Fliegende Blätter — 55.1871 (Nr. 1355-1380)

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Ein I

Die Saison des Jahres 1822 hatte eine ungewöhnliche
Anzahl Fremder nach Tcplitz gelockt. Tic reizende Badestadt,
damals noch ein ziemlich bescheidenes Landstädtchen, vermochte
kaum die Menge ihrer Gaste zu fassen. Obwohl das heutige
Teplitz, was Eleganz und Pracht betrifft, noch lange nicht den
Vergleich mit einem der roulette-gesegneten rheinischen Luxus-
bäder auszuhalten vermag, ist es doch ein Baden - Baden
gegenüber dem Teplitz von anno dazumal. Wo jetzt der Cur-
garten seine breiten, üppiggrüncn Rasenflächen ausbreitet, be-
fand sich zu jener Zeit ein steifbürgerlicher Krautgarten mit

rrthui».

den bescheidenen Anfängen einer Allee, in welcher die Kurgäste
des Morgens nach genommenem Bade auf- und abtrabten.
Statt der Kapelle, die jetzt unter Meister Peters wackerer
Leitung dreimal des Tages concertirt, sorgte damals ein böh-
misches Sextett Dienstag und Freitag Nachmittags für die
musikalischen Genüsse und cmpsng seinen Lohn aus einem ziu-
ncrncn Teller, welcher auf dem Tische vor dem Orchester
stand, eine stumme Mahnung an die Vorübergehenden, der Ton-
muse hier ihren Tribut zu entrichten. Das reizende, grüuum-
buschte Schönau, heute der Sitz der Badearistokratie, war da-
mals noch ein kleines Dorf, bewohnt von biedern Gemüse-
gärtnern. Keine pustende Lokomotive schleppte ihre lange Wagen-
reihe mit Sturmeseile von der Elbe nach der Badestadt, son-
dern von allen Seiten der Windrose humpelten die Postwagen
dahin. Statt der grellen Dampfpfeife verkündete das gemäch-
liche Posthorn die Ankunft des Reisenden, der wohlgerüttelt und
halbgerädert aus der Arche kroch und, je nachdem er mit Po-
dogra gesegnet tvar oder nicht, seinem im Voraus bestellten
Logis zuhinkte oder zuwanderte.

So war das Tcplitz zu Anfänge der zwanziger Jahre.
Gemeinsam mit dem heutigem hatte es jedoch die wunderbar
schöne Umgebung und vor demselben voraus die reine, noch von
keiner rauchenden Esse und keinen qualmenden Kalkbrennereien
beeinträchtigte Gebirgsluft. Diese herrliche Umgebung und die
nicht minder herrliche Luft zogen alljährlich auch so manchen
Gast dahin, den weder Gicht noch Rheumatismus plagte und
der bei den weltberühmten Thermen nicht sowohl Heilung, als
vielmehr Erholung und Zerstreuung von den Geschäften seines
Berufes suchte.

Zu dieser Klasse von Kurgästen mochte wohl auch der alte
Herr zählen, welcher am 27. August des gedachten Jahres an
der Seite seines Begleiters in der großen Allee des Schloß-

ro

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Ein Irrthum"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
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Grafik

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Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

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Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

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Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Mann <Motiv>
Schlosspark
Allee
Spaziergang <Motiv>
General
Karikatur
Landschaft <Motiv>
Kurgast <Motiv>
Geheimer Rat <Motiv>
Pfuël, Ernst von
Goethe, Johann Wolfgang von
Preußen
Teplitz
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

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Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 55.1871, Nr. 1374, S. 153 Universitätsbibliothek Heidelberg
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