Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 36.1911

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A. REHM

ganze Höhlung einen Metalldraht gezogen, an dem die bei-
den dxpn durch Querstäbchen oder Kügelchen angedeutet
waren. Die etwas umständliche Vorrichtung an den beiden
Enden der Mittagslinie (s. o. S. 253) führt mich indes auf
einen andern Einfall: es möchten statt eines Gnomons zwei
gewesen sein, einer von F bis K, der andere von H bis L
(Abb. 3) reichend. Dann konnte man das ganze Jahr hindurch
eine Schattenspitze beobachten, ohne dass sie je für den
seitlich stehenden Beschauer durch den Gnomon verdeckt
und ohne dass Messungen, die man etwa daran vornehmen
wollte, durch den darüber liegenden Gnomon erschwert wa-
ren; im Sommerhalbjahr bot das System L, im Winterhalb-
jahr das System K diesen Vorteil.
Wie ist nun der Constructeur verfahren? Wenn eine
Uhr in einer Halbkugel richtig 'gehen' soll, während doch
die Spitze des Gnomons nicht im Centrum des Horizont-
kreises (wenn schon in dessen Ebene) liegt, so kann man
wohl nur so Vorgehen, dass man das Liniensystem zunächst
für normale Voraussetzungen entwirft und es dann auf die
neue Fläche projiciert; d. h. man hat sich eine Halbkugel
mit dem Centrum K und eine andere mit dem Centrum L zu
denken (xx, und 7A, auf Abb. 3) und die für diese Systeme sich
ergebenden Strahlen zu verfolgen, bis sie die Oberfläche der
grossen Halbkugel FNH treffen. Am einfachsten ist nun auch
hier wieder die Sache bei den Bögen der Tag- und Nacht-
gleichen; sie projicieren sich als Kreisbögen (BK und DL),
weil, wie oben schon gesagt, an diesen Tagen alle Strahlen
in einer Ebene liegen; anders an den Tagen der Wenden,
wo die Strahlen einen Kegelmantel umschreiben (s. o. S. 256).
Hier erscheint die Schnittlinie mit der Projectionsfläche nur
dann als Kreisbogen, wenn, wie es beim Normaltypus natür-
lich der Fall ist, alle Strahlen von der Gnomonspitze zur
Kugeloberfläche gleich lange Strecken durchlaufen. Werden
die Strecken verschieden lang, so liegen eben ihre End-
punkte nicht mehr in einer Ebene. In unserem Fall (Durch-
dringung eines Kegels mit einer ihm umgeschriebenen, aber
zu ihm nicht concentrischen Kugel) werden die Schnitt-
flächen Ellipsen. Das hat der Verfertiger unserer Sonnenuhr
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