Beck, Paul [Editor]; Hofele, Engelbert [Editor]; Diözese Rottenburg [Editor]
Diözesan-Archiv von Schwaben: Organ für Geschichte, Altertumskunde, Kunst und Kultur der Diözese Rottenburg und der angrenzenden Gebiete — 21.1903

Page: 182
Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/dioezarchivschwab1903/0190
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
182

dazu werden nur diejenigen in den Kreis der Dar-
stellung gezogen, dis in der Schweiz gestorben sind,
nicht auch jene, die zeitweilig hier wirkten, wie
der hl. Bernhard, Bonifatius, Bischof non Lau-
sanne, Erzbischof Petrus von Mailand n. s. w
Die Schrift beruht durchaus ans eigenen
gründlichen und mühevollen Forschungen dkl
schon früher durch ähnliche Arbeiten, insbe^
sondere durch seine Geschichte der Reliquien in
der Schweiz rühmlich bekannte» Verfassers, bei
welchen besonders die Verbreitung des Kultus
der Heiligen und das Wesentlichste aus dem Leben
derselben nach dein heutigen Stande der Forschung
hervorgehoben wird. Dabei werden auch die be-
achtenswertesten Nachrichten, die über die Schweizer-
heiligen existieren, verzeichnet. Die Brauchbarkeit
des Büchleins, welches vornehmlich Altertums-
forschern und Künstlern gute Dienste leisten wird,
wird durch die einfache Anordnung wie durch
zahlreiche Register erhöht. Die Ausstattung ist
äußerst splendid, der Einband geschmackvoll. Die
zahlreichen Illustrationen sind nach großen-
teils bislang unveröffentlichten Originalen in allen
Teilen des Landes gewonnen und geben dcr
Arbeit durch ihre Qualität wie durch ihre Zahl
den Charakter einer eigentlichen Ikonographie uno
Archäologie der Schweizerheiligen. Die sorgfältig'
wertvolle Studie verdient umsomehr Anerkennung,
als sich der Verfasser in seiner Eigenschaft als
Protestant in dein katholischen Kult angehörig l
Gebiete einznarbeiten und zu vertiefen hatte.
Schwäbisches Wörterbuch ec., be-
arbeitet von Hermann Fischer, 1.— 6. Lie
fermig (Altar—Bett; 960 SS.), Tübingen,
Verlag der H. Lauppschen Buchhandlung
1901 —1903 (Druck von H. Laupp sr.)
Von dem längst vorbereiteten schwäbischen
Wörterbuch unter der Redaktion des Professors
für deutsche Sprache und Literatur an der Lan-
desnniversität in Tübingen, Herrn. F isch er, sind
nun seit Herbst 1901 nach und nach die ersten
sechs Lieferungen erschienen und wird zur Zeit
der Drucklegung dieser Besprechung bereits di,
siebente heransgekommen sein. Das Monumental-
merk soll den ganzen Wortschatz der schwäbischen
Sprache in lexikalischer Darstellung und zwar des
näheren den Sprachbereich des Königreichs Würt-
temberg, der hohenzollernschen Lande, des Groß-
herzogtnms Baden östlich einer Linie von Tutt-
lingen zum Ueberlinger See, des bayerischen Schwa-
bens westlich der Wörnitz und des Lechs und
sogar noch einen Strich von Nordtirol, nämlich
das Tannheimer- und nördlichste Lechtal umfassen,
wogegen auffnllenderweise Vorarlberg, dieses
echte, prächtige Alemannenlnndche», nicht aufge-
führt ist. Neben der h euti g en Mundart dieser
Gegenden wird auch die ältere Sprache (im
allgemeinen vom 15. Jahrhundert an) verzeichnet,
soweit ihre Denkmäler mit Sicherheit jenen Ge-
genden zugemiesen werden können; doch finden sich,
um dies gleich zu sagen, alte Akten und Perga-
mente, bezw. die alte Amtssprache weniger benützt.
Mit der Herausgabe dieses Lexikons wird ein
langgehegter Wunsch erfüllt, wohnen doch den
schwäbischen Mundarten, wie dem schwäbischen
Volkstum überhaupt, infolge des geographischen

Zusammenhangs wie der historischen Entwicklung
eigenartige Züge inne, die dem Germanisten wert-
voll sein müssen. Das schwäbische Wörterbuch
von Schmid (Stuttgart, 1831, bei E. Schweizer-
bart), dessen Vorläufer schon im Jahre 1195 in
Fr. Nicolais Reisen erschien, für seine Zeit eine
recht respektable Leistung, ist, ohne derselben zu
nahe zu treten, heutzutage ganz veraltet. Zum
Zwecke einer neuen umfassenden schwäbischen Lexi-
kographie ergingen schon vor ca. 40 Jahren von dem
Vorgänger des Verfassers im akademischen Lehr-
amt, dem Professor Ur. Adalb. Keller in Tü-
bingen, unter Befürwortung und Empfehlung des
württembergischen Kultusministeriums überallhin
an die Volksschullehrer und Schulinspektorate re.
des Landes Fragebogen hinaus, um über die
Spracheigentümlichkeiten der einzelnen Landstriche
feste Grundlagen sowie um Wortschatzsammlunzen
zu erhalten; und das auf diesen, Wegs einge-
gangene zahlreiche, inzwischen aber auch sonst nam-
haft vermehrte Material findet sich nun in dem
Werke verarbeitet. Dasselbe ist in dcr alpha-
betischen, der für den allgemeinen Gebrauch
empfehlenswertesten und zweckmäßigsten Form
angelegt, auf ca. 30 Lieferungen (bei welchen es
aber voraussichtlich nicht bleiben wird) berechnet,
von welchen durchschnittlich je drei im Jahr er-
scheinen sollen, so daß dasselbe also in ca. sieben
Jahren vollendet sein dürste; zweispaltig gedruckt;
im Umschlags sind neben den „Vorbemerkungen"
zahlreiche, wenn auch nicht erschöpfende Quellen-
nachweise rc. gegeben, unter welchen (d. h. in der
6. Lieferung) auch Schöpfs „tirolisches Idioti-
kon" nachgeholt ist; in der Anlage rc. scheint in
vielem das schweizerische Idiotikon zum Vorgang
genommen worden zu sein. Eine eingehende Ein-
leitung oder Vorrede, in welcher über das System,
den Plan und Umfang, dis Methode und Ein-
teilung rc. des groß und weit angelegten
und jedenfalls über ein eigentliches Idiotikon
hinausgehenden Werkes (welches so, eininal
vollendet, eine beachtenswerte Ergänzung des leider
seinem Abschlüsse nicht entfernt entgegensehenden
deutschen Wörterbuchs der Gebrüder Grimm bil-
den wirdh wie auch über Entstehung und Zu-
sammensetzung des Sammelmaterials, sich ausge-
sprochen wäre, ist bis jetzt nicht Leigsgeben und
wird man wohl erst am Ende des ersten Bandes
oder erst am Schlüsse des ganzen Werkes zu er-
warten haben? Jnsolangs bleibt man über die
angedeuteten Punkts auf die kurzen, im Umschlag-
blatte niedergelegten „Vorbemerkungen" sowie auf
die vorausgegangene, im Jahre 1895 im selben
Verlage mit einein Atlas von 28 Karten erschie-
nene „Geographie der schwäbischen Mundart" des
Verfassers angewiesen, durch welch' letztere das
Hauptwerk (welches nun die Angabe der Laut-
verhaltnisse nur noch in Einzelfällen allzuführen
brauchte) in vorteilhafter Weise entlastet wurde.
Schon die erstell sechs Lieferungen lassen erkennen,
daß das schwäbisch-nationale Werk in den besten
Händel, sich befindet, an Reichhaltigkeit des Stoffs,
Klarheit der Darstellung, Umsicht der sprachge-
s.hichtlichen Erörterung vollständig auf der Höhe
der Wissenschaft steht und mit Recht Lie Unter-
stützung des Staats, nicht minder aber auch die
des Publikums und zwar nicht etwa bloß des
offiziellen, sondern auch der weiteren Volkskreise
loading ...