Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 50,1.1857

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Nr. 8.

HEIDELBERGER

1857.

JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Janssen: Hilversuin’sche Oudheden.

(Schluss.)
Aber wozu legte man sie nieder? — Als Weiheopfer? —■
Legte man bloss die Opferwerkzeuge oder auch noch andere stei-
nernen Geräthe den Göttern zu Geschenken nieder? •— Wer legte
sie nieder? Die ganze kleine Volksgenossenschaft oder nur eine einzelne
Familie? — Waren diese Herde Volks-, oder Familien-Herde? —•
Und war so ein Herd- oder eigentlich Opferstätte gebraucht, so wurde
sie mit Sand ausgefüllt und somit zugedeckt und versteckt. Das
scheint ausgemacht zu sein. — Aber liess man sie für immer ver-
deckt, — oder verdeckte man sie nur nach dem Opferfeste, das
ein Jahresfest war, und öffnete man sie wieder*) und opferte man
wieder, wenn, bei dem Kreisläufe der Zeit, das Jahresfest wieder
kehrte? — Das sind Räthsel, welche weder wir selbst zu lösen
vermögen, noch uns Herr Janssen gelöset hat; Fragen welche
keine Geschichte der Urzeit, der ältesten Vorzeit der Völker am
Nieder-Rheine, uns beantwortet; Aufgaben, um deren richtige und
genügende Erörterung wir die Alterthumsfreunde bitten.
Seine Untersuchung über die Hilversum’sche Herdstätten schliesst
Herr Janssen mit der Anzeige von andern merkwürdigen Ueber-
resten der Vorzeit, welche man an andern Plätzen der Gemeinde
Hilversum entdeckt hat. Weil auch ein so genannter Streitmeissel
gefunden wurde, lässt Herr Janssen sich besonders ausführlich
über diese Meissel von Erz und Eisen aus, über welche schon so
viel geschrieben und gestritten worden ist. Er zählt alle auf, die
man, gleich wie sie in ganz Europa zu Tage kommen, also auch
in den Niederlanden gefunden hat; erinnert an unsere Darlegung
(Heidelberger Jahrbücher, Jahrgang 1840, Nr. 35, S. 556 u. 557),
dass man sie sehr unrichtig Celte nennt, weil der Name der Kelten
in gar keiner Beziehung mit diesen Werkzeugen steht. Er stimmt
auch uns bei, dass diese sogenannten Streitmeissel überhaupt tech-
nische Werkzeuge, Meissel mit mancherlei Verschiedenheiten ihrer
Form und von mehr oder minder artistischer Vollkommenheit wa-
ren, welche zu den verschiedensten Verrichtungen des Lebens an-
gewendet wurden, selbst auch im Kriege gebraucht worden sein
mögen, wenn man keine anderen besseren Waffen hatte.

*) Also hier nur eine Alternative und kein Widerspruch, wie Herr Jans-
sen unsere Erklärung auffasst in den Heidelberger Jahrbüchern, Jahrgang 1854,
Nr. 37, S. 585.
L, Jahrg. 2. Heft.

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