Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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ie anziehenden Gestalten der Fürsten, welche im
s6. Jahrhundert auf dem cherzogthron in
Bayern saßen, erringen unsere bewundernden
Sympathien durch ihre reichen Geistesgaben
und ihr warmes cherz für Alles, was Aunst heißt. Liner
der hervorragendsten von ihnen war Albrecht V, dessen
Mäcenatenthum wohl bekannt ist und dein sogar unsere
modernen Kunstsammlungen nicht zum wenigsten verdanken.
Wenngleich er sich den Anforderungen, welche seine Zeit
an ihn in politischer wie religiöser Richtung stellte, durchaus
nicht entzog, im Gegentheil das Lindringen der Lehre Luthers
in feine Staaten mit strengster Lnergie bekämpfte, zu dem
Zweck auch 6en Jesuitenorden sehr begünstigte, so lag ihm
doch näher der frohe Lebensgenuß, dessen Formen ihn: alle
Aünste verfeinern halsen. Im sichern Erkennen aber dessen,
was damals die bayerische Aunst zu leisten vermochte, strebte
er nicht jenen fürstlichen Mäeenen von Florenz nach, deren
imposante Bauten ihn wohl aus seinen Reisen entzückt hatten.
Nicht die monumentalen Aünste begünstigte er, woran ihn
wohl auch die schlechte Lage seiner Aasse, die noch vom
Vater her eine ansehnliche Schuldenlast drückte, gehindert
haben würde. Die Musik erregte sein lebhaftestes Interesse
und seine „Tantorei" unter dem berühmten Orlando di
Lasso verschlang unverhältnißmäßige Summen, bis von
j570 ab die Differenz zwischen Linkommen und Ausgaben
zu groß wurde und ihn zur Einschränkung zwang. Die
kleinen Aünste begünstigte er aber zeitlebens, Malerei speziell
Miniaturmalerei, Goldschmiedekunst, Holzschnitt und Anpser
stich. Freilich wußte er durch Heranziehung derselben in den
chosdienst und ihre Verwendung bei glänzenden Festen
nacb italienischem Muster ihnen einen Zug in's Große und
zur dekorativen Wirkung hin einzuflößen, was mehr und
mehr dazu beitrug, die Aunst mit ihren Wurzeln vom ge-
sunden, natürlichen Volksthum zu trennen und sie schließlich
einem toten Manierismus zu überantworten.

Die Zwischenetappe in dieser Lntwicklung, welche Al-
! brecht Y. und seine Zeitgenossen noch einnehmen, zeigt sich
auch deutlich in der damaligen Organisation der Aünstler und
Aunsthandwerker. Das Zunftwesen besteht noch kräftig fort
und die freien Meister und Bürger hatten, je nach Aönnen
und Wissen ihre Aunden von den mittleren bis zu den höchsten
Ständen. Daneben standen die von den Zunftgesetzen exempten
choskünstler, wobei aber wohl im Auge zu behalten ist, daß
diese Benennung Hofmaler ic.) nicht wie in späterer Zeit
ein Ehrentitel war, sondern auch simplen Handwerkern, die
ausschließlich für den l)of arbeiteten, zu Theil wurde.

Zwischen diesen beiden Alassen nun stand der Maler
channs Muelich, ein echter zünftlerischer Aleister und Bürger,
aber in der ganzen Auffassung seiner Aunst durchaus höfisch,
wie er auch in den letzten 20—25 Jahren seines Lebens
ausschließlich für Albrecht V. arbeitete.

Geboren wurde Muelich s5s6 in München, wahr-
scheinlich waren seine Vorfahren schon Bürger der Stadt.*)
Daß er seine Lehrzeit als Maler in Regensburg verbrachte,
erzählt allerdings keine Urkunde; doch ist seine künstlerische
Ausdrucksweise so bestimmt und klar, daß er keiner andern
_ Schule zugewiesen werden kann.

Die Regensburger Aunst hatte sich mit Bertold Furtmayer
im sch und sä. Jahrhundert der Miniaturmalerei zugewendet.
Schon dieser Meister betonte das Landschaftliche sehr und kam
zur malerischen Behandlung seiner Stoffe. Altdorfer, von 1505
bis l 558 in Regensburg thätig, nahm dann diese Richtung im
Dürer'schen Sinne auf. Treten freilich Mängel an Gründlich-
keit der Zeichnung aus, so ist doch keiner von den Nachfolgern
des großen Nürnbergers aus das Landschaftliche so speziell ein-
gegangen. Vielleicht unter Beeinflußung von Tirolern, indirekt
also von Venezianern, mit Betonung der koloristischen Seite

*) Für beit historischen Theil des Aufsatzes bot die Grundlage
die verdienstvolle Dissertation: isanns Muelich und Herzog Albrecht V.
von Bayern von Max Zimmermann, ;88S. Der verf.

*) Die zu diesem Aufsatz gehörigen Abbildungen auf den Seiten 73 bis 79 find nach den von H. Muelich herrührenden reich geinalten
Randzeichnungen zu Mrlando di Lasfo's Bnßpfalmen in Federzeichnung ropirt von Dafchner.

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Zeitschrift des bayer. Runstgewerbe-vereins München

1894 6eft 9. (Bg. {.)
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