Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1892

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•b-

beschränkte Aufnahme gefunden hat. Diese Ansicht wird
noch wahrscheinlicher gemacht durch die Mittheilung £).
^ehns in dem Werke über Aulturpflanzen und tzaus-
thiere, daß die Tulpe durch die Vsmanen um die
Mitte des 16. Jahrhunderts nach Europa gebracht
wurde uud daß diese Blume wie die ^yacinthe und die
Nelke zu den von den Türken mit Vorliebe gepflegten
Zierpflanzen gehörte, die sie aus ihrer turkeftanischen
Heimath mitgeführt haben.

So vereinigen sich die thatsächlichen Fundorte, die Technik
und die Ornamentik, um die früher für persisch, gegen-

wärtig für rhodisch gehaltenen kjalbfayencen der osmanischen
Türkei zuzuweisen, persische waare wird man einerseits
unter den Stücken mit figürlichen Darstellungen, anderseits
in der Gruppe der Danmskusgefäße, namentlich derjenigen
mit chinesischen Ornamenten, allein zu suchen haben. Es
ist zu hoffen, daß auch hier eine genauere Scheidung möglich
sein wird, wenn erst ein größerer Theil persischer Fliesen
aus den jetzt durch schiitischen Fanatismus den Europäern
so streng verschlossenen Moscheen des iranischen Reiches
brauchbar veröffentlicht sein, oder den weg in unsere
Sammlungen gefunden haben wird.

und gmeMiW

Vortrag, gehalten im bayerischen Aunstgewerbe-vercin von Professor vr. Max Lzaushofer.

«s führt zu eigenartigen Betrachtungen, wenn
wir verfolgen, welcher rastlose Fleiß, welcher
feine Geschmack, welche Erfindungskraft und
Geduld aufgewendet werden, um die moderne
Nulturwelt mit all' den sachlichen Dingen auszurüsten, die
sie für ihr heutiges Dasein begehrt; und wenn wir diesem
schöpferischen Trei-
ben sodann die un-
erbittlichen That-
sachen des Verfalls
und des Ver-
derbens gegen-
überstellen, die
Alles von Men-
schenhand Ge-
schaffene in ihren
ungeheuren Wir-
beltrichter Hinun-
terreißen wollen.

Es ist ein Gc-
^tz der Natur, daß
nichts Ewiges
duldet. Raum daß
sie etwas geschaffen
hat, zerstört sie's
wieder, um Neues
entstehen zu lasscn-
Dnd selbst das-
jenige , was wir
sür unendlich dau-
erhaft halten, weicht
diesen zerstörenden
Einflüssen in kur-
zer Zeit.

Wir Menschen
beurth eilen die
Dauer der Dinge
nach der Dauer
unseres eigenen
Gebens, wie es

für das Menschenleben ein mittleres Maß gibt, so auch
für das Leben der vom Menschen geschaffenen Dinge.
Freilich mit einem großen Unterschiede. Denn dieser arme
Mensch, den das Naturgesetz nöthigt, nach siebzig oder achtzig
Jahren von dannen zu gehen, kann mit seinen fänden
und mit seinein Geiste Dinge schaffen, die unter Umständen

zehnmal —ja fünf-
zigmal so alt wer-
den, als er selber.
Es mag ja für
große, schöpferische
Talente ein an-
muthiger Trost
sein, sich hie und
da sagen zu dürfen:
wenn ich auch
längst Asche ge-
worden bin, so
wird doch das, was
ich geschaffen habe,
in hundert und
mehr Zähren noch
gesehen, gelesen,
gehört, bewundert
und nachgeahmt
werden.

Aber recht stich-
haltig ist dieser
Trost nicht. Denn
einerseits gibt es
überhaupt nur sehr
wenige mensch-
lichewerke, die im
Stande wären,
Jahrtausende zu
überdauern; und
anderseits weicht
auch aus diesen mit
der Zeit der
Stempel des perfön-

Abb. 7. bfalbfayencen von Damaskus.

lveißer Grund; Mrnament kobaltblau (dunkel), Manganviolett (sehr hell) und moosgrün.
* Durchmesser ca. 38 cm.

British Museum in London.

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