Fliegende Blätter — 65.1876 (Nr. 1615-1640)

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Z c i t u n g S e x p e d i t i o n e n angenommen. directem Bezug. Einzelne Nummer 30 Pfenirige.

Allerlei Zauber.

Von Di-. Märzroth.

Es ist eine anerkannte Wahrheit, daß der Mensch, wenn
cr verliebt ist, an Weisheit nicht zunehme! Sehen wir Menschen
hoher Intelligenz im Stadium der heißen Liebe in der sonstigen
Klarheit ihres Urtheils beeinträchtigt, um wie viel mehr muß
dich bei denjenigen der Fall sein, welche angeborene geringere
Geistesfähigkeit und mangelnde Bildung in eine tiefere Reihe der
Gesellschaft hinabdrückt. Die Liebe verrückt überall und allent-
halben die Gesichtspunkte des gewöhnlichen Lebens in so wnnder-
lichcr Weise, daß, wenn der Paroxismus vorbei ist. Jeder die
Hände über seinen Kopf znsammenschlagen würde, verhinderte
nicht bei den Meisten die Eitelkeit glücklicherweise jeden ungetrübten
Rückblick. Diese Begriffs- und Anschaunngsverwirrung der Liebe
ist die Mutter aller Lust- und Trauerspiele sämmtlichcr Literaturen,

und ein Narr wäre der Dichter, der sich dieselbe nicht zu Nutzen
machte. Da nun einmal, Gott sei Dank! oder Gott sci's ge-
klagt! — ich weiß nicht, welches das Richtige ist! — das
„Dichten" mein Geschäft genannt werden muß, so wird mir's
Niemand übel nehmen, wenn ich von dem üblichen Handwerks-
brauch nicht äbweiche und folgende lvahrhaftige, aber fast wie
erfunden erscheinende Geschichte erzähle.

Es war in dem Dorfe H. am Fuße des imposanten felscn-
und ebenso sagenreichen Ubcrges. Es befand sich daselbst, wie nicht
schwer zu errathen ist, ein Wirths- oder eigentlich Brauhaus. In
der Schankstnbe desselben hantirtc oder hauste die schöne Lisei als
Kellnerin. Wenn ich sagte, sie hauste daselbst, so ist das durchaus
nicht aus der Luft gegriffen, denn sie that dort so, als wäre
sie Herrin, so entschieden, kurz angebunden, und, wie es im
Volksmunde heißt, mit einer solchen „Resch'n" trat sic selbst
dem „Bräu" gegenüber ans, der, ein noch rüstiger Wittwer, eine
solche „Brünin," wie die Lisei eine zu werden versprach, wohl
brauchen konnte. Man munkelte darüber allerlei, aber cs ließ
sich durchaus nichts Sicheres Nachweisen. Die Lisei war über-
haupt wie ein Aal; sic wich keiner, auch der täppischesten Bc-
wcrbnNg nicht aus, aber Keiner, auch der gewandteste Courmacher
nicht, vermochte sic, wenn's Ernst werden wollte, zu fassen.
Jedesmal wußte sie zu entschlüpfen, wie der Aal, und wie dieser
der Hand, die ihn berührt, einen elektrischen Schlag versetzen
soll, so konnte jeder allzu Aufdringliche von Lisei durch schnippisches
Wort, oder auch, wie cs eben Noth that, wirklich und wahr-
haftig Ein's hinanfbekommen. Gerade diese Art trug nicht
wenig dazu bei, die Gäste des Sonnenbränhauses magnetisch
heranzuziehen, obgleich nicht geleugnet werden kann, daß Lisei
hübsch und fesch genug war, um auch bei weniger schroffen
Grundsätzen eine Schaar von Verehrern unwiderstehlich in ihren

1.»

Werk/Gegenstand/Objekt

Titel

Titel/Objekt
"Allerlei Zauber"
Weitere Titel/Paralleltitel
Fliegende Blätter
Quelle des Titels
Sachbegriff/Objekttyp
Grafik

Inschrift/Wasserzeichen

Aufbewahrung/Standort

Aufbewahrungsort/Standort (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Inv. Nr./Signatur
G 5442-2 Folio RES

Objektbeschreibung

Maß-/Formatangaben

Auflage/Druckzustand

Werktitel/Werkverzeichnis

Herstellung/Entstehung

Künstler/Urheber/Hersteller (GND)
Oberländer, Adolf
Entstehungsort (GND)
München

Auftrag

Publikation

Fund/Ausgrabung

Provenienz

Restaurierung

Sammlung Eingang

Ausstellung

Bearbeitung/Umgestaltung

Thema/Bildinhalt

Thema/Bildinhalt (GND)
Bierkrug
Schweigen <Motiv>
Unzufriedenheit
Kellnerin
Gast <Motiv>
Junger Mann <Motiv>
Karikatur
Tracht <Motiv>
Zuschauer <Motiv>
Gaststätte
Satirische Zeitschrift

Literaturangabe

Rechte am Objekt

Aufnahmen/Reproduktionen

Künstler/Urheber (GND)
Universitätsbibliothek Heidelberg
Creditline
Fliegende Blätter, 65.1876, Nr. 1633, S. 145 Universitätsbibliothek Heidelberg
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