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Kritiken.

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weise ein bis auf geringe Ausnahmen wörtlicher Abdruck aus den
Werken Blankenburgs und Sybels. Der Krieg gegen die Hannoveraner
und Süddeutschen ist von Kanngiesser selbst geschildert und diese
eigene Arbeit zeigt, wie wenig Kanngisser dieser Aufgabe ge-
wachsen war.
Hoenig hat sich nun nicht nur bemüht, diesen bayerischen
Sagen gegenüber eine auf kritischer Grundlage ruhende Darstellung
zu geben, sondern sein eifriges Streben ging dahin, völlig objektiv
zu sein und allen Parteien gerecht zu werden. So hat er sich an
preussische, wie bayerische Offiziere gewandt und von ihnen Material
erhalten. Besonders schwierig war eine richtige Beurteilung des
Oberbefehlshabers, des Prinzen Karl von Bayern. Hoenig ist der An-
sicht, dass er die Schuld anderer auf sich genommen und durch sein
Schweigen bewiesen, dass er seelische Grösse und einen starken Charakter
besessen.
Hoenig erklärt sich für die strategische Auffassung Moltkes, wo-
nach die Preussen sich mit aller Kraft gegen die Bayern wenden
sollten. Für- ihn sind deshalb die Gefechte an der Saale die „Ent-
scheidungskämpfe“. Gewiss konnten sie es werden, wenn Falckenstein
am 11. und 12. Juli die Erfolge des 10. ausnutzte. Da er es aber
vorzog, den politischen Weisungen Bismarcks nachzukommen, die seinen
eigenen strategischen Ansichten besser entsprachen, als die Ratschläge
Moltkes, so marschierte er gegen Frankfurt am Main ab und den
Bayern blieb Zeit sich wieder zu erholen. Wenn es unrichtig ist
zu sagen, dass die Bayern infolge politischer Weisungen das Gefecht
bei Kissingen absichtlich verloren haben, so ist es dagegen nicht falsch,
den Abmarsch der Preussen mit politischen Gründen zu motivieren.
Berlin. Richard Schmitt.
 
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