Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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Verhältnissen. — Neben dem Leder wird auch Schlangen-
haut zu Brieftaschen rc. verarbeitet — ein Material, von dem
man nur wünschen muß, daß seine Dauerhaftigkeit seiner
Schönheit die Wage hält. — Von amerikanischen Buch-
bindereien war auf der Ausstellung nichts Erwähnens-
werthes zu sehen; doch muß bemerkt werden, daß es in
New Vork Buchbinder gibt, die im Jahre nur etwa fünf
bis sechs Bücher in: Preise von 250—500 Dollars binden,
also jedenfalls kunstreiche Arbeiten liefern.

Die Tapeten-Industrie gehört zu den jüngsten
Amerika's; sie verdankt ihr rasches Emporkommen zumeist
der Mac-Ainley-Bill. In einem eigenen Pavillon hatte
die »National Wall Paper Company«1) die Erzeugnisse der
einzelnen Firmen getrennt ausgestellt; besonders schön aus-
geführt waren die gepreßten Sachen, welche Brokate (mit *)

*) Dieselbe wurde im Jahre ;8Y2 mit einem Kapital von 30 Milli-
onen Dollars gegründet und umfaßt über so Firmen in New-Hork,
Philadelphia, Lhicago, Pittsburgh u. a. G.

Atlasglanz) oder Leder nachahmten. In den Mustern standen
die nach alten Vorbildern obenan; auch die realistischen Blumen-
motive zeigten manches Gute. Nevius & paviland in New-
Vork brachten eine von Walter Grane (London) entworfene
Tapete, welche durch die darin vorkommenden Schiffe, Hemi-
sphären, Wappen rc. eine Tolumbus-Allegorie darstellen sollte.

In Amerika lebende Deutsche sagen den dortigen Weinen
nach, daß denselben die „Blume" fehle; man kann ein Gleiches
von dem Verständniß der Amerikaner für das Aunstgewerbe
behaupten. Bevor aber dieses Verständniß in weitere Areise
gedrungen ist, wird in Amerika auch die künstlerisch poetische
Verklärung der Gebrauchsgegenstände nicht über gewisse
Areise hinausdringen. Möge es deni deutschen Aunsthand-
werk ohne Aufgeben seiner Eigenart gelingen, den Bedürf-
nissen der überseeischen Abnehmer gerecht zu werden und
sich so einen seinen Leistungen entsprechenden Antheil an
der Einfuhr in Amerika sichern!

Deckel des Stadtxokals.

von Juwelier Carl Winterhalter, München. (Zu Tafel (3 gehörig.)

kunstgewerblichen MuskerblMer.

Taf. ;3. Spiderner Ehrenbecher der Stadt München.
Entwurf und Ausführung von Juwelier Earl Winter Halter, München.
Auf der Münchener Ausstellung des Jahres ;888 ausgestellt, erregte
das prächtige Gefäß damals besonderes Aufsehen durch die minutiöse
Darstellung einer mittelalterlichen Burg auf dem Deckel. Da diese
Burg den „Alten Hof", d. h. die ehemalige Münchener Residenz der
bayerischen Herzoge in getreuester Reproduktion vergegenwärtigt, so
erwarb die Stadt München das prächtige Stück, um hohen Besuchern des
Rathhauses damit einen Willkommtrunk zu reichen; einer der ersten, dem
derselbe kredenzt wurde, war Kaiser Wilhelm II. Die obenstehende
Abbildung gibt einen Einblick in das Innere des „Alten Hofs".

Taf. \n- Rococo-Möbel. Entwurf von hauxtlehrer Max
Kiendl, München.

Taf. ;s. Dalinatinische Stickerei. Im Besitz von h. E.
v. Berlepsch, München. — Weitere Abbildungen werden mit be-
gleitendem Text in einer der nächsten Nummern folgen.

Taf. zs. Deckenstuckaturen aus der Kirche zu Fürsten-
feld. Aus: G. Aufleger, die kgl. Hofkirche zu Fürstenfeld und die
Klosterkirche zu Dießen; Verlag von £. Werner, München. — Ueber
das genannte Werk, welches den 9. Band der „Süddeutschen Architektur
und Grnamentik im ;8. Jahrhundert" bildet, werden wir in einer
der nächsten Nummern eine eingehende Besprechung bringen.


Hierzu ,,kunstgewerbliche Rundschau" Ar. 4.

verantw. Red.: Prof. L. Gmelin. — herausgegeben vom Bayer. Lunstgewerbe-Verein. — Verlag von M. Schorf. — Druck von Knorr $ Birth, München.
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