler, der oben wahrschein-
lich in anderer Höhe endete und den rechten Rahmen für die
offene Loggia bildete. Die entsprechende Halle auf dem knos-
sischen Fragment wird von Säulen getragen, die doch wohl
auf dem Boden aufstehen. Auf unserem Fragment schliesst
ein Rahmenwerk, das aus einer Horizontalbrüstung und ver-
ticalen viereckigen Stützen besteht, die Halle vorne ab. Auf-
fallend ist es, dass unter der Brüstung das gleiche Blau wie
oben erscheint. Da sich die Körper der Frauen unten nicht
fortsetzen, kann es hier nicht Hintergrund sein. Die einzig
mögliche Erklärung ist die einer blau bemalten Füllung des
Holzrahmens.
Diese Erklärung setzt die Annahme eines ziemlich
grossen Realismus in der Wiedergabe der einzelnen Archi-
tekturteile voraus. Gegen Zahns kühne Interpretation des
Kultbaues auf dem knossischen Miniaturfresco (Arch. Anz.
1901,99), die sehr gewaltsame perspectivisclie Veränderun-
gen annahm, hat zuerst Noack (Homer. Paläste 77 ff.) Stel-
lung genommen und auf die Analogien der erhaltenen Rui-
nen hingewiesen. Noch stärker, vielleicht noch nicht stark
genug, hat Bulle in der anregenden und ergebnisreichen
Besprechung der orchomenischen Fresken die Naturtreue
der Architekturbilder betont. Aber gerade in der Beurteilung
der Einzelheiten ist noch vieles unsicher; jedes neue Frag-
ment kann darin weiterhelfen.
Auf unserem Bilde sind der Pfeiler am rechten Bild-
rande, die Brüstung mit dem linken Pfeiler und der Deck-
balken rot gemalt; aber dieses Rot ist verschieden von dem,
das zur Vorzeichnung der Figuren verwandt ist, es ist aus-
serordentlich viel heller. Das dunkle Rot ist das übliche, das
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