Muss, Ulrike; Bammer, Anton; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 12,2: Textband): Der Altar des Artemisions von Ephesos — Wien: Verl. d. Österreich. Akad. d. Wiss., 2001

Page: 87
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Das Gebälk

selten aus drei Teilen, die folgende Ornamentik aufweisen: der oberste Kassettenrost, der mit dem nächsten aus einem Stein gearbeitet ist (die
Deckplatte ist extra gearbeitet), zeigt ein Lotos-Palmettenband, der darunterliegende ein lesbisches Kymation, die beiden folgenden, die je-
weils aus einzelnen Teilen bestehen, weisen ein ionisches Kymation auf.
Zur Ausarbeitung der Kymatien bei den Kassetten des Artemisionaltares
Die Phasen der ionischen Kymation der Kassetten des Artemisionaltares lassen folgenden Spielraum erkennen:
die kleinste Phase findet sich auf Seite B von StJ 76/21 mit 4,7 cm; die größte auf Art. 69/4 mit 5,7 cm, womit der größte Unterschied 1 cm 315,316,339
beträgt. Es ist festzuhalten, daß die Phasen nicht nur auf verschiedenen Werkstücken nicht gleich sind, sondern sich auch Maßunterschiede an
den beiden Seiten eines Kassettenquerbalkens feststellen lassen (StJ 76/21 A: 5,0; B: 4,7; StJ 76/20: A: 5,0; B: 5,35 cm). Nur bei StJ 86/6 ist
die Phase des ionischen Kymas auf beiden Seiten gleich, nämlich 5,5 cm; bei StJ 76/20 beträgt der Unterschied der beiden Seiten 0,35 cm
(5,0 und 5,35 cm), bei StJ 78/33 0,3 cm (5,2 und 4,9 cm) und bei StJ 76/21 ebenfalls 0,3 cm (5,0 und 4,7 cm).
Bei den Phasen der lesbischen Kymatien ist die Variationsbreite geringer: hier beträgt das kleinste Maß 6,1 cm (StJ 85/44), das größte 6,4 cm
(Art. 67/28)307; einen größeren Spielraum zeigen die Höhen der Kassettenböden: hier beträgt das niedrigste Maß 3,5 (StJ 79/280), das größte
5,2 cm (StJ 86/4). Dies ist insofern erwähnenswert, als die Kassettenböden einen konstruktiven Teil der Kassetten ausmachen. Es scheint kei-
ne Relation zwischen den Phasen der Kymatien und der Höhe des Kassettenbodens zu geben, da sowohl bei niedrigerem Kassettenboden ein
höheres Maß für die Phase des ionischen Kymas vorkommt (StJ 79/280) als auch bei höherem Kassettenboden ein kleineres Maß für das io- 319
nische Kyma (StJ 86/4).
Ein sehr konstantes Maß ist die Soffittenbreite, die mit dem äußeren Maß um 4,8 bis 4,95 cm pendelt und nur in einem Fall (StJ 76/21) nur
4,5 cm beträgt. Die Soffittentiefe liegt zwischen 0,75 und 1,15 cm. Die untere Kassettenbalkentiefe weist mit 20,2 und 20,7 cm ein konstan-
tes Maß auf, ebenso die untere Kassettenlängsrahmentiefe mit 12,05 bis 12,2 cm. Die obere Kassettenrahmentiefe läßt sich in zwei Fällen auf
etwa 29,5 und 29,6 cm rekonstruieren und beträgt bei den beiden meßbaren Werkstücken 24,8 bzw. 33,4 cm. Damit ergibt sich hier eine
Spannweite von 8,6 cm, was weit außerhalb der üblichen Maßschwankungen liegt.

Katalog
Anton Bammer - Ulrike Muss - Mustafa Büyükkolanci

304 Art. 67/28 Kat-Nr. 98
Maße: H: 9,0 cm; L: 19,0 cm
FO: Artemision, 1967, im seitlichen Fundament, etwa 10 m west-
lich der 1966er Westkante des Altares und 18 m südlich der Achse
des Artemisions
AO: Depot Gh
Teil eines Sekundärbalkens oder Längsrahmens, alle Seiten
Bruchflächen. Erhalten ist das Fragment eines lesbischen Kymati-
ons mit erhabener, oben gesprengter doppelkantiger Mittelrippe.
Das hohle Blattfleisch, dessen Umrandung durch eine Furche ge-
teilt ist, sowie das einfache Zwischenblatt sind im sog. kleinasiati-
schen Schema gebildet, wie auch die Deckleisten der kubischen fi-
guralen Säulenbasen des Artemisions. Die Phasenlänge beträgt
6,35 cm.
Lit.:
A. Bammer, AA 1968, 411, Abb. 18c; ders. ÖJh 47, 1966/67,
Beibl. Sp. 36.
AB, UM
304 Art. 67/32 Kat.-Nr. 99
Maße: H: ca. 7,0 cm, B: ca. 5,6 cm
FO: , Altargrabung 1967, westlich der Westkante der Grabung
1966,18 m südlich der Achse des Altares
AO: unbekannt
Kassettenfragment. Erhalten sind Reste von zwei Eiern mit Zwi-
schenblättern des ionischen Kymations. Darüber setzt ein Profil
an, welches sich als Ansatz eines Kassettenrahmens identifizieren
läßt.
Lit.:
A. Bammer, AA 1968, Abb. 18b (links). AB, UM

Art. 67/33 Kat.-Nr. 100 305
Maße: H: 13,25 cm; L: 17,5 cm; Kymaphase; 4,85 cm
FO: Artemision, 1967,13,70 m westlich der 1966er Westkante des
Altares, knapp neben der Rinne.
AO: Depot Gh
Eckfragment einer Kassette. Ein Teil des 4,6 cm dicken Kassetten-
bodens sowie ein 6,95 cm tiefer Überhang ist erhalten, Das glatte
Auflager weist Bearbeitunsspuren (Flacheisen) auf.
Erhalten ist ein Ausschnitt des ionischen Kymas mit einem Teil
der Zwickelpalmette (links), welche sich aus einem spitzen drei-
eckigen Blatt entwickelt, die Palmette besteht aus noch drei (eines
davon ist verbrochen und damit nur teilweise erhalten) konkaven,
keulenförmigen, hohlen Blättern, von denen die beiden inneren
das anschließende Zwischenblatt des Eierstabes berühren. Das
Kyma mit der Phase 4.85 cm zeigt weitabstehende Hüllblätter, die
diese nicht berührenden Eier weisen eine schlanke, unten spitz zu-
laufende Form auf. Die Zwischenblätter stoßen stumpf an die Per-
len des Astragales, die Spitze des Hüllblattes stößt an die Scheib-
chen des Astragales an.
Lit.:
A. Bammer, AA 1968, 420 Abb. 33.
AB, UM
Art. 68/K 7 Kat.-Nr. 101 306
Maße: H: 11,1 cm; T: 9,1 cm; L: 12,0 cm
FO: südl. des zweiten Feldes des S-Fundamentes (von O aus gese-
hen), knapp oberhalb des von Mörtel bedeckten Fundamentes
AO: Depot Gh
Eckfragment einer Kassette. Vom ionischen Kyma ist ein Ei mit
weitabstehendem Hüllblatt und den seitlichen Zwischenblättern

307 Die Form des Kymations auf Art. 68/28 zeigt eine viel weiter geöffnete Öse und ist nicht
so steil geschwungen, wie die lesbischen Kymatien, die die Abschlüsse der reliefierten
Kuben des Tempels gebildet haben. Rügler Taf. 29,4.5.

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