Heidelberger Jahrbücher der Literatur — 50,1.1857

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Hr. 2. HEIDELBERGER 1857.
JAHRBÜCHER DER LITERATUR.

Cotta: Kohlen-Karte.

Die älteste Kohlen- oder die Hainicher Formation besteht in
ihrem untersten Theile hauptsächlich aus den sogenannten Grund-
conglomerat, welches eine Mächtigkeit von 2000 Fuss erreicht und
von sehr grossen Geschieben von Thonschiefer, Fleck- und Horn-
blendeschiefer zusammengesetzt wird. Grauliche Farbe, Mangel an
Porphyr-Geschieben unterscheiden diese Ablagerung wesentlich vom
Rothliegenden. Nach oben gehen die Conglomerate in Sandstein
und Schiefer über, welche zuletzt vorherrschen und gegen 5 gering
mächtige Kohlenlager enthalten. Das mächtigste ist nur 26 Zoll
dick. Es zeigen sich die Schichten dieser Formation meist ziemlich
stark aufgerichtet, oft bis zu 50—70° — was indess für den Abbau
schwacher Kohlenlager eher von Vortheil als von Nachtheil ist. Die
Pflanzen-Reste sind den Geschlechtern, aber nicht den Arten nach
dieselben, wie in der eigentlichen Steinkohlen-Formation. Aus allem
ergibt sich, dass letztere von jüngerem Alter, und dass das Kohlen-
Gebilde von Hainichen etwa zur nämlichen Zeit abgelagert wurde,
wie in England und in Belgien der Kohlen-Kalkstein, also der un-
teren Abtheilung der ganzen Formation angehört. (In die nämliche
Epoche fällt wohl die unter so denkwürdigen Lagerungs-Verhält-
nissen vorkommende Kohlen-Ablagerung bei Offenburg, welche aus
grauen, sehr quarzigen Sandsteinen, Schieferthonen und verschie-
denen Anthracit-Flötzen besteht; die Schichten sind unter sehr hohem
Winkel aufgerichtet und zeigen sich gleichsam wie eingeklemmt in
das benachbarte Urgebirge. Die kohlenführenden Gebilde in den
Umgebungen von Baden dürften aber ins Bereich der eigentlichen
Steinkohlen Formation gehören.)
Alle jene Regionen, in welchen weder bestimmte Gründe für,
noch gegen die Anwesenheit von Kohlen enthaltenden Formationen
sprechen, sind auf der Karte weiss gelassen, mit rother Colorirung
aber solche bezeichnet, in welchen durchaus keine gegründete Hoff-
nung vorhanden ist, jemals in angemessener Tiefe Kohlen-Lager
aufzufinden. Dies gilt namentlich jenen Gegenden Sachsens, in wel-
chen der Quadersandstein entwickelt und wo bereits seit 50 Jahren
viele vergebliche Versuche gemacht wurden, bauwürdige Kohlen-
Lager aufzuschliessen, wie bei Tharand und Pirna. Die Schiefer-
thone des Quadersandsteins führen stets nur unbauwürdige, höchstens
L. Jahrg. 1. Heft. 2
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