Fliegende Blätter — 55.1871 (Nr. 1355-1380)

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Das Jahr des Heils 1433 halle die lange Reihe seiner
Tage und Nächte fast vollendet und stand mir wenige Schritte
vor seinem winterlichen Grabe. Es hatte den Bewohnern von
Albrechtsdorf, und nicht diesen allein, sondern Allen, Jung und
Alt, im Lande umher an irdischem Heile herzlich wenig gebracht;
dagegen der Noth und Drangsal übergenug. Und mit alt'
diesen schlimmen Gaben war es treulich in die Fußstapfen der
vcrwichencn Jahre getreten, die tiefen Spuren, welche jene in
viel Tausend sorgenschweren Herzen hinterlassen, noch tiefer cin-
drückend, zu den Furchen der Angst und Sorge in der Kummer-
vollen Angesicht, neue hinzusügcnd »nd das unter unzähligen
Aengsten früh ergraute Haar noch grauer färbend.

Die glücklichen Zciteti waren längst dahin, da, nach Kaiser
Karls weisem Regiment, in dem ersten Jahrzehnt der Herrschaft
seines Sohnes Wenzeslaus, das Reich Böhmen (an dessen
mitternächtlicher Grenze das obengenannte Torf lag) sich jener
Ruhe und Sicherheit erfreute, von der die Zeitgenossen rühm-
ten: es hätte Einer mit einem Sack voll Gold auf dem Haupte
sicher und ungefährdet von einem Ende des Landes bis zum
anderen wandern mögen. Seit nun die Väter des Eoncilinins
zu Eonstanz in ihrer Weisheit den daheim in Böhmen geehrten
und geliebten Bußpredigcr Magister Johannes Huß hatten ver-
brennen lassen, um solchergestalt ans die kürzeste und sicherste
Weise die Lippen des Mannes zu schließen, der vermessen (wie
sie meinten) und jedenfalls höchst unbequem für alle kirchlichen
Machthaber die Schäden und Mängel der Kirche aufzudecken sich
nicht cntblödct hatte, seitdem war Friede und Sicherheit gänz-
lich entwichen ans dem zuvor glücklichen Lande.

Des Märtyrers Wort und Andenken lebten fort in Böhmen
unter den Schaarc», die ehemals in andächtiger Begeister-
ung ihm die Worte von den Lippen genommen, und ans die
Kunde seines Todes hin flammte in zahllosen Gcmüthcrn ein

unsäglicher Zorn und Grimm empor. Wie ein schnell ver-
hallender Schuß in den Schluchten des Gebirges den viel-
stimmigen Donner des Echos erweckt, der,, verhallend und wie-
der und wieder kommend und an Stärke wachsend das Ohr
mit Staunen und Bestürzung erfüllt, so hallte dem Todesurtheil
in Constanz ein furchtbarer Kriegsruf nach, so entzündete sich
an den schnell vcrlohcndcn Flammen jenes Scheiterhaufens die

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Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Die Weihnachtsglocken"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

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Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Barth, Ferdinand
Entstehungsort (GND)
München

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Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Kirchenbau <Motiv>
Brand
Hussiten
Historisches Ereignis
Hussitenkriege
Axt
Feuer <Motiv>
Schwert <Motiv>
Böhmen
Konstanz
Konzil
Aufständischer
Rüstung <Schutzkleidung, Motiv>
Kriegszerstörung <Motiv>
Glocke
Karikatur
Weihnachten
Hus, Jan
Satirische Zeitschrift
Karl <IV., Heiliges Römisches Reich, Kaiser>
Wenzel <Heiliges Römisches Reich, König>

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Fliegende Blätter, 55.1871, Nr. 1375, S. 161 Universitätsbibliothek Heidelberg
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