Marées-Gesellschaft [Editor]
Ganymed: Blätter der Marées-Gesellschaft — 5.1925

Page: 185
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M*** P***/NEUE BRIEEE AUS ITALIFN i85
da ich nicht seekrank wurde. Doch war das Diner sehr peinlich. Bei jedem Hinunter des
Schiffes gab es einen Krach und ein Zittern, das sich dem Kopf mitteilt und das ich noch nicht
los bin. Dazu die Maschinenbewegung, die „trepidation“, ein surrendes Zittern, das durch
und durch geht. An meiner Seite die Dame erhob sich und verließ lächelnd den Saal. Eine
viande erscheint, ich überlege und lehne ab, dann lehnt der ganze Tisch ab. An Deck aber
ist es wieder lustig und die Nacht schlafe ich immer gut. Um 1/2 11 früh bei noch immer
bewegter See sind wir vis-ä-vis Marseille, doch müssen wir infolge Platzmangelsim Hafen
so lange warten, bis gerade die Anschlußmöglichkeit zum zweiten Zug 12 Uhr verpaßt
ist, Verspätung infolge Sturms. Ich begebe mich daher in dieses Hotel und dejeunierte
eben. Mir geht es sehr gut. Nur beim Treppensteigen und überhaupt überall habe ich
das Gefühl im Kopf, an Bord zu sein: alles schwankt. . .
Vielleicht werde ich jetzt ein schwankendes Museum anschauen. Jedenfalls werde ich
abends 8 Uhr in das letzte rollende Bett steigen und morgen früh die Gare de Lyon be-
wundern. Und bald malen können! Grämt mich die lange Fahrt, die geht zu Ende, eh
noch die Sonne sinkt — sind wir am Land. Die lange Fahrt grämt mich aber gar nicht,
aber auch nicht die Heimkehr. G’est ca!
Herzlichen Gruß
Eugen.

NEUE BRIEFE AUS ITALIEN
VON
p***

Bologna, den i3. Juni 1922.
Liebste G. . .
Ich muß Dir noch von Modena schreiben. Also, ich bin, wie immer,
vom Bahnhof zu Fuß in den Ort gegangen; das Köfferchen habe ich dem Portier gegeben.
Zuerst hat es mich nun gefuchst, daß ich in Modena ausgestiegen bin, denn es schien mir,
als sei ich in so etwas wie Freiburg im Breisgau geraten, so in ein Bobbeles-Städtchen, in
ein Städtchen von pensionierten Apothekern und Lehrern. Es ist auch alles so, wie es in
einem pensionierten Städtchen ist, in jeder Straße ein oder zwei schöne alte Häuser, aber
natürlich auch etwas ganz Besonderes: ein Schloß, und zwar nicht ein Frau Kym-Schloß,
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