Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Seite: 118
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hoch die sein sollt. Auch wie man sie behoblen
und bestreycheu sott, uiit vil schönen lere». Ge-
prediget durch den Hochgelerten bnyder Rechten
Doetor Ulrich Krnfft Pfarrer zu Ulm. Im iar
lVI. v. und XIIII. Straßburg 1517. 47 Bl. 4°.
") Das ist der geistlich streit gemacht und
gepredigt worden durch — —. Ulrich krnfft Pfarrer
zu Ulm u. s. w. Ohne Ort und Jahr (Strnß-
burg 1517). 56 Bl. 4°.
") M. von Weida, der Spiegel hochlob-
licher Bruderschaft des Rosenkrnntz Marie. Leip-
zig 1515. Bl. 198 b.
") Christenlich bilgerschnfft zum ewigen vatter-
lnnd. Gepredigt durch I. Geiler. Basel 1519.
Bl. 103b. 104k. 105 b. 107-c. 108 a.
11) Uulla 8anccissiiui iubitei eliarn Oevtesimi
cum aliis Zratiis ct kucultatibus in svbsickium
kabrice ecclesie Lonstrcntiensis. Line loco et
anno. 8 Bl. 9".
'ch Keidol n. a. O. 130.
i°) Abgedruckt bei Schelhorn, Ergöhlich-
keiten 1, 446 ff.
11) Instructio Lummaria pro executions ne-
Aocii inckul§enl.iarum LancOssimi lubilei in
kavorem kabrics Ucclesie Lonslantiensis con-
cessarum. Line loco et anno. 7 Bl. 9J
") Presset, „Münster-Blätter" II, 4.
"h Weyerma n!! (Nachrichten von Gelehrten
aus Ulm. Ulm 1798. S. 375), auf den Presset
und Keidel sich stützen, sagt bloß: „Im Jahre 1515,
am 16. Januar, erhielt Kraft die besondere
Vollmacht von dem Kardinal Leonardas, Beichtende
anhören und absolvieren zu dürfen, doch war die
ihm ausgefertigte Bulle nur auf fünf Jahrs
gültig".
-") Presset a. a. O.
21) Uicturas cuiusckam, universain cbristiano-
rum ckoctrinam, veriorein illam, nostro saeculo
ilsrum patelactam, vers exprirnentis ckelineatio
et explicatio verissima. Uatisbonas 1555.
Bl. L 4. L 5.
22) So I. C. Funck, „Kurz gefaßte Refor-
mations-Historie". Ulm 1717. S. 688.
2") Abgesehen von verschiedenen württember-
gischen Refvrmationsgeschichten, genüge es auf
Wepermann (II. Ulm 1899. S. 956) zu ver-
weisen: „Als der berüchtigte Tetzel 1517 seinen
Ablaßkram in Ulm bald im Münster in der Ecke
beim Taufstein, bald beim Schulhaus in einer
Bude auf öffentlicher Straße feil bot und aus
vollem Halse schrie: „Jetzt, jetzt u. s. w."
Veirrkku: zur Geschichte einzelner
Vfarreien.
5. Die Klausnerinnen bei St.
Nemigii Pfarrkirchen in Obern-
dorf a./N. (1341 — 1550).
Von Stadtpf. Brinzinger in Oberndorf a. N.
(Fortsetzung von .1898 Nr. 9.)
Auf dem jetzigen Kirchhof der Stadt
Oberndorf am rechten Ufer deö Neckars
stand einstens die St. Remigius-Pfarrkirche,
welche als Tanfkapelle schon 912 erwähnt
wird. Erst anfangs diesesJahrhunderts wurde

1806 daS Schiff, 1811 der Chor dieser
Kirche abgebrochen. Wir werden später
die Geschichte dieser Pfarrkirche kurz be-
sprechen.
Die bei dieser ältesten Kirche von Obern-
dorf einstens gelegene Frauenklanse finden
wir schon im 14. Jahrhundert als Klause,
auch Klose (vom latein. Namen incluso-
rium), urkundlich erwähnt, die dort
verweilenden Jungfrauen und Frauen
werde» „Klausnerinnen" genannt. Wer
sind diese Klausnerinnen und welche klöster-
liche Ordnung befolgen sie? Wir fanden
hierüber keine näheren Nachrichten in
Oberndorf, aber ans der schwäbischen
Kirchengeschichte ist ihre Lebensweise be-
kannt. Es begannen schon im 13. Jahr-
hundert, seit der Gründung deö Tertiarier-
ordens durch den hl. Franz von Assisi die
Begharden- und Beghinenklansen im
Schwabenlande Wurzel zu fassen. Im
14. Jahrhundert wuchs die Zahl der
Klausnerinnen in Württemberg, so daß
unter Herzog Ulrich gegen 90 solcher
Sammlungen vorhanden waren, und etwa
50 Beghardenniederlassnngen. Man nannte
sie Klausnerinnen, oder die geistlichen trou-
rven in 6en Linsen auch Reuerinnen
(sonores poenitentes), graue Schwestern
(^r^sins) von ihrer aschgrauen Kleidung,
oder inclnsne, reclusne, Seelenweiber.
Frauen, Jungfrauen und Witwen, selten
mehr als 12, traten zur Beobachtung
züchtiger Eingezogenheit und gottseligen
Wandels zusammen nach Art der Nonnen,
aber ohne Klostergelübde abznlegen, sie
verkehrten mit der Welt und konnten jeder-
zeit wieder die gemeinsame Lebensweise
verlassen und auch, wenn sie wollten, sich
verheiraten. Die Meisterin, muoter, pri-
orin, genannt, war Vorsteherin, welche
das gemeinschaftliche zwischen Welt und
Kloster die Mitte haltende Leben der
Schwestern leitete. Durch Weben, Spin-
nen, Pflege von Kranken und Sterbenden,
Einnähender Leichen,Beteiligung bei Leichen-
begängnissen, Beten für Verstorbene (See-
lenschwester») auch durch Bewirtschaftung
ihrer kleinen Gärten und Ländereien bei
der Klause suchten sie sich ihren meist be-
scheidenen Lebensunterhalt zu verdienen,
auch erhielten sie mancherlei Belohnungen
von reichen Bürgern und Familien der
Städte für ihre Dienstleistungen. Daß
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