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Imago: Zeitschrift für Anwendung der Psychoanalyse auf die Geisteswissenschaften — 5.1917-1919(1919)

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https://doi.org/10.11588/diglit.25679#0253

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Äußerungen infantil-eratischer Triebe im Spiele

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Äußerungen infantil=erotischer Triebe im Spiele.

(Psydioanalytische Stellungnahme zu den wichtigsten Spieltheorien.)
Von Dr. SIGMUND PFEIFER <Budapest>.

I.

7Vusgehend von den Mitteilungen eines Mädchens mit stark ent-
/ \ wickelter Urinerotik über ihr Lieblingsspiel aus der Kind^
ü heit — sie hielt ihre Pölster und andere Bettsorten gerne
unter den Wasserstrahl des Brunnens, weil sie neugierig war, »wie
die Federn ausschauen, wenn sie einmal naß werden«: eine sym-
bolische Wiederholung des lustvollen Bettnässens in Spielform —
habe ich versucht, die Betrachtungsweise und Methoden der Psycho*
analyse auch bei den Spielen, sowohl bei den individuellen, wie bei
den typischen, anzuwenden. Die vorgenommenen Spieluntersuchungen
haben auch ergeben, daß die Spiele mit den Mitteln der Analyse
ebenso deutbar sind, wie die Träume, Mythen, Neurosen u. a.
Produkte des Unbewußten der IndividuaL oder Massenseele, daß
das Spiel in seinem Wesen die weitestgehende Übereinstimmung mit
diesen aufweist, da auch seinen Kern die infantilerotische Betätigung
der Partialtriebe der Sexualität bildet.

Dieser Gedanke lag eigentlich auf der Fland. Freud teilt
schon im Jahrbuch für psychoanalytische und psychopathologische
Forsdhungen 1909 I, Bd. {Analyse der Phobie eines fünfjährigen
Knaben, s. 63 t>is 97 ff.> ein vollständig analysiertes, individuelles
Spiel mit, eine Symptomhandlung des kleinen Hans mit ausge-
sprochenem Spielcharakter, dessen Bedeutung für die Analyse des
Spieles ich erst während meiner Spieluntersuchungen erkannt habe.
Ebenso habe ich nod> später einen kurzen, jedoch vielsagenden
Hinweis Freuds in »Totem und Tabu« kennen und würdigen
gelernt, daß das Spiel »eine motorische Halluzination« sei. Beide
auf dem gleichen Wege gefundenen Meilensteine betrachte ich als
Beweise für die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges.

Der kleine Hans spielt unermüdlich mit einer Gummipuppe.
Er stedct ein Tasdhenmesser der Mutter durch ein Quietsdiloch in
den Bauch der Puppe, reißt dann ihre Füße auseinander und läßt
so das Messer wieder falien. Bei diesem Spiel fällt zunächst seine
lusterzeugende Natur auf, schon aus dem Grunde, da das Spiel
unermüdlich wiederholt wird. Man muß sich die Frage steflen, wo
diese Lust bei einer scheinbar so sinnlosen Tätigkeit, wie dieses
Spiel, herstammt. Die Analyse hat zunächst ergeben, daß das Spiel

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