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Fachwerkbauweise ist nur in der Kirchstraße
entstanden. Einige wenige Gebäude wurden
um 1900 im Stile der Zeit verändert oder er-
neuert. Störend sind auch hier zahlreiche
nachträgliche Schaufenstereinbauten. Die im
Westen parallel zur Kirchstraße verlaufende
Burgstraße verbreitert sich platzartig vor dem
Burghügel. Hier münden die Junkerstraße und
die Kalandstraße gegeneinander versetzt
rechtwinklig ein. Die dominierenden Gebäude
dieses Bereiches sind ein Hotel (Burgstraße
2) sowie die gegenüberliegende Burgapothe-
ke (Burgstraße 4). Die großen zweigeschossi-
gen Fachwerkgebäude finden nach Norden in
einem Haus (Burgstraße 1) ihre Fortsetzung,
welches bis in jüngste Zeit die Samtgemein-
deverwaltung beherbergte. Ein weiteres Ver-
waltungs- und Bürogebäude wurde 1883 nach
Osten an den Glockenturm (Theodor-Körner-
Straße 11) angesetzt und diente der kaiserli-
chen Post als Unterkunft. Zugleich war es
eines der ersten massiven Profangebäude
der Fachwerkstadt Lüchow.
Die übrigen Straßen dienen überwiegend der
rückwärtigen Erschließung von Grundstücken
und sind daher weitgehend mit Nebengebäu-

Lüchow, An der Johanniskirche 4,
Wohnhaus Ende 16. Jh.


Lüchow, An der Johanniskirche 6,
alte Lateinschule, 1699


den und Werkstätten besetzt (Mauerstraße,
Burgmühlenweg, Schmiedestraße, Lappstra-
ße) oder aber haben schlichte Handwerker-
häuser (Junkerstraße) und bescheidene
Kleinbürgerhäuser (Bleicherstraße) als Anlie-
ger.
Die Johannisstraße ist im südlichen Teil ein
Überbleibsel des alten Straßennetzes, was an
der Verengung und der abknickenden Flucht
zu erkennen ist. Das hier stehende Haus Nr. 5
hat als einziges in dieser Straße den Brand
von 1811 überstanden. Einige weitere be-
scheidene Wohnhäuser sind südlich davon im
Schutze der Stadtkirche der Einäscherung
entgangen. Das älteste der hier erhaltenen
Gebäude (An der Johanniskirche 4) stammt
wohl noch aus dem 16. Jh. Der Bereich um die
Kirche ist mit dem Pfarrhaus (An der Johan-
niskirche 9) einem frühen Massivbau aus dem
Jahre 1856, dem Küsterhaus von 1826, einem
schlichten Gefügebau (An der Johanniskirche
7) und der modernen Propstei im Osten be-
setzt. Vor allem aber sind hier die historischen
Schulen der Stadt angesiedelt, deren älteste,
die Lateinschule (An der Johanniskirche 6),
1699 datiert ist. Gut ein Jahrhundert jünger ist

Lüchow, Theodor-Körner-Straße 11,
ehemalige kaiserliche Post, 1883


Lüchow, An der Johanniskirche 7,
ehemaliges Küsternaus, 1826


das Haus Nr. 4 an der Johannisstraße, das im
Jahre 1814 als neue Lüchower Schule errich-
tet wurde. Ihr gegenüber auf der östlichen
Straßenseite (Nr. 15) steht das erste moderne
Schulhaus der Stadt, das 1887 als Massivbau
fertiggestellt wurde und noch heute seiner ur-
sprünglichen Zweckbestimmung dient.
Stadtkirche St. Johannis
Der beherrschende Bau dieses Bereiches ist
die in Backstein errichtete Stadtkirche St. Jo-
hannis. Die turmlose dreischiffige Stufenhalle
erinnert mit ihrem mächtigen Staffelgiebel im
Westen an Vorbilder in der nahen Altmark.
Über den Ursprung dieser im Kern mittelalter-
lichen Kirche ist wenig bekannt. Sie dürfte im
13. Jh. entstanden sein und war im 17. Jh.
stark renovierungsbedürftig. Damals wurde
ein Dachreiter entfernt, der Dachstuhl er-
neuert und die hölzerne Halbkreistonne ein-
gebaut. Die im Staffelgiebel eingelassene
Jahreszahl 1691 datiert diese Renovierung.
Bereits im frühen 19. Jh. war der Dachstuhl
abermals so schadhaft, daß wiederum eine
weitgehende Erneuerung geplant und 1866
durchgeführt wurde. Außerdem wurden alle

Lüchow, Burgstraße,
Blick nach Norden zur Langen Straße


Lüchow, Kalandstraße,
Blick nach Osten zum Glockenturm


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