Architektonische Rundschau: Skizzenblätter aus allen Gebieten der Baukunst — 25.1909

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1909

ARCHITEKTONISCHE RUNDSCHAU

Heft 8

sich den gegebenen Verhältnissen
unterzuordnen und dadurch immer
selbständige, in sich geschlossene
Bilder zu gewinnen.
Hier ist besonders die innige
Verbindung des neuen Gebäudes
mit dem prachtvollen alten Park
und das verständnisvolle Zurück-
weichen seiner sonst moderneren
Anschauungen anzuerkennen, die
doch überall — in sicherem Maß-
halten — wieder durchklingen.
Malerisch und vornehm be-
haglich wirkt das Anwesen auch
von der Straße aus, neben dem
stattlichen Neubau des General-
kommandos etwas zurücktretend.
Wohlgefällig haftet der Blick des
Vorübergehenden auf dem reiz-
vollen Bilde einer gastlichen
Stätte der Erholung, der echte
Kunst ein festliches und doch
so überaus trauliches Heim be-
reitet hat.


Gesellschaftsbaus »Colleg« in Nürnberg. Architekt: Professor Emanuel von Seidl
Billardzimmer. in München.

Der Betoneisenbau in der Monumentalarchitektur.

Von k. k. Oberbaurat Alexander von Wielemans in Wien.

(Schluß.)

Betonbalken.

Die schon erwähnten Betonbalken mit Eiseneinlagen und
Hohlraum sind in Gipsmodel zu erzeugen (bis 1,10 m
Länge), größere Tragbalken können, der Transportschwierigkeit
wegen, wohl nur an Ort und Stelle im Stampfgerüste erzeugt



o

werden. Die Form-
bildung solcher Trä-
ger ist demnach
durch entsprechen-
de Gestaltung des
Stampfkastens be-
dingt. Zum Unter-
schiede von Holz-
balken ist die trapez-
förmige Form des
Querschnittes (Abb.
30), wie die Archi-
trave der Beton-
stiege im Gerichts-
gebäude in
Brünn, als cha-
rakteristisch
und statisch zu-
lässig anzusehen.
Der Betonbalken
in Verbindung mit der
Deckenkonstruktion,
so daß derselbe nur
als Rippe oder Verstär-
kung der Decke auf-
tritt, bietet Gelegen-
heit, die Auflagerung
an den Tragwänden
besonders zu gestalten
durch Verbindung der


Rippen durch bogenförmige oder polygonaleTeile (Fig. 31 u. 32),
wodurch der Zusammenhang dieser Rippen untereinander und
mit der Fläche der Decke zum Ausdruck gebracht und eine
passende Verbreiterung der Lagerfläche erzielt wird.
Bei den architektonisch selbständig auftretenden Trägern
kommt, insbesondere wenn selbe mit Betonpfeilern in Ver¬

bindung stehen, die gleichzeitige Erzeugung beider, der Pfeiler
und Träger, durch die Anwendung von konsolartigen, geraden
oder gebogenen Zwischenformen zum Ausdruck.
Ferner kommt bei Trägern, welche im Stampfkasten er-
zeugt werden, die Erzeugung weiterer Gliederungen durch die
Einlage von Formstücken (Kehlen, Winkelstäben, Plättchen u.s.w.,
Abb. 33—36), ähnlich wie bei der Erzeugung von Formziegeln
in Betracht. Außerdem ist die Einbetonierung von vorher er-
zeugten Zierstücken leicht möglich, sowohl für die Unterseite
(Soffitte) als auch seitlich. Dies wird dann besonders in Be-
tracht kommen, wenn der Träger als Überdeckung von Öff-
nungen (Türen, Fenstern u. s. w.) auftritt und dadurch die
Seitenansicht mehr Bedeutung gewinnt gegenüber der Unter-
ansicht. So sind die Motive für Fenster- oder Türüberlagen
gedacht (Abb. 37), wo vorher erzeugte dekorative Stücke aus
Beton einbetoniert werden. Aber auch die Verwendung von
Negativformen in Gips, welche dann eine beliebig reiche de-
korative Ausbildung erhalten können, ist bei der Erzeugung
von Fenster- oder Türsturzen in Betracht zu ziehen, wo die



mehrmalige Verwendung desselben Gipsmodels nach den ge-
machten Erfahrungen möglich ist.
Bei allen im Holzstampfkasten hergestellten Betonarbeiten
ist es unerläßlich, die sichtbaren Flächen mit Verputz zu über-
ziehen, oder
eine Nachar¬

beit mit dem

Eisen vorzu-
nehmen, bis
es gelingt, eine


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