Zeitschrift des Bayerischen Kunstgewerbe-Vereins zu München: Monatshefte für d. gesammte dekorative Kunst — 1894

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3. Schreibzeug in emaillirtem Silber.

Arbeit von tzans und Llias Lencker, in der kzl. Schatzkammer zu München. (LlichL nach vr. £. v. Schauß, di- Schatzkammer des bayer. Rönigshaufes. Nürnberg Z880.)

band in München. Beide Werke sind den meisten der an-
geführten Schriftsteller bekannt und beide sind durch volle
Namensbezeichnung als Arbeiten Dans Lencker's gesichert,
wie man angesichts dieser Thatsachen nach der Meister-
marke noch suchen konnte, ist fast unbegreiflich. Sie besteht
aus den dicht aneinander gerückten Initialen H und L, mit
einem Areuze, das sich über dem genreinsamen Balken er-
hebt. Mit diesen: Zeichen hat man nach seinen Arbeiten
zu suchen, nicht aber init den Initialen, wie sie in unfern
Handbüchern stehen, oder feinen: Wappen, wie wir es von
seinem Siegel her kennen, denn dieses weicht, wie es zu-
weilen vorkonrmt, von seiner amtlich eingetragenen Meister
marke ab. So lange man diese nicht kannte, mußte n:an
mit Zuschreibungen von Werken einen falschen Weg gehen.
So dichtet ihn:, von Kupferstichen ganz abgesehen, Graesse
eine Elfenbeinarbeit und Sacken sowie Nagler eine Jagd-
flinte an, welche letztere inzwischen durch Böhein: ihrem
richtigen Meister zugewiesen worden ist. Von seinen authen-
tischen Arbeiten ist natürlich wenig die Rede und über die
bestbeglaubigten coursiren die ineisten Fehler. So finde ich die
Arbeiten der Münchener Schatzkammer nur ein einziges :nal,
bei Schauß, angeführt, sehe die verschiedenen Ausgaben der
perspective oft ungenau beschrieben und stoße auf eine Reihe

von Widersprüchen bei Erwähnung des Prachtbandes der
Münchener pofbibliothek. Schauß läßt das Stück durch
einen Druckfehler 20 Jahre und Seubert I Jahr zu früh
entstehen. Beide aber, und noch viele andere mit ihnen,
inachen über die Art der Meisterbezeichnung ungenaue oder
nicht erschöpfende Angaben.

Was nun die biographischen Daten anlangt, so herrscht
auch in diesen dieselbe Verwirrung. Seubert nüscht ohne
Antik die Arbeiten des älteren und jüngeren Meisters, sowie
Nürnberger und Augsburger Mitglieder der Familie, zu
einen: Monstrun: zusannnen, dessen älterer Theil j6s6, dessen
jüngerer aber schon l5rZ thätig ist. Achnlich ist die Ver
wirrung in Nagler's Monogrannnisten und auch in: Aünstler-
lexikon, wo beispielsweise ein sö85 verstorbener Lencker erst
um s6s6 in Thätigkeit tritt. Der alte Berlepsch nennt unfern
Meister Lenckart, die Bayerische Gewerbezeitung von 1890
sogar Bencker; Graesse inacht ihn zu einen: Bainberger und
Vincenti zu einen: Regensburger Meister.

Es ist noch als ein Glück zu betrachten, daß archiv
alische Quellen, durch deren falsche Benützung die Angaben
über Mitglieder derselben Familie in Augsburg sich so
sehr widersprechen, für unfern Nürnberger pans Lencker
nur wenig erschlossen wordei: sind, sonst würde bei den:
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