Furtwängler, Adolf
Kleine Schriften (Band 2) — München, 1913

Page: 313
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Ober ein auf Cypern gefundenes Bronzegerät. 313

bezweifeln. Im Südosten ist der Typus der Räderkessel natürlich der reicheren
Kultur dieser Gegenden entsprechend reicher ausgebildet und hat in den deko-
rativen Füllungen orientalische Elemente mit aufgenommen; aber im Grunde ist
er derselbe wie der im fernen Nordwesten. Selbst die Vögel erscheinen wenigstens
auf dem Exemplar von Larnaka; die Vögel sind unbestimmt wie an den nordi-
schen Stücken; es könnten auch hier wie dort ebenso Raben wie Tauben sein.
Die Technik des Gusses, die Form der Räder und ihrer Achsen sowie die Art
der Befestigung der Stützen an den Achsen ist an den cyprischen Untersätzen 433
und jenen anderen nordischen Wagengebilden durchaus gleichartig.

Aber auch der ursprüngliche Sinn der Geräte wird hier und dort wohl der-
selbe gewesen sein. Einen praktischen Zweck hatten die Gestühle und Becken
des salomonischen Tempels allem Anschein nach nicht;l die Räder dienten offen-
bar nicht, um die Gefäße zu wirklichem Gebrauche heranzurollen; es wird viel-
mehr berichtet, daß die Gestühle ihren festen Platz, fünf auf der südlichen und
fünf auf der nördlichen Seite des Tempels hatten. Ihre Bedeutung wird eine
symbolische gewesen sein.2

Sie zu erraten hilft uns nun die Oberlieferung von dem Räderbecken zu
Krannon.

Die Juno caelestis in Karthago, d. h. die große weibliche Himmelsgottheit,
die Astarte Karthago's] war eine „pluviamm pollicitatrix" (Tertull. apol. 23). Die
ehernen Wagenbecken mit den Tauben, wie sie das kyprische Stück zu zeigen
scheint, mögen in phönikischem Sinne der Himmelsgöttin als Herrin des Regens
geweiht gewesen sein. Und analogen Sinnes waren gewiss die von dem Tyrier
für Salomo gefertigten Geräte.

1 Über den Zweck derselben wird nirgends berichtet (vgl. Stade, Gesch. d. Volkes
Israel S. 336); daß sie zum Spülen der Geräte beim Opfer gedient hätten, wie es 2 Chron.
4, 6 heißt, ist natürlich nur ungeschickte Erfindung des Chronisten, ebenso wie dessen
Behauptung, das eherne Meer hätte den Priestern als Waschbecken gedient, die Stade
a. a. O. mit Recht zurückweist.

2 Solche vermutet Stade a. a. O. auch für das eherne Meer.
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