Beck, Paul [Hrsg.]; Hofele, Engelbert [Hrsg.]; Diözese Rottenburg [Hrsg.]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 16.1898

Seite: 179
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sich Einträge über eine Reihe von Rntenznhlnngen
nn den „ninister Jakob Rust von Ravensburg",
bei dein der Bischof ein „Epitaphium" bestellte.
Weiter hat sich eine Urkunde erhalten, in welcher
der Bischof einen Streit entscheidet zwischen dem
„Waister Jacoben Rust Bildhower" und dem Dom-
kapitel in Betreff der Löhnung des Meisters.
Wir entnehmen daraus, das; Rust (Ruost) im
ganzen für seine Arbeit 500 fl., den Gulden zu
17 Schilling 6 Pf. Churer Währung gerechnet,
erhielt.
Nachforschungen in Ravensburg ergaben dann
ferner, das; dort in den Steuerlisten von 1482
bis 1497 wirklich ein „maister Jakob Bildhauer"
eingetragen ist, welcher in dem zuletzt genannten
Jahr in „der Stadt Oberthor" wohnte und
4 Sch. 6 Pf. bezahlte.
Überraschenderweise fand sich dann auch noch
in Ueberlingen, wo man lange Zeit ver-
geblich nach Urkunden über den Urheber der
herrlichen Holzschnitzereien im Rnthanssanl fahn-
dete, wirklich unser Meister, der fast gleichzeitig
1491—1494 auch dieses Werk schuf, wofür er
vertragsgemäß für „spis und ton" täglich 15,
ein jeder Gehilfe 10 Kreuzer erhielt.
In Chur war der Altar laut Inschrift am
Sockel der thronenden Maria am 31. Januar
1492 vollendet. Das von Bnsl in dem ange-
führten Aufsatz erwähnte und abgebildete Kreuz
hat keine Beziehung zum Meister, es ist wahr-
scheinlich als die Marke des Domstifts bezw. der
Doinfabrik anzusehen. Ein ganz ähnliches Zeichen
führte z. B. die Münsterhütte zu Freiburg.
Das; unser Meister aber nicht allein Bild-
schnitzer, sondern auch Bildhauer war, ergiebt sich
nicht allein daraus, weil derselbe urkundlich
öfters geradezu Bildhauer genannt wird, sondern
auch, wie Busl a. a. O. erstmals nachgewiesen
hat, ihn; zweifelsohne das steinerne Grabdenkmal
des Bischofs Ortlieb von Brandts im Dom zu
Chur zugeschrieben werden muß, von dem der
Bischof in seinen Aufzeichnungen spricht.
Wir haben dafür einen neuen Beweis,
daß die Bildhauer jener Zeit öfter zugleich
auch Bildschnitzer waren, was ja auch bei
dem älteren Syrlin zutrifft, bei Multscher
aber noch zu bezweifeln sein möchte (ver-
gleiche meinen Aufsatz in der „Zeitschrift
für bildende Kunst" von 1898). Als
Maler kann aber Ruß nicht in Betracht
kommen, so wenig man den Maler Mnlt-
scher mit dem Bildhauer Multscher iden-
tifizieren kann. Aus einer Bemerkung in
dem erwähnten Dokument geht deutlich her-
vor, daß Jakob Ruß die Vergoldung und
Bemalung des Hochaltars nicht besorgte,
sondern dieses Geschäft einem andern Künst-
ler übertragen war.
Schließlich dürfte noch von Interesse
sein zu hören, was der Pariser Archäologe
Molinier am Schlüsse seiner Beschreibung
des Altars zur Würdigung des Werkes

sagt. Indem derselbe die Frage aufwirft,
ob wohl Nuß der alleinige Verfertiger des
Altares sein könnte, sagt er weiter: „Ohne
Zweifel hatten die Künstler, welche der-
artige Werke schufen, unter ihrer Leitung
zahlreiche Gehilfen, aber der Entwurf, die
allgemeine Anordnung war wohl das Werk
eines einzelnen Mannes, ein wirklich groß-
artiges Werk, wenn man in Betracht zieht:
die Zahl der Figuren, die komplizierte Ver-
bindung von Ornament und Architektur und
die außerordentliche Sorgfalt, mit welcher
jedes Detail durch Bemalung und Ver-
goldung hervorgehoben ist. Ohne Zweifel
darf mau in diesen Skulpturen, von einigen
sehr seltenen Ausnahmen abgesehen, nicht
den Ausdruck eines eigenartigen Genies
suchen (bei der Mehrzahl ist man in Er-
manglung zuverlässiger Dokumente stark
in Verlegenheit, wenn man deren Urheber
nennen soll); sie repräsentieren eine Schule,
eine künstlerische Richtung, eine Manier,
welche aus einem Zentrum der Produktion
hervorgeht und nicht Eigentum eines ein-
zelnen Künstlers ist.
Doch darf man nicht vergessen, daß
dies Werke der Dekoration sind, in welchen
man vielmehr gesucht hat, ein Ganzes zu
schaffen, geeignet für den Kreis, zu welchem
es bestimmt war, als Typen entsprechend
dem besonderen Ideal des Bildhauers.
Diese Bildschnitzer waren nicht daraus be-
dacht, mit besonderer Sorgfalt ein Stück
herzustellen oder besondere Ansdrncksweisen
zu ersinnen. Die Sachen mehr im all-
gemeinen nehmend, haben sie Skulpturen
geschaffen, in denen mau oft manche Dinge
zu beanstanden, manche Schwachheiten zu
kritisieren hat, welche aber in ihrem Ganzen
immer eine mächtige dekorative Wirkung
Hervorbringen. Dies ist vollkommen ge-
nügend, um diese schönen Werke mit Sorg-
falt zu erhalte:; und zum Studium der
Künstler und Archäologen zu empfehlen.

Beiträge zur Geschichte einzelner
Pfarreien.
6. Die frühere St. RemiginS-
Pfarrkirche in Oberndorf a. Ni
Bon Stndtpf. Brinzinger in Oberndorf a. N.
(Schluß von 1898 Nr. 8.)
Zu den ältesten Kirchen der Alamannen
im heutigen Württemberg zählt Bosscrt
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