Sänger, Falk-Reimar [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 21): Landkreis Lüchow-Dannenberg — Braunschweig, 1986

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Clenze, Lange Straße 14,13,12,11

CLENZE

Der Flecken Clenze liegt in einer nach ihm be-
nannten Senke etwa 14 km westsüdwestlich
der Stadt Lüchow an der Straßenverbindung
nach Uelzen. Für seine nähere Umgebung hat
er die Bedeutung eines regionalen Zentrums
erlangt.
Clenze wurde 956 erstmalig urkundlich ge-
nannt und ist damit der am frühesten bezeugte
Ort im hannoverschen Wendland. Damals
dürfte auf dem heutigen Kirchberg eine einfa-
che Burganlage existiert haben, in deren
Schutz sich die erste Ansiedlung im Verlauf
der heutigen Kirchstraße entwickelte. Im ho-
hen Mittelalter profitierte Clenze von einer
Siedlungskonzentration, indem die Bauern
aus den wüstgefallenen Dörfern Schwendel,
Prilop und Böhlenbrück sich an der heutigen
Langen Straße ansiedelten. Der Burgberg
wurde nun mit einer Kirche besetzt, neben der
noch eine bald wieder verschwundene Kapel-
le am nördlichen Ortsrand bestand. Dieser
wird noch heute durch das 1769 dort errichtete
Pfarrwitwenhaus in Ziegelfachwerk (Lange
Straße 44) markiert. Dieser Entwicklungs-
stand hielt sich bis ins 19. Jh. auch als von
1823 bis 1852 Clenze vorübergehend Sitz ei-
ner Vogtei war. Erst im ausgehenden 19. Jh.
nahm der Ort einen erheblichen Aufschwung,
was in Erweiterungen im Norden wie im Sü-
den zum Ausdruck kam. Nach 1950 kam es
dann abermals nördlich wie südlich des alten
Kernes zu erheblicher Siedlungstätigkeit, die
noch heute andauert. Das für das heutige
Ortsbild Clenzes wichtigste Ereignis war ein
Brand in der Nacht des 22. September 1827,
der 17 Häuser in der Kirchstraße sowie in der
Langen Straße vernichtete und die mittelalter-
liche Kirche erheblich beschädigte. Beim Wie-
deraufbau wurden großzügige spätklassizisti-
sche Wohnhäuser mit zwei Geschossen und
Quererschließung errichtet (Kirchstraße 1, 6,
7). Sie bilden einen auffallenden Gegensatz
zu den meist älteren giebelständigen Häusern
mit einem Geschoß und Längserschließung
(vgl. Lange Straße 12 u. 14). Zusätzlich zu die-
ser gewachsenen Uneinheitlichkeit des histo-
rischen Ortsbildes wird dieses durch Um- und
Erweiterungsbauten sowie durch Neubauten
gestört.
Herausragendes und infolge der erhöhten La-
ge auf dem alten Burgberg dominierendes
Gebäude ist die Clenzer Kirche, deren Turm
starke Ähnlichkeit mit dem der Martinskirche
in Hannover-Linden aufweist. Der neugoti-
sche Ziegelbau wurde 1856 fertiggestellt,
nachdem der Plan zur Reparatur der alten
brandbeschädigten Kirche aufgegeben und
diese abgerissen worden war. Die heutige Kir-
che ist weithin in der Umgebung, aber auch
aus allen Straßen sichtbar und somit entschei-
dend für das Bild des Ortes, dessen Kern sie
zusammen mit dem angeschütteten Burg-
berg, auf dem sie steht und den angrenzen-
den Bürgerhäusern in der Kirchstraße (Nr.
12-19) und der Langen Straße (Nr. 34 und
34a) bildet.

Dimensionen recht wuchtig und hat infolge der
wenigen, z.T. erst nachträglich eingebroche-
nen Fenster wehrhaften Charakter.

BERGEN-SPITHAL

Funde von Gefäßscherben und Siedlungs-
spuren in unmittelbarer Nähe geklärt werden.
Ein bis in slawische Zeit hinein bewohntes
Dorf hatte westlich der Kirche existiert. Damit
aber wird die Vermutung untermauert, daß es
sich um die älteste Kirche des Kreises han-
delt, die zur Missionierung der slawischen Be-
wohner der Umgebung errichtet wurde.
BERGEN-WÖHNINGEN

Spithal liegt 3 Vz km nordwestlich von Bergen
in einer von Ausläufern des Hohen Drawehn
begrenzten Senke. Mit seiner halbrunden
Form, sektorförmigen Hofparzellen und eini-
gen stark veränderten giebelständigen Hal-
lenhäusern zeigt das Dorf mehrere Rundlings-
merkmale. Ein undatiertes, wohl im frühen 19.
Jh. errichtetes Vierständerhaus mit Vorschau-
er, das sich auf Hof Nr. 6 erhalten hat zeigt
noch die unveränderte Form.
Das älteste Bauwerk Spithals, die noch heute
vom Dorffriedhof umgebene Ruine einer
wahrscheinlich im Dreißigjährigen Krieg wüst
gewordenen Kirche, steht 500 m nordwestlich
des Ortes. Ihr aufgehendes Mauerwerk be-
steht aus sorgfältig quadratisch behauenen
Findlingsblöcken, die sich an keiner der ande-
ren Feldsteinkirchen des Kreises finden. Die
abseitige Lage konnte in jüngster Zeit durch

Bergen-Spithal, Kirchenruine

Wöhningen liegt 2 ¥2 km nordwestlich von Ber-
gen am Nördlichen Mühlenbach, der die west-
lich des Ortes gelegene Wöhninger Mühle an-
treibt. In dem strukturell und substanziell stark
veränderten Rundling hat sich nur auf Hof Nr.
4 eine Längsscheune erhalten, die im Winter
teilweise zum Stall umgenutzt werden konnte.
Der Ziegelfachwerkbau wurde im Jahr 1800
errichtet.

Bergen-Wöhningen, Nr. 4, Längsscheune, 1800

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