Sänger, Falk-Reimar [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 21): Landkreis Lüchow-Dannenberg — Braunschweig, 1986

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HÖHBECK-RESTORF

Restorf liegt südlich des Höhbeck in der See-
geniederung und wird durch einen Deich vor
Überflutung geschützt. Der Ort zeigt heute ein
unregelmäßiges haufendorfartiges Sied-
lungsbild.
Im ausgehenden 18. Jh. lief der Deich, auf
dem offenbar eine Straße entlangführte, noch
durch das Dorf, so daß einige Höfe außen-
deichs auf Wurten standen. Erst die heutige
Führung der Deichlinie sorgte hier für Abhilfe.
Ein Großbrand vernichtete im Jahre 1816 wei-
te Teile des Ortes sowie den provisorischen
Glockenstuhl der Kirche. Haupthäuser, die
den Brand überstanden haben, stehen heute
nur noch auf den Höfen Nr. 6 und Nr. 8. Beide
Hallenhäuser wurden in Zweiständerkonstruk-
tion errichtet. Während das kleinere Haus Nr.
6 aus dem Jahre 1802 ehemals außendeichs
stand, lag das bereits 1723 erbaute Haus Nr. 8
mit der Traufe zur Innenseite des alten Dei-
ches. Das große Vierständer-Hallenhaus Nr.
14 ist das einzige erhaltene Haupthaus aus
der Wiederaufbauphase nach dem Brand von
1816. Von völlig anderer Qualität ist Wohn-

haus Nr. 11. Der repräsentative eingeschossi-
ge Ziegelbau entstand im Jahre 1900.
Die Restorfer Kirche steht am Nordostrand
des Dorfes. Der schlichte Saalbau mit poly-
gonalem Chor wurde 1740 in Ziegelmauer-
werk unter Verwendung der Reste eines wohl
im Dreißigjährigen Krieg zerstörten Vorgän-
gers errichtet. Der quadratische Glockenturm
entstand im Jahre 1847 in Ziegelfachwerk.
HÖHBECK-VIETZE

Der Kern des recht großen Dorfes Vietze
grenzt unmittelbar an die Elbe, während sich
die Ortserweiterung den flachen Nordwest-
hang des Höhbeck hinaufzieht.
Mit einigen sektorförmigen Parzellen zeigt der
Ort noch andeutungsweise eine Rundlings-
struktur jedoch ohne die üblichen giebelstän-
digen Hallenhäuser. Beim Wiederaufbau
nach den Bränden 1867, 1868 und 1869 be-
vorzugte man Querdielenhäuser, wie sie auf
den Höfen Kapellenstraße 11,12 und 14 ste-
hen. Dabei wurden auch zweigeschossige
Wohnteile wie bei dem Haupthaus des Hofes

Höhbeck-Restorf, Nr. 14, Hofanlage, 19. Jh.


Höhbeck-Vietze, Kapellenstraße 24, Höhbeck-Restorf, Nr. 6,
Wohn-Wirtschaftsgebäude, um 1869 Wohn-Wirtschaftsgebäude, 1802


Höhbeck-Vietze, Bergstraße 34/36


Kapellenstraße 24 errichtet. Ein weiteres sehr
ungewöhnliches Querdielenhaus mit mittle-
rem Wirtschaftsteil und zwei an beiden Seiten
anschließenden Wohnenden steht am östli-
chen Ortsrand (Bergstraße 34/36).
Die Vietzer Kapelle ist ein schlichter Saalbau
über rechteckigem Grundriß in Feldstein-
mauerwerk. Diese Bauweise, die in den südli-
chen und südwestlichen Teilen des Kreises
häufig anzutreffen ist, ist in der Elbniederung
einmalig. Ungewöhnlich ist auch ihre weit vom
Ort entfernte Lage. Vermutlich gehörte sie zu
dem nach 1360 nicht mehr bezeugten Dorf
„Kleinen Vietze“. Scherbenfunde slawischer
Keramik bestätigen einen wüsten Siedlungs-
platz in der Nähe der Kapelle.
Eine noch ältere bauliche Anlage befindet sich
östlich des Dorfes am steil zur Elbe abfallen-
den Nordhang des Höhbeck. Die „Vietzer
Schanze“ wurde von Karl dem Großen bei sei-
nen Kämpfen gegen die slawischen Wilzen er-
richtet. Diese eroberten und zerstörten sie im
Jahre 810. Ein Jahr später wurde sie, wie Ein-
hard berichtete, neu erbaut. Von dem rechtek-
kigen, etwa 70 auf 170 m messenden Kastell
sind eindrucksvolle Wälle erhalten.

Höhbeck-Restorf, Kirche, 1740/1847


Höhbeck-Vietze, Kapelle


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