Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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Sdjmicbetfcrncr Kronleuchter im „Friedenssaale" zu Vsnabrück.

Nach Photographie gezeicl^net von C. L. Veysser.

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Unsere kunstgewerblichen ^IjusterblWer.

^.af. ;. -Tafelaufsatz. Im Auftrag S. f. Hoheit des Prinzen
Leopold von Bayern entworfen und ausgeführt von Prof. Fr. v. Mi !l er,
München.

Nach dem Wunsche des hohen Auftraggebers sollte dieser Tafel-
aufsatz ein Familienstück werden, erinnernd an die Verbindung der
Säuser Habsburg und Wittelsbach. Den Hauptschmuck des Ganzen
bildet deßhalb eine Figurengruppe, bestehend aus den von ihren Schild-
knappen begleiteten Stammvätern beider fürstlicher Häuser: Rudolf
von Habsburg mit den Insignien der Kaiserwürde und Btto von
Wittelsbach mit der Reichsfahne.

Aus dem zierlich profilirten Sockel, welcher aus dunkelbraunem
Nußholz besteht und auf einer moosgrünen Plüschtafel ruht, wachsen vier
Felsgruppen, deren Kuppen von mittelalterlichen Burgen gekrönt sind;
letztere bilden zugleich die Füße des eigentlichen Aufsatzes und die
Postamente für je zwei habsburgifche und bayerische wappenthiere
(Greif und Löwe) mit dem Wappen der Städte Wien, München, Pest
und Nürnberg. Dazwischen schweben vier fast kreisrunde Schalen, aus
deren Mitte sich der becherartige Fuß des oberen Aufbaues erhebt;
seinen Abschluß findet dieser Fuß mit dem Boden für die Figuren-
gruppe, dessen überstehender Rand zierlich ausgezackt, sowie mit perlen
und anderm Iierrath behängen ist. Inmitten dieser.Figurengruppe
entsteigen dem Boden (vgl. die Detailzeichnung auf S. \2) knorrige
Stämme, deren üppig sprießendes Laubwerk sich oben zu einem reichen,
um einen Reif geschwungenen Kranz verdichtet; aus demselben strebt

eine schlanke Pyramide aus wasserhellem Krystall auf, die nicht ganz
auf halber höhe von einem- Türkis-besetzten Goldreif umfaßt wird und
auf ihrer Spitze die Patrons Bavaria trägt.

Außer dem Holzsockel und der Pyramide besteht der Tafelaufsatz
aus vergoldetem Silber; die Wappen sind emaillirt.

Die höhe des Ganzen beträgt nahezu einen Meter.

Taf. 2. Mufiksaal. Nach Entwurf von Prof. Gabr. Seidl,
ausgeführt von Barth & die., München.

Die wände des Saales sind mit rothen Damasttapeten (von
Leop. Bernheimer, München) bezogen; die marmornen Thürgewände
mit ihren bunten Steineinlagen wurden von der Marmorschleiferei
Kiefer in Kiefersfelden ausgeführt. Das Material der Decke ist Guß-
maffe; die fein abgestimmte Vergoldung derselben ist das besondere
Verdienst von Fr. Ru edorffer, Theilhaber der Firma Barth & Cie.
Die Glaslüster sind von Lobmayr, Wien, geliefert durch I. B.
wengert, kgl. Hoflieferant, München. Die Abmessungen des Saales
sind: ;q,50 m Länge, 6,20 m Breite, bei 4,^5 m Maximalhöhe.

Taf. 3. Kanne in Silber getrieben. Entwurf von herm.
Kellner, München.

Taf. 4- Fagadenb emalung am Pal. Murari (früher Fiorio
della Seta), Verona; von Domenico del Riccio, genannt Brusasorci
(geb. tw). Aquarellaufnahme von Prof. herm. Pfeifer, Braunschweig.
Näheres siehe Text dieses Heftes Seite 3 Spalte rechts.
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