Fliegende Blätter — 55.1871 (Nr. 1355-1380)

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Aus dem Tagebuch eines Zerstreuten.

(Fortsetzung.)

„So, Du Allerwcltsjchlafmütze und deutschthümlich in die
Weite schweifender Geistig-Betrunkener! So hast Du 's recht
gemacht! Wirst zum ersten Male in Deinem Leben zu einer
größeren Gesellschaft eingeladen und — ha, ha, ha! ich möchte
vor Wuth bersten, wenn ich an Dein Betragen denke!"

„Ich habe allerdings in der Zerstreuung —"

„Bleib' mir mit Deinen ganz albernen und schwachsinnigen
Entschuldigungen vom Leibe, die ich schon habe vor allen Gästen
so zu sagen in oonspeotu xopuli mit anhören müssen, bis ich
vor Scham nicht zu bleiben wußte!"

Dieses Zwiegespräch fand nicht etwa zwischen zwei Per-
sonen statt, wie mau dem Anscheine nach glauben möchte, son-
dern was viel schlimmer ist: zwischen einer Person, und zwar
! ist diese Person mein eigenes Ich und die streitenden Parteien
! in deinselbcn sind: der gesunde Menschenverstand und der kranke
- ich wollte sagen und die Eigenliebe, welche letztere vergebens
sich bemüht, die gerechten Vorwürfe des elfteren zu widerlegen
oder mindestens zn entkräftigen.

„Ist es erhört," fuhr der erzürnte Menschenverstand fort,

| »ist es erhört, daß ein Gast, und noch dazu der jüngsten einer,

! sich in gehässigen Redensarten über die Unterschlagungen bei
Armeelieferungen ergeht in dem Hause eines reich gewordenen
Lieferanten?"

„Ich dachte nicht daran, daß — " interpellirt der Egoismus.

„Schweig'! Du denkst niemals daran — Du denkst übcr-
> Haupt gar nicht. Oder findest Du nur den Gedanken eines
Gedankens in der Thatsache, daß Du die Wittwe des Kauf-
manns P., der sich vor etwa einem Vierteljahr das Leben ge-
nommen hat, eine geschlagene Glockenstunde lang mit dem Er-
! zählen merkwürdiger Selbstmorde unterhieltest, bis die arme
1 örau in Ohnmacht fiel, worauf Du ihr dann zum Uebcrsluß

statt Wasser den brennend heißen Inhalt Deiner Kaffeetasse in's ;
Gesicht spritztest?"

„Aber —"

„Und bei Tische! Nimm nur Deine fünf Sinne (oder
hat Dir der Schöpfer nur vier verliehen! ?) einmal zusammen j
und denke an das Dementi, welches Du mir bei Tische gabst.
Erstens setztest Du Dich, ohne die Einladung des Wirthes ab-
zuwarten, vor allen Anderen an die Tafel und zwar auf den .
Ehrenplatz, welcher einem alten, höchst empfindlichen Geheimrath
zugedacht war; — der alte Herr schützte Kopfschmerz vor und
verließ sofort die Gesellschaft, deren entrüstete Blicke Dich eigent-
lich ebenfalls hätten verscheuchen sollen. Aber Gott bewahre!
Mit wahrhaft scheußlicher Seelenruhe bliebst Du auf Deinem
annektirten Platze und drehtest aus der Krumme eines Stückes
Brodkügelchen. Zweitens äußertest Du so laut als möglich


Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Aus dem Tagebuch eines Zerstreuten"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Ofen
Schlaf <Motiv>
Verwechslung
Kaffee <Motiv>
Tisch <Motiv>
Karikatur
Frau <Motiv>
Buch <Motiv>
Konzentrationsschwäche
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 55.1871, Nr. 1366, S. 89 Universitätsbibliothek Heidelberg
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