Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 25.1909

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1909

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 9

Festhalle in Landau. Architekt: Hermann Goerke
Aufgang zur gedeckten Terrasse. in Düsseldorf.


Beschreibung der Abbildungen.
Tafel 65. Erweiterungsbau der Deutschen Bank in Berlin,
Mauerstraße. Architekt: W. Martens in Berlin.
Tafel 66. Wettbewerbentwurf für einen Wasserturm der
östlichen Vorstadt in Bremen. 2. Preis. Architekten: Carl Eeg
und Ed. Runge in Bremen.
Auszug aus den Bedingungen des Wettbewerbs. Ein eiserner
Hochbehälter von 20 m Durchmesser, von 3,5 m Höhe des zylindrischen
Teils und von 10 m Tiefe des Kugelbodens soll am Treffpunkt von fünf
Straßen aufgestellt, durch einen Unterbau gestützt, durch Umhüllung und
Überdachung vor Witterungseinflüssen und Verunreinigung geschützt und
durch Treppen und Galerien zugänglich gemacht werden.
Der Behälter hängt in 16 Stützen aus Eisen, die an den oberen
zylindrischen Behälterteil angenietet sind und beim Übergang zum Kugel-
boden schräg abgebogen, wenigstens so weit nach unten geführt werden
müssen, daß alle Außenflächen des Behälters für Revision und Anstrich
bequem zugänglich sind. Bei Wahl eines Unterbaus aus Eisenfachwerk
sind die Stützen, entweder einzeln oder zu zweien vereint, bis auf geeignete
Fundamentblöcke nach unten zu führen.
Zu dem Behälter führen zwei Wasserzuleitungsrohre von je 400 mm
Durchmesser, die in dem Behälter hochgeführt und durch ein kleines, oben
offenes Überlaufsgefäß, dessen oberste Kante 7,5 m über dem Behälterrande
liegt, verbunden sind. Die Treppen müssen bis zu diesem Überlaufsgefäß
führen. Von dem Behälter führt ein 400 mm weites Entleerungsrohr nach
unten. Die Verbindungsstelle der drei Rohre mit dem Behälter muß bequem
zugänglich sein, weil hier die Absperrschieber und die Kompensations-
stopfbüchsen angebracht werden. Über den Behälter ist eine Laufbrücke
gelegt, die durch Treppen zugänglich zu machen ist.
Der Unterbau des Behälters kann geschlossen aus Mauersteinen,
Beton oder Eisenbeton, oder mit Pfeileranordnung aus Mauersteinen, Beton
oder Eisenbeton, oder aus Eisenfachwerk vorgesehen werden.
Oberhalb des eigentlichen tragenden Teils des Turms ist der Behälter
in leichterer Bauweise zu ummanteln, um ihn vor Witterungseinflüssen zu
schützen. Zwischen Ummantelung und Behälter muß durch ringsum
laufende Galerien und Leitern für Zugänglichkeit aller Stellen des Behälters
Sorge getragen werden. In passender Entfernung muß unter dem Behälter-
boden ein Tropfwasserboden angeordnet werden, der Schwitz- oder Leck-
wasser abzuleiten und den Behälterboden für Revision und Anstrich zu-
gänglich zu machen hat.
Das Dach soll den Behälter staubdicht überdecken. Erwünscht ist,
daß über dem Behälterrand ein Mann gebückt ringsum gehen kann. —
Nach dem vorliegenden Entwurf ist der Turm in Eisenbeton ausge-
führt gedacht. Die tragenden Massen sind in 16 Strebepfeiler aufgelöst,
zwischen denen die Rundung des Behälters durch Auskragung der ober-
sten Geschosse gut zur Erscheinung kommt. Das Äußere ist rauh geputzt,
die Ornamente eventuell in Sgraffito, das Dach in leicht gebrochener Linie
in Kupfer gedeckt, die Putzlinien grün gestrichen mit rotem Sgraffito, die
Fenster weiß gestrichen.

Tafel 67. Zwei Sommerhäuser. Architekt: Hugo M.
Roeckl, B.D.A., in München.
Die Abbildungen sind einer Zusammenstellung besonders billiger
Landhäuser entnommen, die in künstlerisch durchgeführten Modellen mit
den dazugehörigen größeren Gartenanlagen in regelmäßig deutschem Stil,
im Maßstab 1 :50 durch Architekt Hugo M. Roeckl, B. D. A., in München,
hergestellt wurden. Diese in sich geschlossene Arbeit, welche anläßlich
verschiedener Ausstellungen die wohlwollendste Kritik in der Presse erfuhr,
sollte besonders dem Zwecke dienen, dem Publikum zu zeigen, was bei
Erbauung von billigen Häusern vom künstlerischen Standpunkt aus un-
erläßlich ist für eine gute Erscheinung und was anderseits sehr wohl
weggelassen und gespart werden kann, ohne der Wirkung und der
Bewohnbarkeit zu schaden. Vor allem wurde die Herstellung der Fassaden
mit den einfachsten Mitteln erstrebt und demgemäß von allen Zutaten
höherer Architektur abgesehen. Alle Bauten sind Putzbauten. Da und dort
ist farbige Tünchung und zwar nicht in zaghafter Weise, sondern kräftig
und sich über die ganze Fassade breitend, angewendet. Doch ist be-
sonderer Wert auf originelle Dachformen gelegt, die für Wohnräume
praktisch ausgenützt werden können. Der größte Wert ist auf die nächste
Umgebung des Hauses, auf das harmonische Übergehen in die Natur
durch den umgebenden Garten gelegt, weil ohne diese, von den Alten
selbstverständlich geübte Rücksicht, die uns so entzückende Garten-
architekturen hinterließ, kein Einzelgebäude, und wäre es noch so gut, ganz
befriedigen kann. Diese kleinen Gärten sollen ohne besonderen Aufwand,
ohne Zuhilfenahme von »ersten Firmen für Gartentechnik« — ganz einfach
und mit schlichtesten Mitteln dem Häuschen eine architektonische
Umrahmung geben. Eine kleine Stützmauer mit Sitzplätzen, ein zier-
liches Rosengärtlein, ein am richtigen Platze liegender Gemüsegarten,
Bänke u.s.w. und vor allem die Vermeidung der entsetzlichen »Schlangen-
wege« — das ist alles! Die innere Einteilung, bei der in Rücksicht auf
die billige Herstellung auf jeden größeren Komfort verzichtet werden mußte,
ist aus den Grundrissen zu ersehen. Bei Beurteilung dieser Arbeiten darf
nicht vergessen werden, daß ihre Herstellung für die angegebenen billigen
Preise auch möglich ist, im Gegensatz zu jenen Scheinpreisen, die in
letzter Zeit veranstaltete Konkurrenzen dem Publikum vortäuschten.
Tafel 68 u. 69. Festhalle in Landau. Architekt: Hermann
Ooerke in Düsseldorf.
Die Stadt Landau in der bayrischen Pfalz erhielt vor mehreren Jahren
von einem großherzigen unbekannten Geber eine Summe von 600 000 Mk.
zugewiesen zur Erbauung einer Festhalle, die für Konzerte und Theater-
aufführungen vornehmen Stils dienen sollte. Nach einem vorausgegangenen
Wettbewerb wurde der Architekt Hermann Goerke in Düsseldorf mit der
Weiterbearbeitung des Baues beauftragt. Das Werk wurde im Herbste 1907
nach zweijähriger Bauzeit fertiggestellt und zwar einschließlich Bühnen-
einrichtung, Möblierung, Architektenhonorar u. s. w. mit einem Kosten-
aufwande von rd. 830 000 Mk. bei 2900 qm bebauter Fläche.
Das Gebäude liegt im Ostpark der Stadt, wie die von uns in Heft 12,
Jahrgang 1906 veröffentlichte Wettbewerb-Perspektive zeigt, von prächtiger
Landschaft umrahmt, und ist im Äußeren aus weißem pfälzischem Sandstein
erbaut. Die Doppelbestimmung des Hauses als Konzerthaus und Theater
verlangte eine individuelle äußere Gestaltung, die wesentlich von der
üblichen »Stadthallenform« abweicht. Das mächtige hohe Bühnenhaus ist

Umbau der Wirtschaft zur »Schwörglocke« in Ulm. Architekt: S. Strudel in Ulm.


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