Fliegende Blätter — 55.1871 (Nr. 1355-1380)

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Der Uhrmacher von Straßburg.

„Straßburg ist über!" So erscholl es vor Kurzem wie
ein Jubelruf von Mund zu Munde durch alles Land, „so weit
die deutsche Zunge klingt," denn nicht allein die nach schwerer
Belagerung endlich erfolgte Einnahme dieser Festung und der neue
Triumph der deutschen Waffen war cs, was die Herzen erhob
~~ nein, in dem allgemeinen Jubel lag zugleich der freudige
Ausdruck des stolzen Bewußtseins, daß diese dem deutschen Reiche
einst so schmählich entrissene Stadt nun wieder deutsch werden
und verbleiben müsse.

Als eine stete Demüthigung für uns Deutsche lag sie bis-
her da, die weiland „wunderschöne" Reichsstadt — nun eine
der stärksten französischen Festungen. Als eine fortwährende Droh-
ung gegen die einstige Mutter zeigte sie ihre Fronten und Ba-
stionen, erhoben sich ihre Mauern und Wälle; — doch wie ein
edler, unglücklicher Gefangener ragte über die wälschen Befestig-
ungen der herrliche Wunderbau Erwin's von Steinbach, das im-
hosanteste Denkmal der deutschen Baukunst, das stets deutsch ge-
wesene Münster empor, — denn, wenn auch schon seit beinahe
zwei Jahrhunderten die Stadt von Deutschland losgerissen war,
wenn auch fast die ganze Bevölkerung die einstige Muttersprache
^erlernt hatte, wenn auch der Name der Stadt „der Straße
Burg" sich hatte umwandeln müssen in Ltrasbonrx — das
-stünstcr war stets gut deutsch verblieben und kündete damals,
wie jetzt und alle Zeit in deutscher Zunge den Ruhm der deutschen
Kunst. Auch ein anderes Denkmal deutscher Kunst und deutschen
Bissens innerhalb dieses Riesenbaues war mit diesem gefangen
gehalten -- die große astronomische Uhr in dem südlichen Arme
^es Kreuzschiffes, die im Jahre 1842 von dem genialen Me-
chaniker Schwilgus nach mehrjähriger Arbeit vollendet und
ausgestellt wurde. Und dennoch nenne ich auch dieses Werk ein
Denkmal deutscher Kunst und deutschen Wissens, denn Schwilgus
Hut nur wieder hergestellt, was schon zwei und ein halbes Jahr-

hundert früher ein Anderer, ein Deutscher, geschaffen und —
selbst wieder zerstört hatte, so daß während dieser langen Zeit
kein anderer Meister im Stande war, das Wunderwerk wieder
herzustcllen. Die Uhr stand still, bis es endlich dem oben ge-
nannten Meister gelang, den gestörten Rädergang wieder in Be-
wegung zu setzen; ihm gebührt also der Preis der Wiederher-
stellung, der Ruhm der Erfindung aber gehört einem Deutschen —
dem unglücklichen Isaak Habrecht, dem Helden dieser Erzählung.

In dem ärmlichen Dachstübchen eines der uralten Hauser,

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Der Uhrmacher von Straßburg"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Watter, Joseph
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Stube
Straßburg
Münster Straßburg <Straßburg>
Deutsch-Französischer Krieg <1870-1871>
Ältere Frau <Motiv>
Karikatur
Handarbeiten
Frau <Motiv>
Uhrmacher <Motiv>
Deutschland
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 55.1871, Nr. 1355, S. 1 Universitätsbibliothek Heidelberg
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