Muss, Ulrike; Bammer, Anton; Österreichisches Archäologisches Institut [Editor]
Forschungen in Ephesos (Band 12,2: Textband): Der Altar des Artemisions von Ephesos — Wien: Verl. d. Österreich. Akad. d. Wiss., 2001

Page: 141
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DOKUMENTATION

Anton Bammer - Ulrike Muss

BIOGRAPHISCHES ZU WILHELM WILBERG
Wilhelm Wilberg wurde am 1. 12.1872 in Athen als Sohn des deutschen Konsuls und Buchhändlers Karl Wilberg geboren und starb 1954 in
Wien. Seine Gymnasiastenzeit verbrachte er in Weimar, das Abitur machte er in Leipzig, danach studierte er zwei Semester an der Techni-
schen Hochschule in München. In den Jahren 1891 bis 1893 arbeitete er im Architekturbüro Emst Zillers in Athen. Erste archäologische For-
schungen unternahm er in dieser Zeit zusammen mit Theodor Wiegand auf der Akropolis. Von 1893-1896 war er als Architekt am Deutschen
Archäologischen Institut tätig. Als Assistent von Wilhelm Dörpfeld arbeitete er in Troja; mit Theodor Wiegand und Hans Schrader in Priene
und auf Thera. Von 1896-1898 arbeitete er am Alten Museum in Berlin. Im Jahre 1898 wurde er bei der Gründung des ÖAI zum Institutsar-
chitekten bestellt, in dieser Funktion nahm er an den Kampagnen der Jahre 1899-1908 sowie 1911 und 1913 in Ephesos teil.
1914 promovierte er bei Rudolf Heberdey in Graz zum Doktor der Philosophie mit einer Dissertation über das Südtor der Agora von Ephe-
sos499. Mit dem Artemision beschäftigte er sich in seinen „Studien am Artemision. Der alte Tempel“, erschienen in den FiE I (1906) S. 221-
234.
In einem Brief, gerichtet an seine Privatadresse in Wien IV, Mozartgasse 4, gratuliert im Jahre 1942 die Zentraldirektion des Archäologischen
Institutes des Deutschen Reiches Wilhelm Wilberg zum 70. Geburstag. In dem Schreiben heißt es unter anderem: „Mit Stolz zählt das Ar-
chäologische Institut Sie zu seinen ordentlichen Mitgliedern und gedenkt besonders am heutigen Tage in Dankbarkeit der Verdienste, die Sie
sich, namentlich auf den Denkmälerstätten Kleinasiens, um die archäologische Wissenschaft erworben haben.“500
ZEICHNUNGEN W WILBERGS DER UM 1900 GEFUNDENEN ALTARWERKSTÜCKE

Zeichnungen W. Wilbergs der um 1900 gefundenen Altar-Werkstücke
ÖAI, Inv.-Nr. 1396, sog. Wilbergmappe
(Tafelabb. 502-518)
Zeichnungen auf Karton, eine Zeichnung trägt ein Datum von 1902.
Folgende Werkstücke sind gezeichnet:
502 1396/1
Deckprofil D 1
Fußprofil B 1
503 1396/2
Skizzen ohne Maßstab von Architraven A 7, A 2, A 6 (von oben
nach unten) sowie von Gl- Untersicht; Untersicht von A 6 und
Profil, M: 1 : 10.
504 1396/3
O2- Orthostat-Innenecke, Selguk, Ephesos-Museum, in Archi-
tekturprobe verbaut.
Perspektivische Ansicht mit Eintragung der Dübel und Klammer-
löcher, der Anschlußflächen, rauhen und glatten Seiten.
An der linken Seite (in der Perspektive mit rauh bezeichnet) ist in
Ansicht der Oberseite links: ,spät abgearbeitet4 eingetragen. Die
Fortführung ist strichliert eingezeichnet. In der Tat wäre diese
sonst die einzige derart bearbeitete ,Anathyrose‘, bei der der Spie-
gel cm höher ansteht.
505 1396/4
Orthostaten O 1 (links) und O 3 (rechts)
O 1: Wien, Ephesos-Museum:
Ansicht mit Maße der Latten und Lücken, Längen- und Höhenmaß
des ganzen Stückes. Darunter die Aufsicht mit Eintragung der
Klammem, Dübel und Anschlußflächen. Darunter perspektivische
Ansicht, seitlich zur Rückseite ist Dübel mit vertikalem Gußkanal
eingetragen.

O 3: verschollen:
Außenecke, in Ansicht und Aufsicht wiedergegeben, es handelte
sich um eine 104 cm hohen Stein, bei dem in der Ansicht eine Latte
von 10 cm Breite erhalten ist. Das gesamte Werkstück hatte eine
Breite von 22 cm (eingetragen in der Aufsicht). Das Werkstück wur-
de abgearbeitet und seine Oberfläche außerdem durch die Benut-
zung als Kanaldeckelstein stark abgetreten - wie von Wilberg be-
schrieben. In der Aufsicht rekonstruiert er strichliert die Außenecke,
indem er 8,5 cm für die Lücke substrahiert und dann an der Ecke eine
Latte von 10 cm Seitenlänge aufträgt (offenbar nach dem Abdruck
der Ecklatte auf dem Deckprofil D 1 ergänzt). Für die länger erhal-
tene Seite des Werkstückes nimmt er zusammen mit der Ecklatte
fünf Latten (und somit vier Lücken) an. Bis zu einer Tiefe von 32 cm
(Maß nicht eingetragen) ist die Fläche glatt (inklusive der glatten In-
nenfläche der Latte gerechnet). Dies entspricht etwa dem Maß der
Steintiefe von O 1 (= 34,9 cm). Bis zu dieser Tiefe reichte der näch-
ste anschließende Block. Der restliche Teil der anschließenden Flä-
che wurde rauh belassen - wie Wilberg angibt. Diese Fläche von
53.5 cm enthält das Kemmauerwerk, wahrscheinlich aus Kalkstein.
Alle drei Orthostaten sind in etwa gleich lang.
O 3: 84,5 cm (Außenecke mit Latte gemessen, ohne Latte
79.5 cm); O 2: 82,5 cm (Innenecke); O 1: 87,5 cm.
Die rückwärtigen Klammern (bei O 1 und O 3) dienten dazu die
Orthostaten mit dem Kemmauerwerk zu verdübeln.
1396/5 506
Rekonstruktionsversuch einer Ecke mit Untersicht zweier Eckar-
chitrave, von denen nur einer (A 2) erhalten ist und mit Eckgeison

499 A. Bammer, Architektur als Erinnerung (1977) 86f.; Th. Wiegand, Halbmond im letzten
Viertel (1985) 28 und biographischer Index; R. Lullies -W. Schiering (Hrsg)., Archäolo-
genbildnisse (1988) 153 (E. Diez); 214 (H. Kenner); Hundert Jahre Österreichisches Ar-

chäologisches Institut Athen 1898-1998 (hrsg. von V. Mitsopoulos-Leon) 25 ff. (Ch.
Schauer). 25 f.
500 Die Kenntnis dieses Briefes wird C. Lang-Auinger verdankt.

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