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Kämmerer, Christian [Editor]
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland: Baudenkmale in Niedersachsen (Band 32): Stadt Osnabrück — Braunschweig, 1988

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https://doi.org/10.11588/diglit.44440#0115
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57f.). Sie blieb mit einem größeren Abschnitt
auf dem Gelände der städtischen Krankenan-
stalten am Natruper-Tor-Wall erhalten.
Über den Westerberg führten mehrere sehr al-
te Wege, die in das moderne Straßennetz ein-
gegangen sind. Vom Natruper und Heger Tor
ausgehend liefen zwei Feldwege den Hang
hinauf, um sich nach ihrem Zusammentreffen
auf der Anhöhe westlich der Steinbrüche in
dem Weg zum Hof Edinghausen am West-
rand des Berges fortzusetzen (Bergstra-
ße-Edinghäuser Straße, Gutenbergstraße).
Beide Wege verband vor den Toren und au-
ßerhalb der Hohen Mauer ein quer über den
Osthang des Berges führender Weg, dem die
nördlichen Abschnitte der Bergstraße ent-
sprechen.
Noch in der ersten Hälfte des 19. Jh. befanden
sich vor beiden Stadttoren alte Bürgergärten,
die die stadtnahen Westerberghänge überzo-
gen und sich weiter nördlich und südlich auf
den niedriger gelegenen Zonen vor den Stadt-
wällen fortsetzten. Wege, die von Bruchstein-
mauern, Hecken und Gartentoren gesäumt
waren, erschlossen die Gartengebiete, die
noch heute in den Hausgärten der Villen- und
Wohnquartiere am Westerberg fortleben. Von
ihrem ehemals malerischen Charakter ver-
mag noch ein etwa 150 m langer Abschnitt der
Bergstraße zwischen Lürmann- und Guten-
bergstraße Zeugnis abzulegen, der hier in sei-
ner älteren Gestalt als ein schmaler, leicht ge-
krümmter Gartenweg bestehen blieb und auf
der Westseite von langgezogenen Bruch-
steinmauern begleitet wird. Zu den wenigen
baulichen Anlagen, die gleichfalls noch auf die
alte Nutzung des Berghanges als vorstädti-
sches Gartengelände weisen, gehört auch
das kleine, auf einen Turmrest der Hohen
Mauer aufgebaute Gartenhaus Homan (er-
baut 1819) auf dem Grundstück der städti-
schen Krankenanstalten am Natruper-Tor-
Wall.
Bereits im Mittelalter befand sich auf dem
Berg eine Windmühle, die jedoch schon früh
wieder einging. In der ersten Hälfte des 19. Jh.
wurden hier wieder zwei Windmühlen errich-
tet, deren Mühlenstümpfe man im 20. Jh. in
Villenneubauten einbezog (s. S. 118f.).
ÖSTLICHE NATRUPER STRASSE
Das älteste Gebäude an der alten Fernstraße,
die am 1824/25 beseitigten Natruper Tor ihren
Ausgang nimmt, ist das Wohnhaus, das sich
die Fabrikanten Eilers 1830 weit draußen vor
dem Tor am Fuß des Westerberges erbauen
ließen (sog. Bornau, Natruper Straße 78). Zu
seiner Zeit lag das Anwesen allein in der fast
unbesiedelten Feldmark. Von der Straße zu-
rückgesetzt und mit seiner Hauptseite nach
Süden und zur Stadt hin ausgerichtet, steht
das Haus auf einem geräumigen Parkgrund-
stück, das zur Straße hin durch eine hohe
Bruchsteinmauer begrenzt wird. Weiter nörd-
lich und abgesondert vom Wohnhaus befindet
sich das gleichzeitig errichtete Fabrikgebäu-
de. Sandsteinpfeiler flankieren an der Straße
die Einfahrt, die zum Hause führt. Das Wohn-
haus, erbaut durch den Maurermeister C.
Geisler, ist ein zweigeschossiger verputzter
Bau des Klassizismus in der Gestalt und den
Proportionen eines kleineren ländlichen Her-

rensitzes. Seine Fassaden sind durch Sand-
steineinfassungen und Gesimse einfach ge-
gliedert, eine Hervorhebung findet allein die
Mitte der fünfachsigen Hauptfront durch ein
Portal mit Gesimsverdachung.
Mit dem starken Anstieg der Bautätigkeit in
der Feldmark in den sechziger Jahren des 19.
Jh. begann auch die Entwicklung der Natruper
Straße. Wie an den übrigen Fernstraßen be-
schränkte sich der Anbau anfangs fast ganz
auf die Parzellen des alten Gartengebiets vor
dem Natruper Tor. In dem stadtnahen Stra-
ßenabschnitt bis zur Gutenbergstraße wurden
überwiegend villenähnliche Wohnhäuser er-
baut, die, von der Straße zurückgesetzt, auf
größeren Gartengrundstücken angeordnet
sind. Auf den weiter stadtauswärts gelegenen
Gärten standen bis um 1870 nur einige weni-
ge Häuser, die Bebauung setzte hier in der
Hauptsache etwas später ein und rückte
enger zusammen. Erhebliche Kriegszerstö-
rungen und verkehrsgerechte Verbreiterung
haben das Straßenbild insgesamt stark verän-
dert.
Aus der Erstbebauung blieb eine Anzahl von
Wohnhäusern erhalten, deren recht unter-
schiedliche Gestalt die künstlerische Spann¬

weite des gehobenen Wohnhausbaus dieser
Zeit in Osnabrück illustrieren kann, die sich
zugleich aber auch durch ihre handwerklich
einheitliche Ausführung als Haustein- oder
Bruchsteinbauten mit Sandsteingliederungen
und -einfassungen zusammenschließen (Na-
truper Straße 6, 11, 13/15, 14, 43, 70). Her-
ausragend ist Nr. 13/15, ein breites neun-
achsiges Haus des Rundbogenstils, dessen
ursprünglich wohl unverputzte Straßenfassa-
de repräsentativ gegliedert ist durch übergie-
belte Mittel- und Eckrisalite. Hervorgehoben
ist der Mittelrisalit durch Rundbogenportal, ge-
treppten Giebel und in die Ecken gestellte
dünne Pfeilervorlagen. Neuromanische und
klassizistische Formen verbinden sich in der
Fassadengestaltung von Nr. 6 (erbaut 1867,
Zimmermeister C.F. Gronert). Ausgeprägten
Villencharakter besitzt Nr. 14 mit vornehmer
klassizistischer Fassade, deren Mittelrisalit
mit Sandsteinquadern verblendet ist (erbaut
1861, Maurermeister Bernhard Wolff). Das
zweigeschossige Haus wurde 1898 durch den
Architekten Rosebrock um eine turmartig er-
höhte Achse auf der rechten Seite erweitert,
die in ihren Formen dem älteren Bau gut ange-
glichen ist. Nr. 11, ebenfalls ein zweigeschos-

Bramscher Straße 221, Haster Mühle



Bergstraße, Weg zwischen Lürmann- und
Gutenbergstraße, Blick nach Norden

Natruper Straße 78,1830,
Maurermeister C. Geisler


Hohe Mauer mit Gartenhaus von 1819


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