Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

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Verdienstordens. Er baute auch den Mar-
stall (1805) in der unteren Königsstraße,
welcher früher auf der Solitude stand und
ebenfalls nach Stuttgart ve>setzt wurde.
Uber entwarf auch für die 1794 ein-
geäscherte Stadt Sulz und 1804 für das
eingeäscherte Tuttlingen neue Pläne zum
Wiederaufbau.
Am 9. Februar 1808 machte der
Königliche katholische geistliche Nat i»
Stuttgart (bestehend aus den weltlichen
Oberregierungsräten Camerer und Mun-
dorff und den geistlichen Räten Brentano
und Werkmeister) verschiedene Vorschläge
an das Ministerium der Geistlichen An-
gelegenheiten betreffs der neu zu erbauen-
den Kirche und verlangte eine Verlängerung
von 122 Fuß, „weil es später bereut
werden möchte, wenn die Kirche zu klein
wäre" (Dekretenbuch Nr. 75). Diese
Bitte wurde aber nicht genehmigt, „da
der Gottesdienst des Militärs von dem
andern getrennt ist, und mehrere Mcßni
gelesen werden" (Dekretenbuch Nr. 74).
Die Kirche „sollte einen 15 Fuß breiten
Vorplatz erhalten, welcher an der Straßen-
linie durch eine Ballnstrade geschlossen
werden soll" (Dekretenbuch Nr. 74). Die
Kanzel solle über dem (Seiten-)Altar links
angebracht werde», der Chor erhöht werden,
Geläute und Stühle sollen aus der Kirche
in Zwiefalten beschafft werden und Hof-
banmeister v. Thouret Ueberschläge fertigen
für einen Kanzeldeckel, die KonnnuniSn-
bank und den Taufstein (Dekretenbuch
Nr. 292). Am 7. September 1808 war
die Gr u n d stein l e g n u g der Eberhards-
kirche, welche aber erst Dienstag den
1. Oktober 1811 ein geweiht werden
konnte. Konsekrator war Franz Karl
Fürst von Hohenlohe-Waldenburg-Schil-
lingsfürst, Weihbischof von Tempe in
pmrtibuL inliclelium (verlassener Bischofs-
sitz in Thessalien), geb. 27. November 1745,
am 9. Oktober 1812 als Generalvikar in
Ellwangen installiert, welcher 1817 sich
nach Augsburg zurückzvg, 1818 zum
Bischof von Augsburg erwählt und prä-
konisiert wurde, aber vor der Besitznahme
am 9. Oktober 1819 starb. Ans Wunsch
deö Königs Friedrich erhielt die Kirche
den Namen des hl. Eberhard, Erzbischof
von Salzburg (1147—64), zu dessen Ehre
auch der Hochaltar geweiht wurde, der am

Osterfest 19. April 1840 das schöneAltarblatt
Christi Auferstehung erhielt, gemalt von
Johann Friedrich Dietrich, Professor au
der Stuttgarter Knnstscbule (geb. in Biberach
21. September 1787, gest. in Stuttgart
17. Januar 1846). Die schöne Barock-
rahme des Bildes ist von Hofbanmeister
Gabriel entworfen. Der Seitenaltar rechts
wurde als Marienaltar geweiht und erhielt
im Jahre 1838 das Altarbild „Einführung
des JesnSknaben in die Welt durch seine
Mutter", gemalt von Maria Ellenrieder
(geb. in Konstanz 20. März 1791, gest.
daselbst 5. Juni 1863); es kostete 2000
Gulden, welche Stadlpfarrer Volz durch
freiwillige Beiträge sammelte. Das Josephs-
bild dort ist von Historienmaler Fidel
Beutele (geb. Tetlnang 1830, gest. Stutt-
gart 1901). Der linke Seitenaltar ist
dem hl. Karl Borromäus geweiht, Schutz-
patron des Herzogs Karl. Das Bild des
hl. Karl dort ist wahrscheinlich von einem
italienischen Künstler deö vorigen Jahr-
hunderts gemalt, es trägt weder NamenS-
zug noch Zeichen eines Meisters.
Die Eberhardskirche ist im klassischen
Empirestil erbaut. Das Portal mit der
Attika ist von korinthischer, die Säulen
innen von jonischer Ordnung. Der kleine,
unansehnliche Turm dient nur als Glocken-
hauö. Die rund gewölbte Bretterdecke
innen ist mit Gips verkleidet. Rechts ist
die Fürstenloge, links die Gesandtenloge.
Die zwei großen Glasgemälde im Chor:
Verkündigung und Geburt Christi, sind
von Hofglasmaler Wilhelm, die kleinern
Glasgemälde sind von verschiedenen Stif-
ter», einige davon von Hofglasmaler Wetzet.
Die Kirche ist 98 Fuß lang und 90 Fuß
breit, der Chor 40 Fuß lang, 20 Fuß breit.
Nach Westen bat sich die Kirche ansgebancht.
Im Jahre 1868 wurde die Eberhardskirche
repariert, verblendet und mit einem Schiefer-
dach versehen. 1881 und 1882 wurde
der Chor auögemalt von Nachbaur mit
vier Evangelistenbildcrn an den Pilastern.
Die Kirche ist längst zu klein und ein
Neubau ein dringendes Bedürfnis. Unsere
Studien über dieselbe, welche nur noch
wenigen Jetztlebeudeu bekannt sind, sind
vielleicht später von historischem Werl!
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