Fliegende Blätter — 65.1876 (Nr. 1615-1640)

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In der Brust verschlossen >vilde Qualen,
Immer hoffend, daß die schöne Herrin
Seine heiße Lieb' gewahren möge;

Endlich aber brach die Fluth die Dämme. —
Irma saß in ihrer stillen Kammer,

Hold gedenkend des geliebten Gatten,

Mit den runden, weißen Perlen spielend.

Und im Herzen alte Liebesschwüre
Wehmuthsvoll und zärtlich wiederholend.

Da tritt Hagau vor die Ahnungslose,

Wilden Wortes Liebeslohn begehrend.

Mit Entsetzen hörte sic des Frechen
Fürchterliche Rede; — voll Empörung,

Aber doch mit edler Weibeswürde,

Wies sic von sich weit den Unglücksel'gen.

Wie sie dastand mit erhob'nem Arme,

In den dunklen Angen Helle Blitze,

Auf den Wangen edlen Zornes Blässe
Mit empörter Scham Erröthen wechselnd,
Mochte sie dem Zornesengel gleichen,

Der die Sünder trieb vom Paradiese.

Hagan aber, von der Leidenschaft
Wahnsinnig getrieben, faßte wild
Den erhob'nen Arm des schönen Weibes,

Es im Sinnentaumel an sich reißend.

Gellend rang sich los ein Hülfeschrei
Aus der Brust der halb Besinnungslosen.
Aufgestoßen ward die Thür', ein Knappe,
Hergezogen von dem Schrcckcnsrnfe,

Trat herein, — entsetzten Angesichtes
Seine Herrin schauend, die vergebens
Sich' aus Hagaus Arm zu lösen suchte.

Hagan aber, sich verrathen sehend,

Riß sich los von dem bedrängten Weibe,
Und in der Bewegung Hast und Schnelle

Fing sein Arm sich in den runden Perlen,

Daß die Schnur zerriß, und daß die Perlen
Niederfallend auf den Boden rollten.

In demselben Augenblicke hatte
Hagan seines Dolches breite Klinge
Dem erschrock'nen und erstarrten Knappen
In die Brust gestoßen, daß er röchelnd
Auf den Boden stürzte und verschied.

Zum verwunderten Gesinde aber
Sagte Hagan, daß er dem Gebieter
Selber künden wolle, wie der Todtc
Und weßhalb von seiner Hand gefallen. —

Auf der Heimkehr war der Ritter Treumund;

Als er bis auf eine Tagereise
Seinem Hause nahe, traf er Hagan. —

„Warum hast Du meine Burg verlassen,

Die ich Deiner Obhut unterstellt?" —

Mit betrübt erscheinendem Gesichte
Sagte Hagan von der Gattin Untreu',

Daß er einen Mann erschlagen habe.

Als er sic in seinen Armen fand.

Wortlos zog der Ritter seines Weges,

Würdigte den Kläger keines Blickes.

Erst nachdem er seine Burg betreten,

Sagte er: „Komm' mit zu meinem Weibe!" —
Irma aber saß in ihrer Kammer
Bleich und abgehärmt; von ihren Wangen
War der Jugend Lebenslust gewichen,

Und die Thronen waren ihr im Herzen
Wie zu Eis erstarrt. So saß die Arme
Unverwandten Blicks zu Boden schauend
Ans die Perlen, die noch unverändert,

Unberührt, wie sie entrollten, lagen.

Jetzt schreckt sic empor aus ihren Träumen,

Und der Ritter steht mit Hagan vor ihr.

An die Brust will sie dem Gatten eilen.

Dieser aber wehrt sie leise ab,

Hagan anbedeutend, seine Klage
Vor der Schuldigen zu wiederholen.

Irma hört die ungeheure Klage,

Fassungslos der Bosheit gegenüber.

Endlich sagt sie: „Glaubst Du das, mein Gatte?"
Ritter Trcnmnnd sah ihr fest in's Auge:

„Sage Du mir, was sich zugetragen!" —

Und, indem die Scham die bleichen Wangen
Vom Gedächtniß der erlebten Schmach
Ihr von Neuem purpurroth besärbte,

Sagte zitternd, zagend sie die Wahrheit;

Sagte von des Falschen frech Begehren,

Von dem Angriff ans die Frauenehre;

Wie der Rasende sie mit Gewalt
An sich reißen wollte, daß die Perlen
Von der Schnur sich lösten und entrollten.

Hagan aber schwur mit vielen Eiden

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Titel/Objekt
"Die Perlenschnur"
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Fliegende Blätter
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G 5442-2 Folio RES

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München

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Fliegende Blätter, 65.1876, Nr. 1631, S. 130 Universitätsbibliothek Heidelberg
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