Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

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öeost/. Ein Wesuch üci tzofjuwelier
Jost. Melchior Dinglinger in
Dresden.
(Zn der Biographie im „Diöc -Arch." XVI, 1898,
Nr. 7/8.)
In dem Tagebuche eines Christian
Gabr. Fischer, welcher i. I. 1727 ff. einen
jungen Danziger, Nathan Jak. Gerlach, auf
seinen Reisen durch Deutschland, Holland,
Frankreich und England begleitete, findet
sich ein Bericht über den von beiden dem
Hofjnwelier I. M. Dinglinger in
Dresden am 26. September 1727 ab-
gestatteten Besuch. Danach zeigte ihnen D.
n. a. vielen Kunstwerken einen Pokal,
an welchem er seit d. I. 1700 arbeitete,
dessen Muschel von gelblichem orientalischem
Jaspis, die Größe der Hälfte einer
mäßigen Melone hatte. Hinten am Rande
befand sich eine drehbare Vertikalplatte,
auf einer Seite mit einem Spiegel und
auf der anderen mit dem in Diamanten
und anderen Edelsteinen gefaßten Bildnisse
des Königs. Die Muschel ruhte auf einer
mit einem fliegenden Drachen ringende»
Figur. Figur und Drache waren emailliert
und die Flügel des letzteren reich mit
Smaragden besetzt; der Fuß und die Zier-
raten von künstlicher Arbeit. D. schätzte
dieses Kunstwerk auf 24 000 Neichsthaler.
Neben dem Pokale standen zwei Trink-
schalen, die eine von poliertem klaren
Nhinozeroshorn und die andere von orien-
talischem Achat, beide mit Diamanten und
anderen Edelsteinen besetzt. Diese Kost-
barkeiten wurden noch von einem Zierat
übertrosfen, den er gleichfalls für den
königlichen Schatz fertig hatte. Dieser
Zierat war von Gestalt einer großen Mon-
stranz und zur Seiten zwei treffliche Bild-
nisse. In der Mitte ein ovaler orientalischer
Achat, in welchem Schneeflocken spielten,
und daher gefrorener Achat genannt. Auf
dem Achat allerhand Figuren von einem
unbekannten weißlichen Steine, der Fuß
von demselben Steine und der Achat mit
allerhand Kriegswerkzengen umgeben, die
Nebenportale ans braunem und weißem
parischem Marmor künstlich geschnitzt und
alles mit Juwelen, Gold und Email be-
legt. Eine Gießkanne, ungefähr von einem
Danziger Quartier, mit dem Fuße ans
massivem Stahl; so fein und künstlich mit
erhabenen Figuren gearbeitet, daß man sie

für Silber halten mochte. Ferner ein vom
Könige noch nicht gesehener Hirschfänger,
dessen Gefässe von braunem, hornfarbigem
orientalischem Onyx, mit großen Diamanten
besetzt war, die Parierstangen und das
Blatt aus lauter Gold mit Diamanten, in
die Klinge allerhand historische Darstellungen
eingegraben und die Scheide sowie das
Degengehänge mit Diamanten geziert. End-
lich einige sehr große orientalische schwarze
Onyxe H in Gold kreuzweis znsammenge-
faßt und so poliert, daß sie zu Spiegeln
dienen konnten. Außerdem zeigte D. den
beiden Reisenden mehrere ungefaßte Ju-
welen, die er so geschickt zu rangieren und
anznbringen verstand. Er hatte für viele
Tausend Neichsthaler Saphire, die reineren
zu 8000 polnischen Gulden, eine Menge
geschnittener antiker Achate von verschie-
dener Größe. Die kleinen schätzte er
nur 5—6 zu einem Neichsthaler und sollten
in der Gegend von Pnzzolo dergleichen
unzählig Vorkommen, ja bisweilen von der
See ausgeworfen werden. Auch besaß er
einen großen Vorrat von orientalischen
Achaten, Karneolen und Onyxen, Glas-
malereien und Miniaturgemälden und kaufte
dergleichen überall auf. Er führte hierauf
die Reisenden in mehrere Zimmer, welche
mit Gemälden, Statuen, Medaillen römi-
scher Kaiser und Conchylien angefüllt waren.
Nachdem er ihnen eine Leupoldsche Luft-
pumpe, das Modell einer Maschine, eine
Last einen steilen Weinberg mit Wasser
hinauf zu ziehen und andere physikalische
Instrumente gezeigt hatte, führte er sie
auf den Altan seines ganz neu und präch-
tig gebauten Hanfes zu einer Fontaine mit
einem Glockenspiele. Auch ein Observa-
torium befand sich daselbst und ein kostbarer
Anemometer von Gärtners Erfindung
und von Leutmann im Nut. Ister-
moirretris beschrieben. Diese Maschine
stellte im oberen Saale gleichsam drei große
Uhren vor, wovon die eine eine gewöhn-
liche Perpendikeluhr war, die zweite zeigte,
woher die Winoe wehten und die dritte
bestimmte die Stärke derselben. Die zweite

0 Den eine halbe Biertelelle langen mW eine
Achtelelle breiten Onyr im grünen Gewölbe, viel-
leicht den größten in der Welt, hatte D. um
45 000 Neichsthaler angeschafft (Dnßdorf,
Beschreibung der vorzüglichsten Merkwürdig-
keiten re., Dresden re., 1782, S. 541).
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