Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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jn seiner Aufnahme am Pose mag ihn nicht wenig seine
Reise nach Italien (speziell wohl Rom) unterstützt haben.

sobald nun Muelich den Miniaturpinsel in die pand
nimmt, zeigt sich eine schönere Seite seiner Natur. Jetzt
kommt Leben in seine Gebilde. Das zeigt gleich ein Selbst-
porträt von f5^3. (Nat. Mus. München), ein wahres
Meisterstück. s5^6 fertigte er dann für den Prinzen 2tI
brecht ein Inventar von dessen Schatz an Schmucksachen.
Die Abbildungen der Gegenstände sind aber wahre Aunst-
werke. Die Farbenpracht von Gold und Silber, Email,
Perlen und Edelsteinen ist in so vollendeter Naturtreue
wiedergegeben, daß man den Schmuck wirklich vor sich
liegend glaubt. So minutiös die Ausführung dem ersten

Blick erscheint, zeigt sich bei genauem Zusehen eine ganz
mühelose Pinselführung. Theile dieses Inventars befinden
sich im Besitz des p. v. Pefner-Alteneck, nachdem sie lange
Zeit verschollen waren. Die abgebildeten Gegenstände sind
Gefäße, Prachtwaffen und Schmuck von den zierlichsten
Formen einer entwickelten Renaissance. Pier zeigt Muelich
sich zum erstenmal von einer Seite, die später immer wieder
hervortritt, ich meine seine glückliche pand in Formen, die
von: Aunstgewerbe ausführbar sind. — Wenn eine Anzahl
von Entwürfen für kunstgewerbliche Arbeiten auch ohne
Bezeichnung ist, so können, ja müssen dieselben ohne Zweifel
den: Muelich zugesprochen werden. Sie waren wohl zur Aus-
führung auf des perzogs Bestellung beslinnnt. (Schluß folgt.)

er eben erschienene »Dictionnaire de la Ceramique«
von Eduard Garnier J), enthält so viel auf die
deutsche Arbeit in Fayence, Steingut, Thon-
waaren bezügliche Angaben, daß er auch, ab-
gesehen von der historischen Einleitung allen denjenigen
empfohlen zu werden verdient, welche sich als Sanunler,
pändler, Fabrikanten für das weite Gebiet der Aerainik
intereffiren. Garnier, der Direktor des Museums von Sevres,
verfügt durch feine Stellung über ein Material von seltener
Vollständigkeit; seine Lebensarbeit berechtigt ihn in hervor-
ragender Weise über keramische Dinge das Wort zu ergreifen,
und es wäre Schade, wenn sein Diktionnaire nur der freunden
Sprache wegen in Deutschland nicht diejenige Beachtung fände,
welche er in so hohen: Maaße verdient. Der Werth der
Arbeit wird vervollständigt, durch die inusterhaften Farben
tafeln, aus welchen die hauptsächlichen Zierformen der be
deutenden Fabrikationsstätten und ihre verschiedenen Stil
formen zusannnengestellt sind. Für den einigerinaßen Aundigen
ist durch diese Tafeln die „Bestimmung" eines keramischen
Gegenstandes ungemein erleichtert.

Wir führen zunächst nach den: Alphabet die Na:::en
der wichtigeren deutschen oder wieder deutsch gewordenen
Arbeitsstätten an, sowie der Aünstler, welche an denselben
beschäftigt waren, sofern Garnier Neues beibringt. Daran
schließen wir Bemerkungen, welche wir für sachdienlich er-
achten. Wenn wir hie und da ergänzen und berichtigen,
so ist dieß nichts, was den: Werke Garniers abträglich sein

>) D. d. 1. C. Fayences-Gres-Poteries par Edouard Garnier,
Conservateur du Mus£e de Sfcvres. 25 Planches en couleur repro-
duisant 150 motifs varies, 550 Marques et Monogrammes dans le
Texte. Paris, Librairie de l’Art, 321 p. 30 Francs.

könnte. Das Gebiet, um das es sich handelt, ist ein so
ungeheueres, daß es nur dem Zusannnenwirken Verschiedener
gelingt, allmählig einer, immerhin relativen Vollständigkeit
nahe zu konnnen.

Amberg (Bayern), dessen Existenz noch niemals fest-
gelegt wurde, hat Fayencen hervorgebracht, welche beachtet
zu werden verdienen. Wir kennen von Amberg zwei Aaffee-
kannen mit Reliefs in Rocaille init Enrail von einen: schönen
nülchigen Weiß, verziert in der Art von Straßburg mit
Blumensträußen und Streublumen, von einer außerordentlich
geschickten Ausführung ohne pärte, und von einer großen
Frische des Tons. Die eine ist bezeichnet Ainberg (773,
die andere Ainberg \7V\.

Ansbach (Bayern) Fayencen n:it blauer Verzierung
in: Stile von Rouen. — Die Unterschiede von Rouen werden
auseinandergesetzt. Die Marke ist A in blau. Iacquemart führt
eine Bezeichnung an: „Mathias Rosa in Anspach", welche
Garnier nicht zu kennen angibt. Iaenicke weiß von „zahl
reichen init dieser Marke versehenen Arbeiten" zu berichten.

Au dun le Ti che (Deutsch Gth in: Areise Dienhofen
Lothringen.) Dort wurde s7^8 eine Fayencemanufaktur ge-
gründet von Franz Boch. Wir sehen, wie der Name Boch,
der heute für die keramische Industrie ii: Deutschland seine
große Bedeutung hat, schon früher i:: der Industrie erscheint,
ebenso wie wir den: Namen Villeroy in: s7. Jahrhundert
unter dei: Aeramikern von Rouen begegnen.

Bayreuth. Neu ist hier die Notiz, daß ein perr
Schinidt an: Anfang unseres Jahrhunderts eine klei::e Manu-
faktur begründete, ii: welcher er Steingut nach der Art von
Wedgewood herstellte, „dessen Marke er kühnlich auf seine
Waare setzte".

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