Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 25.1909

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ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 3


Erlöserkirche in Stuttgart.
Ansicht von Süden mit Pfarrhaus.

Architekt: Professor Dr. Theodor Fischer
in Stuttgart.

tisch allen Anforderungen gerecht
werden.
Das Preisgericht stellte sich
nun auf den vermittelnden Stand¬
punkt, es wagte die von Schmitz
geforderte Konsequenz nicht zu
ziehen, hielt aber die Forderung
einer Gesamtanlage, und der Aus¬
bildung der Seefront aufrecht. Da¬
mit mußten die beiden extremen
Auffassungen fallen und konnte
für eine Auszeichnung an erster
Stelle nur eine der vermittelnden
Lösungen in Betracht kommen.
Die Wahl fiel auf das Projekt
von Professor Littmann-München.
Es zeigt glückliche Lösung der
Grundrisse wie des Äußeren; beide
Fronten liegen dem See zugekehrt,
die Platzanlage wird nach dieser
Seite monumental wirken, sobald —
das Bestehende rasiert wird. Die
Rückseite des großen Hauses geht
nach der Neckarstraße, wie die
aller Entwürfe dieser Auffassung,
und ist durch ein vorgelegtes Portal
u. s. w. so weit wie möglich maskiert.
Das mit dem dritten Preis ausgezeichnete Projekt von Schmohl
& Staehelin ist das einzige, bei dem es gelungen ist, das eine
Haus genau in die Achse des Sees zu rücken und damit die
jetzige Anlage zu erhalten. Doch entstand dadurch eine weitere
Erschwerung des Grundrisses, der im Protokoll des Preis-
gerichts stark beanstandet wird. Die äußere Erscheinung ist
glücklich. Die vortrefflich dargestellte Perspektive bestätigt
deutlich das oben Gesagte, daß eine monumentale Platzanlage
stets hinter dem Grün der Bäume verschwinden wird, so lange
das jetzige Rondell erhalten bleibt. Tatsächlich zeigen denn
auch etwa zwei Drittel der eingelaufenen Entwürfe in ihren
Schaubildern »Winterlandschaften«.
Das Projekt von Jooß-Geislingen zeigt einen interessanten
Versuch, über die Platzgrenzen hinweg eine großzügige
Anlage zu schaffen, mit Überbrückung der Schloßgarten-
straße. Die Erscheinung des Ganzen in dem als Vogelper-

spektive gezeichneten Schaubild ist gut, doch dürfte sie von
einem wirklichen Standpunkt aus weit weniger vorteilhaft
wirken.
Einer der nichtausgezeichneten Bewerber schrieb naiver-
weise unter sein Schaubild: »Die Bäume sind hier nicht ge-
zeichnet, um einen guten Überblick zu ermöglichen, in Wirk-
lichkeit sind sie vorhanden zu denken.«
Dieses Geständnis erklärt am besten die unüberbrückbaren
Widersprüche, die vor Ausschreiben des Wettbewerbs hätten
gelöst werden müssen. Daß es nicht geschah, macht das
Gesamtergebnis zu einem unbefriedigenden, wie das Protokoll
ausdrücklich hervorhebt.
Es muß angenommen werden, daß das Ergebnis zu einer
neuen Aufrollung der Platzfrage führen wird. Tatsächlich hat
einer der Preisrichter, Professor Dr. von Seidl-München, sich
eine schriftliche Erklärung hierüber vorbehalten.

Landhaus des Herrn Dr. Teuschner in Loschwitz. Architekt: Professor Kurt Diestel
Halle. in Dresden.


Landhaus des Herrn
Dr. P. Teuschner in Losch-
witz bei Dresden.
Architekt: Professor Kurt Diestel in Dresden.
Das hart am Abhange errichtete
Haus steht auf felsigem Grunde, weshalb
das Erdgeschoß stark herausgehoben
wurde. Dieses enthält außer den Vor-
räumen und der Diele das Zimmer des
Herrn, das Speisezimmer mit hochliegen-
den seitlichen Fenstern, ein kleines
Damenzimmer und den Salon, durch
dessen großes Schiebefenster sich ein
herrlicher Ausblick in die Landschaft
öffnet. Unter der zum Obergeschoß


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