Marées-Gesellschaft [Editor]
Ganymed: Blätter der Marées-Gesellschaft — 5.1925

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I 20

EMIL PREETORIUS

— und man achte auf die Kraft der Anschauung, wenn der Auferstandne
den Finger der Ungläubigen an die schmerzhafte Wunde führt, aber auch
auf die Konsequenz der Imitation in den letzten Takten, die auch die Sep-
timenparallelen nicht scheut.
Schütz ist voll von solchen Zügen, die eine solche Kraft des Musikers,
eine solche mächtige Phantasie, eine solche tiefe Menschlichkeit offen-
baren. Auch seine Auferstehung ist ihm sicher.

DAS PROBLEM DES BÜHNENBILDES
VON
EMIL PREETORIUS
Dichtung und Musik bewegen sich in der Zeit, das Bild aber verharrt
im Raume. Mit diesem Gegensatz ist die Resonderheit und Schwere
des Problems aufgezeigt, das dichterische oder musikalische Drama mit
einem bildnerischen Werke in eine Einheit zu zwingen. Und wenn die
Metalogik einer künstlerischen Schöpfung nicht etwas anderes bedeutete
als die Logik psychologischer Erwägungen, so wäre eine Lösung jenes
Problems schlechthin unmöglich. In vollkommenem Maße wird sie frei-
lich nur selten erreicht: denn dazu gehört, daß dem Ton- oderWortwerke
sich das Bildhafte biegsam einschmiege und durchaus dienstbar mache.
Aber wie der bildenden Kunst unsrer Tage im allgemeinen, so fehlt unsrer
Bühnengestaltung im besonderen gerade diese Bescheidung, Teil und die-
nender Teil nur eines Ganzen zu sein, sich willig einzuordnen einem
größeren Zusammenhang. So entstehen in überwiegender Mehrzahl jene
Inszenierungen, die das Drama zum Vorwand nehmen — nicht anders als
die heute für Illustrationen geltenden graphischen Gebilde den Buchtext—,
sich völlig eigenwillig als losgelöste künstlerische Schöpfungen aufzubauen.
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