Hyrtl, Joseph
Onomatologia anatomica: Geschichte und Kritik der anatomischen Sprache der Gegenwart ; mit besonderer Berücksichtigung ihrer Barbarismen, Widersinnigkeiten, Tropen, und grammatikalischen Fehler — Wien, 1880

Seite: 304
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218. Magma.

218. Magma.

Unter Magma reticule verstand Velpe au jene gelatinöse
Substanz, welche sich in den ersten Entwicklungsphasen des
menschlichen Eies, zwischen Amnios und Chorion befindet,
und zwar an der Stelle, wo später die Placenta sich entwickelt.
Das Wort Magma in die Anatomie einzuführen, war kein glück-
licher Gedanke, da es, schon seit uralten Zeiten, in der Medicin
an zwei ganz andere Dinge verliehen ist. Mayjxa nannte Galen
den Rückstand, welcher nach dem Auspressen der saftreichen
Früchte des Myrobalanon zurückbleibt'). Andere verstanden
darunter dicke Salben: unguenta spissa, pauco liquore subacta,
ne diffluant (Gorraeus), wie das Hedychroon des Andro-
machus, über dessen Beschaffenheit Galen sich umständlich
auslässt2). Des Wortes Stamm ist [xaacto, subigo, kneten.

Die gelatinöse Flüssigkeit zwischen Amnios und Chorion,
an der Stelle, wo sich die Placenta bildet, wurde von Velpeau
für einen Ueberrest der Allantois gehalten. Von Fasern ist sie
nicht durchzogen, deshalb auch nicht reticule. Man meint, dass
sie, wenn sie an Menge zunimmt, und sich weiter zwischen
Chorion und Amnios ausbreitet, als falsches Wasser, vor
dem Abgang des eigentlichen Fruchtwassers (Liquor amnii),
bei der Geburt entleert wird. Duges schlug vor, dem falschen
Wasser den Namen Hydrallante (hydropisie de l'Allanto'ide) zu
geben. Warum nicht lieber Allantohydor; welches den Begriff:
Wasser der Allantois, weit besser und richtiger in sich
schliesst, als Hydrattante.

) De compositwne mcdicamentorum, Lib. VII, Cap. 7.
!) De antidotis, Lib. I, Cap. 10.
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