Das Buch für alle: illustrierte Blätter zur Unterhaltung und Belehrung für die Familie und Jedermann — 37.1902

Page: 651
DOI issue: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/bfa1902/0647
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Heft 27. Illustrierte Famitien-Zeitung. Mrg. is«s.


2in ll?alclickloh.
komcin von keinliolcl vrtmann.
t?ort!ehung.)
' (Naciulruck verboten.)
Sie die Belästigung, Fräulein Mci-
M U nardus," sagte Alvörden im Tone tiefen
Ernstes. „Aber ich hörte, daß Sie mit
Ihrem Herrn Großvater noch heute die Insel
verlassen wollen. Und da ich den alten Herrn nicht
wohl nm diese frühe Stunde mit meinem Besuche
behellige» kann, möchte ich Sie bitten, Ueber-
bringerin meines Abschiedsgrußes zu sein."
Ohne ihn auzusehen, neigte sie zustimmend den
Kopf. „Ich werde es ausrichten, Herr Forstmeister!
Aber ich glaube nicht, daß wir schon heute reisen!"
Es ivar durchaus nichts Ermutigendes im Klang
ihrer Erwiderung gewesen, und doch schien er freudig
überrascht. „Sie haben Ihre Absicht geändert —
und Sie bleiben vielleicht noch für längere Zeit?"
„Das wird ganz von meinem Großvater abhängen
— nnd möglicherweise auch von anderen Umständen,
die seine und meine Anwesenheit notwendig machen
könnten. Wir werden jedenfalls nicht fortgehen, ehe
der Mörder des Grafen Meinbnrg entdeckt ist."
Sie wußte eigentlich selbst nicht, wie sie dazu
gekommen war, diese letzte Erklärung abzngebcn, die
nicht das Resultat irgend welcher Ueberlegnng, son-
dern lediglich eine Eingebung des Augenblicks ge-
wesen war. Und sie berente das schnelle Wort
bereits, als sie gewahrte, einen wie überraschenden
Eindruck es auf Alvörden hervorgebracht hatte.
„Verstehe ich Sie recht, Fräulein Meiuardus?
Ist es die Untersuchung, die Ihr Verbleiben not-
wendig macht? Ja, glauben Sie denn, etwas zur
Aufklärung des abscheulichen Verbrechens beitragen
zu können? Haben Sie vielleicht gar einen bestimmten
Verdacht?"
Schneller, als sie es voransgesehen hatte, sah sich
Renate infolge ihrer eigenen unbedachten Aenßernng
vor die folgenschwere Entscheidung gestellt, ob sie im
Interesse der Wahrheit zur Anklägerin des Forst-
gehilfen werden solle. Und wahrscheinlich würde ihr
Gerechtigkeitsgefühl über jede Rücksicht und jedes
Bedenken gesiegt haben, wenn es ein anderer als
Alvörden gewesen wäre, der die bedeutsame Frage
an sie gerichtet.
Gerade ihm aber konnte sie nicht sagen, was sic
wußte und was sie vermutete. Denn ihre Wahr-
heitsliebe würde sie dann auch unweigerlich ge-
zwungen haben, ihm auf seine weiteren Fragen
Rede zu stehen nnd ihn über die Beweggründe auf-
zuklären, die nach ihrer Ueberzengung den Forst-
gehilfen zu seiner That getrieben. Dazu aber wäre
sie ihm gegenüber selbst nm den Preis ihres Lebens
nimmermehr im stände gewesen. Schon die Er-
innerung an das, was sie mit Meinburg gesprochen,
ließ ihr den Gedanken an eine Preisgabe jener Be-
gegnungen und Unterredungen wie etwas Unmög-
liches erscheinen.
Unter diesem Eindruck, ohne zu erwägen, eine

Lin ci lustiger lluci.
llack einem Semäide von L. kau.
loading ...