Sänger, Falk-Reimar [Hrsg.]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 21): Landkreis Lüchow-Dannenberg — Braunschweig, 1986

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DER LANDKREIS LÜCHOW-DANNENBERG

Geographisch-topographische Beschreibung
Das Kreisgebiet Lüchow-Dannenberg ragt annähernd in Form eines spitzwinkligen Drei-
ecks in die DDR. Mit dieser hat es eine gemeinsame Grenze von 144 km, während es die
beiden westlichen, niedersächsischen Nachbarkreise nur auf 70 km Länge berührt. Die-
se politischen Trennungslinien folgen im wesentlichen sowohl historisch gewachsenen
Territorien (Lüneburg, Altmark, Priegnitz) wie auch naturräumlichen Gegebenheiten. Im
Westen bildet die osthannoversche Endmoräne, die nach Westen flach abgedacht ist,
nach Osten aber steil abfällt, eine natürliche Barriere. Im Süden scheiden die weitge-
hend unwegsamen Niederungen von Dumme und Landgraben das Kreisgebiet von der
preußischen Altmark, während nach Norden und Osten hin die Elbe mit ihrem Urstromtal
eine natürliche Grenze bildet.
Das Kreisgebiet wird etwa mittig durch die Jeetzelniederung von Süd nach Nord durch-
quert. Die Jeetzel blieb bis ins 20. Jh. hinein unbedeicht. Bei Hochwasser der Elbe bilde-
te sich deshalb im Jeetzeltal jeweils ein Rückstau, der immer wieder zu verheerenden
Überschwemmungen führte, wobei viele Ortschaften oft wochenlang von der Umwelt
abgeschnitten wurden. Neben der Stadt Dannenberg waren die sogenannten „Wasser-
dörfer“ Bückau, Prabstorf, Liepehöfen und Soven besonders betroffen. Die schon im 19.
Jh. verschiedentlich geplante Regulierung der Jeetzel wurde erst in der Mitte des 20. Jh.
in Angriff genommen. 1963 war der Hochwasserschutz endgültig sichergestellt.
Westlich der Flußniederung erstreckt sich im Süden die flachgewellte Landschaft des
Niederen Drawehn, der die besten Böden des Kreisgebietes aufweist. Mehrere Bäche,
an denen zahlreiche Mühlen ihren Standort haben, durchqueren das Gebiet in West-
Ost-Richtung. Im Südwesten des Niederen Drawehn schließt sich die Schweinemark
(Swinmark) an, deren volkstümlicher Name auf die hier bevorzugt betriebene Schweine-
zucht hinweist.
Der Hohe Drawehn, der den Landkreis im Westen begrenzt, wurde bei einem der letzten
Vorstöße der vorletzten Kältezeit, dem sogenannten Wartestadium gebildet. Diese erd-
geschichtlich sehr junge Formation ist durch Wind- und Wassererosion noch nicht stark
angegriffen worden, wie der schroffe Ostabfall mit den stark zerklüfteten Trockentälern
westlich von Clenze deutlich macht. Der Höhenzug, der weniger günstige Vorausset-
zungen für die Landwirtschaft bietet, erstreckt sich ebenfalls in Nord-Süd-Richtung und
stößt im Norden bis an die Jeetzel, vor allem aber an die Elbe heran, zu der er mit einem
30-80m hohen Steilhang abfällt. Seine höchste Erhebung, der hohe Mechtin ist eine
sanft gewellte Kuppe, die sich bis 142m über NN erhebt. Im 19. Jh. war der Hohe Dra-
wehn weitgehend unbewaldet. Die dort ehemals vorhandenen Heideflächen wurden im
18. Jh. durch Schafhaltung extensiv genutzt, bis heute bezeugt von einigen wenigen
noch erhaltenen Schafställen. Die weitgehende Aufforstung der überwiegend sandigen
Flächen erfolgte dann im 19. Jh. Der im Nordwesten des Hohen Drawehn gelegene
Staatsforst Göhrde ist dagegen ein geschlossenes älteres Waldgebiet mit eigener Ge-
schichte.
Östlich der Jeetzelniederung liegen im Süden die beiden flachwelligen Kleinlandschaf-
ten Öring und Lemgow, die südlich an die Landgrabenniederung grenzen. Nördlich
schließt sich das bewaldete Feuchtgebiet der großen und kleinen Lucie an, das durch
mehrere Kanäle des 19. u. 20. Jh. entwässert wird. Naturgemäß ist hier die Landwirt-
schaft vorwiegend auf Grünlandbetriebe beschränkt. Das gilt weitgehend auch für die im
Norden folgende Elb- und Jeetzelmarsch, aus der sich die Langendorfer Geestinsel als
abgegrenzte Kleinlandschaft heraushebt. Noch bis ins 19. Jh. hinein waren die hier lie-
genden Dörfer durch Flugsand bedroht, der in der Notzeit kurz nach dem Dreißigjährigen
Krieg zur großen Gefahr geworden war. Durch Aufforstung der Sandflächen ist sie heute
weitgehend gebannt. Unweit südlich dieser Geestinsel, deren steiler Südabfall als Prall-
hang eines früheren Elbelaufes angesehen wird, beginnt bei Gorleben ein großes zu-
sammenhängendes Waldgebiet, das sich nach Süden bis zur Grenze der Altmark hin-
zieht und so den östlichen Zipfel des Kreisgebietes abtrennt. Der weitgehend erst künst-
lich im 19. Jh. geschaffene Gartower Forst besetzt eine Talsandfläche, die noch im 18.
Jh. überwiegend mit Heide bedeckt war. Nordöstlich des Forstes in einer nach Norden
ausgreifenden Elbschleife erhebt sich der Höhbeck, ein inselartiger Höhenrücken, bis 75
m über NN aus der Flußmarsch. Sein Nordhang fällt steil zur Elbe ab, während der fla-
chere Südhang an das Tal der Seege grenzt, die sich in ihrer sumpfigen Niederung teil-
weise seenartig ausweitet. Auch durch dieses Tal ist wahrscheinlich noch zu histori-
schen Zeiten ein Seitenarm der Elbe geflossen. Das häufige Verlagern und Mäandrieren
des Elblaufes in seinem Urstromtal wurde seit dem 12. Jh. durch Wasserbaumaßnah-
men mehr und mehr unterbunden und der Strom in sein heutiges Bett gezwängt. Wich-
tigste Maßnahme war dabei Bau und Unterhalt des Deiches, der sich heute von der Mün-

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