Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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7. vertieftes Email auf Silber; auf dem Schreibzeug von fjans Lenckcr (Untertheil).

insofern nicht, als uns die Technik während des (5. Jahr-
hunderts als Email auf Tiefstich (Schneider) bekannt ist.
In: (6. Jahrhundert aber finden wir sie außer bei Lencker
nur noch unter dem Nanren taille d’epargne bei den fran-
zösischen Vrnamentisten. Es bliebe zu untersuchen, ob diese
das Verfahren in Deutschland gelernt haben, vielleicht in
Augsburg, wohin es durch die Lencker gebracht worden zu
sein scheint und wo es (nachweisbar seit (60() in den Händen
von David Altenstetter eine so geschmackvolle Ausbildung
erfahren hat.

Wir haben in diesem Einbande und in dieser Zeit
unfern Meister wahrscheinlich auf der Höhe seines Aönnens
und seines Ruhines zu erkennen, denn iin folgenden Jahre
nimmt er seinen Ätz unter den Rathsherren der Stadt Nürn-
berg ein. Er erlebt noch, daß sein Sohn Elias sich \ 582
zu den Meisterstücken meldet und stirbt im Jahre (585.
Sein Porträt zeigt uns einen biederen Kopf mit wenig vor-
stechendem geistigen Ausdruck (siehe das Porträt auf 5. 95).

Außer dem klein gezeichneten Springbrunnen in der
Perspectiva literaria und vielleicht dem ziemlich nüchternen
Titelblatt der Perspectiva corporum kennen wir von seiner
Hand nur die unten zu besprechenden drei Goldschmiede-
arbeiten. Ich habe iin Jahre (890 in meinem Werke „Der
Goldschmiede-Merkzeichen" zwei von diesen schon bei Schauß
verzeichneten Arbeiten für unser» Meister in Anspruch ge-
nommen, wobei ich aber durch diesen verleitet, unrichtige
Angaben über den Buchdeckel gemacht habe, den ich nicht
aus eigener Anschauung kannte. Seitdem habe ich fünf
Alterthums-Ausstellungen und zwanzig größere Sammlungen
besucht, ohne auch nur eine einzige weitere, hier anzuführende
Arbeit aufzufinden. Ich möchte daher behaupten, daß es
schwer fallen wird, aus continentalen Sammlungen das
Werk Lenckers noch wesentlich zu bereichern.

Marc Rosenberg.

(Beschreibung der bekannt gewordenen Arbeiten
Jans Lencker's.

Bucheinband im Besitze der k. Hof- und Staats-
Bibliothek zu München. (Eim. si-8, No. 256HO). Größe
der Deckel: 9/5: 0,9 cm, Rückenbreite 2,9 cm. Der Ein-
band, dessen Außenseiten aus Tafel ^5, dessen Innenseiten
auf Seite 95 dargestellt sind, ist mit Ausnahme des in ge-
triebener Arbeit gehaltenen Rückens, der Schließen (von denen
nur noch eine vorhanden) und der Rosetten ganz mit ver-
tieftem Email geschmückt. Das Email ist, besonders an den
Außenseiten vielfach ausgesprungen und an manchen Stellen

durch wachsartige, glanzlose Pasten ersetzt. Sämmtliche Farben
sind translucid: dunkelblau, hellblau mit einem Stich in's
Grüne (deßhalb auch für Bäume und Laubwerk verwendet),
hellgelbgrün, braungelb (in sehr dünnen Lagen fast farblos),
purpurviolett, blauviolett (in dünnen Lagen bis zu Fleischrosa
abgestuft). Die Außenseiten zeigen (vorn) eine Darstellung der
Weltschöpfung und (hinten) eine solche des jüngsten Gerichts,
umgeben von allegorischen Figuren zwischen leichten Vrna-
menten. Rücken, Schließen, Rosetten und das Schlußstück am
Buchschnitt sind vergoldet. Die gut erhaltenen Innenseiten
des Deckels zeigen leichtes aus Sümpfen
aufsteigendes Gezweig, das in Blumen
endigt, und mit allerlei Gethier —

Störchen und anderen Vögeln, Schild-
kröten, Krebsen, Schnecken, Heuschrecken,

Schlangen - belebt ist. Eck-Ergänzung

Auf beiden Innenflächen des Deckels ,u

ist unten in der Mitte das Meisterzeichen Abbildung ?.
Hans Lencker's eingeschlagen (wie aus
den Abbildungen deutlich zu ersehen), daneben das Be-
schauzeichen; letzteres scheint indessen eingravirt zu sein, da
die Schärfe der Kanten gegen ein Einschlagen spricht. -
Eine genauere Bezeichnung enthalten die Außenseiten des
Deckels und zwar unter den abschraubbaren Rosettenknöpfen;
untenstehend sind die betreffenden Stellen in Facsimile in
wirklicher Größe dargestellt und zwar links jene des oberen,
rechts jene des unteren Deckels. Die Ordnungsbuchstaben auf
dem Oberdeckel, wie die Strichmarkirung auf dem Anterdeckel
(welche beide mit Bezeichnungen in den Rosettenschrauben
correspondiren) sind gravirt, die Namensbuchstaben, sowie
die Zahlen sind einzeln eingeschlagen. Bei den unteren
Kreisflächen schneidet das Emailornament etwas herein.

Gberdeckel. Unterdeckel.

8. von dem silbernen Einband des Hans Lencker.

Facsimile der Meisterbezeichnung rc.

Der Inhalt des Buches besteht aus einem auf Perga
ment geschriebenen, mit zierlichen Miniaturen ((best Blumen)
ausgestatten Gebetbuch, »Officium beatae Mariae virginis.
Officium defunctorum etc.«

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