Fliegende Blätter — 55.1871 (Nr. 1355-1380)

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Der Uhrmacher von Straßburg.

(Fortsetzung.)

„Fünf und zwanzig Dukaten!!" — rief jetzt Mathias
erstaunt — „wahrlich, Ihr müßt arg verliebt sein und Dukaten
'°ic Heu haben, daß Ihr so hitzig in's Zeug gehen wollt! —
-beim Beides aber der Fall ist, so sage ich Euch wie vorhin
verdoppelt die Summe und der Handel sei abgeschlossen!"
Ter Junker biß sich auf die Lippen und meinte, die bc-
seichncte Summe wäre groß genug; aber Mathias schob ihm
^as Papier wieder hin und sprach:

„Schreibt fünfzig Dukaten, Junker, und ich schwöre Euch,
~~ ehe vier Wochen abgelaufen sind, soll Gertrud die Eure
sein!" —

Jetzt erröthete Zettlitz vor Freude und Lust, das Ziel
seiner Wünsche schon in so nahe Aussicht gestellt zu scheu. Rasch
Ergriff er das Papier, änderte die Zahl und reichte es an
Mathias zurück. — Dieser nahm es in Empfang und frug,
Nachdem er es prüfend beschaut hatte:

„Lautet cs jetzt wirklich auf 50 Dukaten?"

^a:

„Und wo steht Eure Unterschrift?"

„Hier unten!" —

Mathias betrachtete die Stelle genau und sagte dann:

„Und welche Versicherung gebt Ihr mir, daß Ihr dieß
'"^sprechen halten werdet?"

„Mein Ehrenwort!"

„Mathias faltete das Papier zusammen, das ihm solchen
^schthum versprach, ergriff die zehn auf dem Tische liegenden
^ukateu und steckte sie summt dem Dokumente seiner Schlechtig-
e’t in die Tasche mit den Worten:

„Gut! — der Handel ist abgemacht — ich vertraue
^urcm Worte!"

»Doch welche Garantie kannst Du mir bieten, daß Du

Dein Versprechen halten wirst?" — frug nun Zettlitz, indem
er das Glas seines Gefährten neuerdings füllte.

„Mein Ehrenwort!" — antwortete Mathias, den Junker
parodirend — „na, es ist so viel werth, wie das Eure" —
setzte er hinzu, als er den Junker verächtlich lächeln sah — „und
Ihr müßt Euch damit begnügen, wie ich mich mit dem Eurigen
begnügen mußte! — Das Wort eines Schurken also — denn
der bin ich jedenfalls in Euren Augen — gegen das des Edcl-
mannes!"

„Schon gut" — sprach Zettlitz, wieder seinen Eckel nieder- j
kämpfemd — „ich traue Dir, im Uebrigen verlasse ich mich
auf Deine Klugheit!" !

„Ihr sollt mit mir zufrieden sein; laßt mir nur einige
Tage Zeit — dann sollt Ihr von mir hören!" —

„Gut denn — in einigen Tagen" — sprach Zettlitz sich i
erhebend. Fester drückte er den Hut in die Stirne, hüllte
sich in den vermummenden Mantel und schritt hinweg, nachdem ;
er noch dem sich tief verbeugenden Wirthc ein Thalerstück zu-
l geworfen, ohne die kleine Münze, die er heraus zu erhalten
hatte, in Empfang zu nehmen.

Mathias aber winkte, sobald Zettlitz die Stube verlassen i
hatte, dem Wirthe, der mit weit weniger Ehrerbietung, die
Hände in die Taschen seiner weiten Pluderhosen gesteckt, lang-
sam herbeikam.

„Wirth, könnt Ihr lesen?"

„So viel man in's Haus braucht — ja!"

„Wollt Ihr eine Viertels-Krone verdienen?"

„Mit Lesen?"

„Ja —' mit Lesen dieses Zettels!"

„Gebt mir erst das Geld!"

Mathias holte aus seiner Tasche das verlangte Geldstück

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