Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 14.1896

Page: 130
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5. Mai de» Grundstein legte. Obwohl
schon die Fnndanicntiernng ein unge-
heures Stuck Arbeit erforderte, stand
bereits im Jahre 1713 ein Teil des Kon-
ventgebändeS gegen Morgen unter Dach und
EndedesJahres 1714 auch dicwestliche Seite,
so daß nunmehr der wirkliche Einzug in
dasselbe vor sich gehen konnte. Nach
und nach wurden auch die beiden Seiten-
flügel und der Zwischenbau des Kloster-
gebändes fertig, unter dessen vielen herr-
lichen Räumen das Refektorium, das Archiv,
der Bibliothek- und sogenannte Kaiscrsaal
sowie die prnnkhaften „Fürstenzimmer"
hervorgehobcn sein mögen. Dann wurden
alle die vielen Oekonomie- und Nebenge-
bäude, ein kleines Dorf für sich, in An-
griff genommen, lieber die Ausführung
des Ganzen spricht sich der verdiente Stifts-
annalist ?. Maur. Feyerabend in dessen
„Jahrbüchern von Ottobenren" (III, S.
735) folgendermaßen aus: „So lange
Rupert II. lebte baute er und zwar alles
meistenteils im großen Stil. Alle seine
Gebäude empfehlen sich durch Liebt, Ord-
nung, Schönheit und Dauer; alle Ver-
zierungen stehen an ihrem Platze; allent-
halben gehen Thüre» ans Thürcn, Fenster
ans Fenster, und selbst die entfernteren
Bedienstctenwohnnngen stehen in Sym-
metrie mit dem Ganzen". Als nunmehr
alles in der Hauptsache wohlgeraten her-
gestellt war, kam der von dem banlnstigc»
Abte schon länger gehegte Plan, zur Krö-
nung des nun anstatt der alten wcitschich-
tigen Klostergcbändc in sich geschlossene»
regelmäßigen Ganzen noch einen groß-
artigen neuen Tempel an Stelle des im
I. 1558 durch Abt Kaspar Kindelmann
erbauten aufzuführcn, an die Reihe und
mit der Zeit auch zur Ausführung. Nach
langen Vorbereitungen und nachdem man
sich für einen aus fünf — nebst Modellen,
u. a. von den Architekten Maini aus Lu-
gano und DominikZinnnermann aus Wesso-
brunn — vorliegenden Grundrissen kom-
binierten Bauplan entschieden, legte der
Abt selbst am 27. September 1737 unter
dem Hanpteingang gegen die Nordseite
den ersten Stein zu der neuen (jetzt noch
stehenden) Kirche, einem imposanten
Mnsterzentralban. Hand in Hand mit
dem Außcnban ging die innere Einrichtung
und Ausschmückung, an welcher nichts ge-

spart wurde; eine Menge Künstler —
eine ganze Künstlerkolonie — und Hand-
werker, namentlich (meist italienische) Stnc-
catoren, von welchen hier die ans München
gekommenen venetianischen Maler Jak.
Amiconi und Russin!, Bellandcli, Jak.
und Franz Anton Zeller ans Rente in
Tirol, Hier. Hau von Kempten, Joh.
Georg Bergmüller, Elias Zobel ans Salz-
burg, Jos. Spiegler, Joh. Jak. Stander
ans Konstanz, die Gebrüder Johs. und
Dom. Zimmermann, Jos. Christian ans
Riedlingen, Mich. Fenchtmayr ans Augs-
burg rc. genannt sein sollen, wurde»
nach und nach in der langen Bauzeit nach
Ottobenren gezogen und daselbst schließlich
zum Teil selbst herangebildet, wie z. B.
der talentvolle Franz Ant. Erlcr, ein
Schüler Amiconis, und Arbogast Thal-
heimer rc.; und eS mag an diesem Platze
die Thatsache nicht unerwähnt bleiben,
daß der nachmalige bekannte Maler und
Kupferstecher Joh. Goltlicb Prcstel in
Frankfurt a. M., der Ahnherr einer ganzen
Künstlerfamilie, in der Jugend als ein-
facher Dorfjnnge und Schrcincrlehrling,
von seinem Hcimatdorfc Grvcncnbach, wenn
es ihm zu Hanse zu eng wurde, oftmals
wie von einer idealen Anwandlung ge-
trieben, nach dem nahen Ottobenren wan-
delte, sich unter das fröhliche Künstler-
völkcheu mischte und so, in da§ Anschauen
der hier entstehenden Knnstschöpfnngen
immer und immer wieder versunken, an
dieser geweihten Stätte (namentlich bei
dem Maler Joh. Jak. Zeiler) die erste
Anregung zu seinem künstlerischen Bcrnse
fand. Ebenso ist der Ottobenrer Tcmpel-
ban ans die nicht lange darauf erfolgte
Errichtung der großartigen Klosterkirche
zu Nereöheini wie überhaupt ans das
ganze im vorigen Jahrhundert sehr in
Aufschwung gekommene Kloster- und
Kirchenbanwescn in Schwaben mit von
Einfluß geworden. Ans der andern
Seite darf aber auch nicht verschwiegen
werden, daß bei dieser Nenanlage alte
edle romanische Bauten (so z. B. die ur-
alte St. NikvlauSkapellc) gefallen sind und
mit zahlreichen Bildwerken und Grab-
denkmalen (vielleicht auch mit den Wierlh-
schcn Glasmalereien) in der der Kunst-
richtung des 18. Jahrhunderts eigenen Ver-
ständnis-, rücksichts- und pietätSloseu, ex-
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