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bänder unterhalb des starken Rähms im Flett-
bereich beschnitzt worden, hier u.a. mit Datie-
rung und Rosettenschmuck. Das Innere wurde
mit einfachen Mitteln zum Tagungsort ausge-
baut, ohne die Konstruktion zu verdecken. Es
wird heute wieder von kleinen, nach alten Vorbil-
dern gearbeiteten Fenstern mit bleiverglasten
Scheiben erhellt.
Der fast parallel aufgebaute, mächtige Hofschaf-
stall blieb als einziger von ehemals vier hofeige-
nen Nebengebäuden erhalten. Sein mehrfach
verlängertes, langgestrecktes Zweiständergerüst
mit beidseitigen Kübbungen und den alten,
durch Holznägel befestigten breiten Eichenboh-
len fasste etwa 200 Heidschnucken. Er ist mit
dem Schafstall auf Hof Nr. 1 vergleichbar, der
dort giebelständig an der Hofeinfahrt zur ehe-
mals größten Vollhofanlage in Wilsede steht.
Beide weisen das Erscheinungsbild des 18. Jh.
mit tief heruntergezogenem, Stroh gedecktem
Walmdach auf, das hier im vorkragenden Gie-
bel- und Traufbereich neben eingehälsten Bal-
ken von schlichten Knaggen abgefangen wird.
Das näher untersuchte Stallgebäude von Hof
Nr. 3b wird auf ein wohl aus dem 17. Jh. stam-
mendes, ursprünglich wesentlich kürzeres
Gebäude mit nur vier breiten Gefachen zurück-
geführt, dessen umgesetztes Eichengerüst
schon damals teilweise aus noch älteren, zweit-
verwendeten Hölzern wohl eines kleinen bäuer-
lichen Gebäudes bestanden hat. Zwischen den
Traufen der Hofgebäude ist zur Vervollständi-
gung des Hofes ein alter Ziehbrunnen mit Gabel
und Arm aufgestellt worden, der in der 2. Hälfte
des 18. Jh. an anderer Stelle als Rundbrunnen
aus fünf beschrifteten Sandsteinsegmenten ent-
standen war.
Der ältere der beiden, ebenfalls nachträglich
hierher versetzten Treppenspeicher, deren
verbohlte Hochrähmgerüste in typischer Weise
auf einzelne Findlinge gesetzt worden sind, steht
linker Hand der Hofzufahrt. Dieser 1746 aufge-
stellte zweiräumige Bau wird von einer Doppel-
tür und Treppenanlagen an jeder Giebelseite
charakterisiert. Wohl erst am Anfang des 19. Jh.
war das Gerüst des schlichten Speichers unter
flacherem Satteldach entstanden, der mit zweit-

verwendeten Hölzern heute im Hintergrund des
Hofes steht.
Die wenigen Gehöfte Wilsedes gehörten in der
Vergangenheit drei unterschiedlichen Grundher-
ren an. So war der zweite Kothof (Wilsede 4),
die sog. „Rieckmannsche Kote“, dem Michaelis-
kloster zu Lüneburg verpflichtet. Er schließt sich
nördlich an Nr. 3 an und prägt mit dem 1642
erbauten, ebenfalls zum Gästehaus umgebau-
ten großen Zweiständer-Hallenhaus im Zusam-
menhang mit dem 1798 aus fünf Segmenten
zusammengesetzten, abgedeckten Brunnen
und dem straßenseitigen Speicher den zum
Bachlauf hin stark abfallenden begrünten Hofbe-
reich östlich der Dorfstraße. Vor einigen Jahren
verdeckte noch ein Schafstall den südseitigen
Wirtschaftsgiebel. Insbesondere dieser fenster-
lose, mit mittiger Einfahrt symmetrisch aufge-
baute und ohne Verstrebungen besonders
schlichte Giebel wirkt mit dem weit herunterge-
zogenen und von profilierten Knaggen getrage-
nen Walm noch altertümlich. Heute ist von der
ursprünglich wohl vollständigen Verbohlung nur
noch das Giebeltrapez des ansonsten veränder-
ten Wohngiebels erhalten geblieben. Die
meisten übrigen Fassadenteile mit den regelmä-
ßigen, von Ziegeln verschlossenen Gefachen
und aussteifenden Langstreben stammen aus
der Zeit der Erneuerung von 1830. Im Inneren
weist das kräftige Unterrähmgerüst trotz Um-
bauten eine weitgehend intakte Flettwand mit
einer Datierung der Kopfbänder sowie Profilie-
rungen wie jene am Giebel auf.
Der kleine Speicher von 1651 mit den
geschosshohen breiten Bohlen wird von einem
1 1/2-geschossigen Hochrähmgerüst mit fünf
durchgesteckten Ankerbalken gebildet. Sein be-
sonderes Kennzeichen sind die in gleicher Wei-
se geschwungenen Stürze von Eingangstüren
und Ladeluken sowie traufseitig ausladende
profilierte Knaggen, ebenso wie die vorgestellte
Treppe, die ohne das übliche Podest aus-
kommt.
Der größte Vollhof des Ortes (Wilsede 1) liegt
ganz im Norden der Ortslage und begrenzt das
offene Feuchtwiesental auf der Ostseite. Dieser

Wilsede, Wilsede 3, Wohnwirtschaftsgebäude, 1813


sog. „Hillmershof“, der laut Urkunden zeitweise
auch Sattelhof war, wurde schon 1368 in einem
Kaufvertrag an das Michaeliskloster zu Lüne-
burg und häufig auch später aufgrund fortwäh-
render Kompetenzstreitigkeiten zwischen dem
Amt Winsen und dem Kloster bis hin zum Re-
zess im 19. Jh. erwähnt. Sein heutiges Haupt-
haus, das in der Mitte der großparzelligen Anla-
ge steht, war wohl im späten 18. Jh. bzw. zu
Beginn des 19. Jh. entstanden. Die große, un-
gestörte, traufseitig auf Konsolen ausladende
Reetdachfläche mit Halbwalm lässt sich von
weitem ausmachen. Sie überspannt ein langge-
strecktes ehemaliges Zweiständer-Hallenhaus
mit wenig veränderter Fassade, dessen tragen-
des Gerüst jedoch bei dem 1960 erfolgten
Umbau zum Gästehaus vollständig entfernt und
durch moderne Materialien wie Stahl oder
Mauerwerk ersetzt worden ist. Die Fachwerkfas-
saden des seitdem teilunterkellerten Wohnge-
bäudes wurden u.a. durch zusätzliche Fenster-
einbauten leicht verändert. Der von einigen halb-
hohen Verstrebungen symmetrisch gegliederte
Wirtschaftsgiebel mit zurückliegendem, moder-
nen Fenstertürelement und leicht vorkragendem
Trapez ist mit Zierausmauerungen geschmückt,
wie sie bei den Gebäuden des Naturschutzver-
eins vielfach üblich waren. Ins Auge fällt be-
sonders der hofabgewandte Hauseingang un-
terhalb der hochgezogenen Dachtraufe, den ei-
ne ornamentierte, zeitgenössische Doppelflügel-
tür mit Oberlicht kennzeichnet.
Dem Hof gegenüber stehen die beiden Spei-
chergebäude, die in den fünfziger Jahren wohl
anstelle der abgängigen Speicher hierher trans-
loziert wurden. Im Norden vervollständigt u.a.
das ca. 1900 erbaute und in jüngster Zeit reno-
vierte Doppel- Häuslingshaus die Anlage.
Besonders beeindruckend ist der kleinere, südli-
che Treppenspeicher, dessen 1 1/2-geschossi-
ges Gerüst aus mächtigen Eckständern und
den giebelseitig sichtbaren, eingezapften Anker-
balken zusammengefügt worden ist. Die Gefa-
che selbst werden von den teilweise geschoss-
hohen, baumstammbreiten Eichenbohlen ge-
schlossen. Zusammengenommen weisen die
Merkmale auf einen Entstehungszeitraum hin,
der zurück in das 16. Jh reicht. Somit stellt der

Wilsede, Sellhorn 1, Forsthaus, Wasserpumpe, 19. Jh.


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