Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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hier: „Der Grund der Tasse mit Thangeantpurpur. Die
Blumen auf gedachtem Grund mit vierfarbigem Gold, die
Urnen in den Medaillons mit Lhangeantgold und obge-
dachten: Purpur schattirt. Dieses Paar Tassen sieht herrlich
aus und gefällt jedermann, der es siehst." „Tin paar
Mundtassen mit schwarzem Grund oder vieille laque, mit
buntem Gold, in den Medaillons Landschaften mit Gelb-
braun Nr. 2." „Tin paar Mundtassen mit blauem Grund
Nr. s in starkein Feuer, die Bluinen mit bunten: Gold,
die Landschaften in den Medaillons mit Gelbbraun Nr. s."
„Tin Paar Mundtaffen. Der Grund mit pfirsichblüthen-
farbe. Blumen in buntem Gold, die Landschaften in den
Medaillons in Schwarz."

Tin Frankenthaler Preisverzeichniß von {777 kennt
bei Kaffee- und Theegeschirren, ferner bei Tafelservicen
neben der blauen Maare mit indischen (chinesischen und ja-
panischen) und deutschen (europäischen) Blumen nach den
Sorten s. farbiges Mittelgut mit einfarbigen und mit bun-
ten (d. h. mehrfarbigen) Blumen und braunen: Band, fer-
ner mit bunten Vögeln oder mit bunten Landschaften und
braunem Band, 2. feine bunte Maaren mit goldener Ver-
zierung. Nach der Art der Darstellungen inacht das preis-
verzeichniß bei den feinen bunten Maaren folgende Nnter-
scheidungen: einfarbige Blumen, bunte Bluinen, bunte
Früchte, buirte Vögel, bunte Landschaften, einfarbige Blu-
mengehänge, bunte Blun:engehänge, bunte Viehstücke, bunte
Jagdstücke, Seeprospekte, feine Landschaften mit Figuren,
Matteaufiguren, einfarbige Gvidische Figuren, bunte Mvid-
ische Figuren, bunte Bataillenstücke, fliegende Rinder. Nach
den: Grad der Ausführung uiiterfchied man halbe (leichte),
volle und extrafeine Malerei. Die Randverzierung bei den
feinen bunten Maaren zeigte fünf Abstufungen: glatter gol-
dener Rand, goldene Festons, schmale Bordüre, breite Bor-
düre, ganz breites Mosaik. Die Art der Darstellungen, der
Grad der Malerei, diRDekoration des Randes waren natür-
lich entscheidend für die Preise der Maare. Die eben auf-
geführten Matteau'schen Figuren, eine in den Porzellan-
fabriken gebräuchliche Sammelbezeichnung, sind bekanntlich
gleichbedeutend mit den Darstellungen aus der großen Gatt-
ung der Pastoralen, an denen französische Meister, aber
auch der Augsburger Künstler Nilson Antheil haben. Die
„Gvidischen Figuren" lehnen sich an die Verwandlungen
des römischen Dichters an. Die Annahn:e liegt nahe, daß
sich unter den Rupferstichen, die den Frankenthaler Malern
als Vorlagen dienten (der von pannong übernommene Vor-
rath wurde [762 auf 780 fl. geschätzt), die Banier'schen

Ausgaben der Metamorphosen von (752 mit Stichen von
picart nach Lebrun u. A. und von {767—(77 ( mit Stichen
nach Boucher, Tisen, Gravelot, Moreau u. s. w. befanden.
Die „Fliegenden Rinder" der Service können nichts anderes
sein als „Geflügelte Rinder" und werden wohl auf Bouchers
„Troupes d'enfants“, je zwei oder drei Rinder in Molken,
zurückgehen. Mit ausdrücklicher Berufung auf Boucher,
als den Trfinder, waren um (780 in Frankenthal drei
Vasen angefertigt worden; sie sind offenbar dem Livre de
vases entlehnt. Der Kreis der Darstellungen und Verzier-
ungsweisen, die ii: Frankenthal üblich waren, ist jedoch
keineswegs init den vorhin erwähnten erschöpft. Pier inachte
die Mode ihre Vorschriftei:. Auch die Laune förderte eigen
thüinliche Dinge zu Tage, so Geräthe mit „polzgrund",
durch den die Zeichnungen der polzfaser nachgeahmt wurden.
Dahii: gehören ferner „inarmorirte" Tassen und Tassen „auf
Stoffart". Die letztgenannte Dekorationsweise ist vielleicht
gleichbedeutend mit „eii taffent geflammt", eine Bezeichnung,
die bei Nymphenburger Servicen vorkommt. Saladiers ä la
Rotembourg bezeugen, daß inan bei der Dekoratioii dieser
Stücke Rouener Fayencen gefolgt ist.

Neben der großen R lasse der Geräthe würde die Franken
thaler Plastik verschwinden, wäre sie nicht durch ihren Kunst-
werth hervorragend. Aus den lückenhaften Maarenverzeich-
niffen vermag ich nur etwa 250 Figurei: und Gruppen
nachzuweisen. Die wirkliche Zahl läßt sich alleii: mit Zu-
hülfenahine des Vorraths der öffentlichen und privatsamn:
lungen uiid durch das Studiun: der noch vorhandenen Fi
gurenforinen bestimmen. Neben Darstellungen aus dem
Reich Arkadien begegnen uns die Bewohner des Mlymps.
Zu den realistischen Szenen aus den: Alltags- und pand-
werkerleben gesellen sich die Söhne des Reichs der Mitte.
Der sinnbildlichen Darstellungen (Iahrzeiten, Monate, Tle-
mente, Tugenden) ist es eine große Zahl. Die nämlichen
Vorlage::, die der Malerei zur Ausschmückung der Geräthe
zur Verfügung standen, dienten den Modelleuren für die
kleine Plastik. Das schließt nicht aus, daß begabte Meister
selbständig schufen. Zu diesen gehört Johann Peter Mel-
chior, der am sä. November (77si von pöchst in die Franken-
thaler Manufaktur übertrat, allerdings zu einer Zeit, als
ein Umschwung in der Mode eingetreten war, die Lust an
Figuren sich verloren hatte. Melchiors Vorgänger waren
die Bildhauer Bauer und Linck. Die drei genannten Künstler,
ebenso die nan:enlosen Modelleure der pannong'schen Zeit
sind es, die durch ihre Figuren und Gruppen den Ruhn:
der Frankenthaler Fabrik verewigt haben.

X

Unsere kunstgewerblichen MuskenblMen.

Taf. 45. Silberne Milchkanne. Entwurf von A. varnesi,
Frankfurt a./N.

Taf. HG. Italienische Bronze-Landelabe r. Aus S.
Eustorgio in Mailand und aus dein Museo Nazionale in Florenz. Ge-
zeichnet von Architekt Mtto Rammelmeyer, Köln.

Taf. $7. Grabmal des Erzgießers Ferd. v. Miller, dereinstiger
Ehrenpräsident des bayer. Aunstgewerbo-Vereins (si ;o. Februar ;88?).
Von Prof. Ferd. v. Miller, Bildhauer und Prof. Leonh. Rom eis,
Architekt. — Das Grabmal besteht in seinen tsiaupttheilen aus röthlicheni
Marmor (von der Marmorschleiferei Kiefer in Kiefersfelden geliefert) und
Bronze; letztere, welche sowohl in den Modellen wie in Guß und Lise-
lirung durchweg aus der kgl. Erzgießerei hcrvorging, hat außer an dein
Ifauptrelief und dem Porträtinedaillon noch an den Kapitellen Ver-

wendung gefunden. Aii den bildhauerischen Arbeiten war — unter
Leitung Prof. v. Millers noch betheiligt B. Schmidt.

Taf. <*8. Repräsentationsbau d es deutschen Kunst-
gewerbes auf der tVoltausstellung in Lhicago. Nach
dein Entwurf von Prof. Gabr. Seidl, München, gezeichnet von
Architekt A. visfcher van Gaasbeck, München.

Dieses Blatt soll als Ergänzung unserer früher gebrachten Ab-
bildungen dienen. In Bezug auf die Einzelheiten sei nur bemerkt,
daß die Architektur durch Imitationen von Mosaik, buntem Marmor,
Bronze ic. und nicht zuletzt durch reichliche Verwendung von Pflanzen
ein lebhaftes Aussehen uiid zugleich ein festlich heiteres Gepräge er-
halten hatte. Iin Uebrigen verweisen wir auf die im Iahrg. ;8gz,
Beibl. S. enthaltenen näheren Angaben.

pierzu ,,Kunstgewerbliche Rundschau" Ar. 12.

vcrantw. Red.: Prof. £. Gmelin. — kserausgegeben vom Bayer. Lunftgewerbe-Verein. Verlag von M. gchorß. Druck von Lnorr fy Birth, München.
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