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Nachrichten und Notizen.

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schichte, Zustand, Inhalt des Archivs, um dann im zweiten Teil eine Aus-
wahl der wichtigsten Urkunden und Texte zur Charakteristik des Materials
zu geben. Das Archiv der venetianischen Regierung auf Candia, die nach
dem lateinischen Kreuzzug 1205 begann und nach der Eroberung der Insel
durch die Türken 1669 endete, ist bei dem Verlust der Insel auf Schiffe
gepackt und nach Venedig geschafft worden, wo es 206 Jahre so unbeachtet
lag, dass, wie Gerland anführt, der Historiker Cantu um 1850 den besonderen
Nachweis führen zu müssen glaubte, dass es überhaupt noch existiere. Erst
durch Angehörige der jetzigen venetianischen Archivleitung ist es in den
Zustand versetzt worden, in dem überhaupt eine Benutzung möglich war.
In der Zeit von 1669—1899 ist es von nur 4 Forschern vor Gerland gesehen
worden, von Laurentius de Monacis und Flaminius Cornelius um 1750 und
von Giomo und Jorga in unsern Tagen. Schon daraus ergiebt sich der
reelle Wert der Gerlandschen Publikation. Der Autor giebt eine ge-
ordnete Uebersicht des Bestandes, der 97 Mappen füllt. In 3 Bänden sind
Dokumente und Urkunden, die noch in das 13. Jahrhundert, das erste der
venetianischen Herrschaft zurückgehen, nämlich die Registri di leggi statu-
tarie (Mappe 50) und die Kataster in den Mappen 18 und 19, die von be-
sonderer Wichtigkeit für die Erkenntnis der Verhältnisse und Verwaltung
der Insel sind. Freilich sind sie zum Teil durchaus fragmentarisch, welchen
Charakter überhaupt nach Gerland das ganze Archiv in hohem Masse
trägt. Dafür ist aber in erster Linie die Zeit verantwortlich zu machen,
die es in Venedig schlummert. In Kandia selbst ist es, wie Gerland
S. 10 nachweist, in guter Ordnung gehalten worden. Daher muss man, um
den vollen ehemaligen Bestand kennen zu lernen, Abschriften meist des
17. Jahrhunderts zu Hülfe nehmen, die sich äusser im Archiv selbst auch
in der Markusbibliothek und in einigen Privatarchiven zu Venedig befinden.
Aus all diesem Material gewinnt man jedenfalls ein Bild der 400 Jahre
venetianischer Herrschaft auf Kandia, wie man es bis jetzt noch nicht hatte
und noch nicht haben konnte. Zu wünschen wäre nur, dass Gerland sich
nicht damit begnügte, für eine neue grundlegende Geschichte der Insel
das Material geliefert und den Boden geebnet zu habeu, sondern, dass er
uns diese Geschichte selber giebt. Er wäre nach mancher Richtung der
Nächste dazu.
Rom. M. Claar.
Zur Ergänzung des von Gachard veröffentlichten Verzeichnisses von
Handschriften der Berliner Königl. Bibliothek, die sich auf die belgische
Geschichte beziehen, ist jetzt eine Arbeit Michel Huisman’s erschienen:
Inventaire des nouveaux manuscrits concernant l’histoire de la
Belgique acquis par la Bibliotheque Royale de Berlin. Sind doch seit
mehr als einem viertel Jahrhundert die Handschriftenschätze der Bibliothek
beträchtlich vermehrt worden, z. B. durch die Sammlungen des Sir Thomas
Philipps, der Grafen von Starhemberg, des Lord Hamilton. Die An-
ordnung, nach der die Mss. besprochen werden, ist dieselbe wie bei
Gachard.
Nationalökonomen und Juristen, Ethnographen, Soziologen und Histo-
riker behandeln in letzter Zeit mit besonderem Eifer die Anfänge mensch-
Histor. Vicrteljahrschrift. 1900. 1. 10
 
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